Kalenderblatt
18. August

Stürzen wir uns in die Fluten

Das Kalenderblatt zum 18. August
“Stürzen wir uns in die Fluten”
“Let’s jump into the floods”
“Vamos a arrojarnos al mar”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
        

Dieses Bild kennt keinen sicheren Standpunkt. Schon der Titel „Stürzen wir uns in die Fluten“ formuliert keine vorsichtige Einladung, sondern eine gemeinsame Bewegung: Wir stürzen uns hinein. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn wir wissen, was uns erwartet. Der Sprung hat bereits begonnen.

Die Komposition scheint genau diesen Augenblick festzuhalten.

Im unteren und linken Bildbereich verdichten sich Schwarz, dunkles Violett, Rot und erdige Farbschichten zu einer aufgewühlten Masse. Die Acrylpaste lässt die Oberfläche körperlich werden. Farbe liegt nicht einfach auf dem Papier, sie türmt sich auf, bricht auseinander, überlagert sich und zieht den Blick in ihre Strömungen hinein. Es gibt kaum Ruhepunkte. Alles scheint in Bewegung.

Demgegenüber öffnet sich im oberen Zentrum eine beinahe blendende Zone aus Weiß, Gelb und glühendem Orange. Sie wirkt wie ein Einbruch des Lichts in eine chaotische Landschaft. Doch dieses Licht bietet keine gemütliche Erlösung. Es ist selbst Teil der Eruption. Gelbe und orangefarbene Formen schießen durch den Bildraum, treffen auf dunkle Strukturen und erzeugen eine Spannung zwischen Aufbruch und Widerstand, Licht und Abgrund, Hingabe und Kontrolle.

Gerade darin liegt die Kraft des Werkes.

Die „Fluten“ des Titels müssen nicht als Wasser verstanden werden. Es sind die Fluten des Lebens selbst: Erfahrungen, Veränderungen, Begehren, Verlust, Hoffnung, Scheitern, Neubeginn. Alles, was sich der vollständigen Kontrolle entzieht und dennoch gelebt werden will.

Der entscheidende Augenblick

Das Bild erzählt deshalb weniger vom Loslassen als von einer Grenzüberschreitung.

Es gibt diesen schmalen Augenblick, in dem das Bekannte noch hinter uns liegt und das Neue noch keine Gestalt angenommen hat. Wir können nicht mehr zurück, wissen aber ebenso wenig, wohin die Bewegung führen wird.

Genau dort befindet sich dieses Bild.

Das helle Zentrum kann als Öffnung gelesen werden, vielleicht als Zukunft, vielleicht als Erkenntnis, vielleicht nur als jene Leerstelle, in die wir unsere eigene Sehnsucht hineintragen. Das Werk entscheidet diese Frage nicht für uns. Und das ist wesentlich interessanter, als wenn irgendwo ein kleiner Wegweiser „Transformation bitte hier entlang“ stünde.

Nicht die Sicherheit, sondern der Sprung

„Stürzen wir uns in die Fluten“ behauptet nicht, dass Veränderung angenehm sein müsse. Es romantisiert den Aufbruch nicht. Seine Schönheit entsteht gerade aus dem Widerstreit: Das Dunkle verschwindet nicht, weil das Licht erscheint. Beides existiert gleichzeitig.

Vielleicht besteht Mut deshalb nicht darin, keine Angst vor den Fluten zu haben.

Vielleicht besteht er darin, nicht länger am Ufer stehen zu bleiben.

Und vielleicht ist genau das der Augenblick, den dieses Werk sichtbar macht:

Der Moment, in dem aus Sehnsucht Bewegung wird.

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Kalenderblatt
18. August

Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang

Kalenderblatt vom 18. August
„Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang“
„If you push the rain clouds away, you can see a fantastic sunset“
„Si se remueve las nubes de lluvia, se puede ver una fantástica puesta del sol“

Acryl auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Das Bild verzichtet auf die vertrauten Zeichen einer Landschaft. Keine Sonne, kein Horizont, keine Wolke ist eindeutig dargestellt. Stattdessen begegnen uns drei große Farbräume: ein schweres, strukturiertes Rot, ein leuchtendes Gelb und ein tiefes Blau. Erst der Titel verwandelt diese abstrakte Ordnung in ein Geschehen.

Die obere rote Fläche wirkt massiv. Ihre aufgebrochene, zerfurchte Struktur lässt sie beinahe körperlich erscheinen. Sie liegt über dem Bild wie eine schwere, verdichtete Atmosphäre, die den Blick zunächst zurückhält. Bemerkenswert ist dabei, dass die „Regenwolke“ nicht grau oder schwarz erscheint, sondern rot. Dadurch verliert sie ihre rein meteorologische Bedeutung. Sie kann ebenso für Druck, Unruhe, Bedrohung oder eine innere Verdichtung stehen.

Darunter öffnet sich unvermittelt das Gelb.

Diese Fläche besitzt kaum gegenständliche Struktur und entwickelt gerade dadurch eine enorme Präsenz. Das Gelb ist kein kleines Licht am Ende eines dunklen Weges. Es nimmt das Zentrum des Bildes ein. Es ist bereits vorhanden, breit, intensiv und beinahe grenzenlos. Die Dunkelheit muss also nicht erst überwunden werden, damit Licht entstehen kann. Das Licht war die ganze Zeit da. Lediglich der Blick darauf war verstellt.

Das Blau im unteren Bildbereich setzt dem leuchtenden Zentrum eine zweite, kühlere Kraft entgegen. Seine horizontalen Strukturen erinnern entfernt an Wasser, ohne tatsächlich Wasser darstellen zu müssen. Es gibt der Komposition Halt und Tiefe. Zwischen dem bewegten Blau und dem schweren Rot entsteht das Gelb wie eine >Zone der Freiheit.

Entscheidend ist die leichte Schräge zwischen Rot und Gelb. Sie verhindert eine vollkommen statische Dreiteilung. Etwas scheint sich zu verschieben. Genau hier beginnt der Titel innerhalb des Bildes zu wirken: Die Wolke wird nicht vom Wind vertrieben, sie wird „zur Seite geschoben“. Darin steckt eine bewusste Handlung. Wahrnehmung wird nicht als passives Geschehen verstanden.

Der ungewöhnlich lange Titel besitzt dabei beinahe den Charakter eines beiläufig ausgesprochenen Satzes. Gerade diese Alltäglichkeit steht im reizvollen Gegensatz zur elementaren Kraft der drei Farben. Aus Rot, Gelb und Blau entsteht eine kleine Erzählung über das Sehen.

„Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang“ handelt deshalb weniger von einem Sonnenuntergang als von einer Veränderung der Perspektive.

Das Werk behauptet nicht, dass das Schwere verschwindet. Die rote Masse bleibt bestehen. Auch die Tiefe des Blaus bleibt. Aber zwischen beiden öffnet sich ein Raum, der zuvor verborgen schien.

Nicht alles Dunkle muss beseitigt werden, damit Licht sichtbar werden kann. Manchmal genügt eine Verschiebung.

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