Kalenderblatt
19. August

Kalenderblatt 19. August

Das Kalenderblatt zum 19. August
„Gesang der Morgennebel“
„Hymn of the Dawn Mists“
„Himno de las nieblas del alba“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

In „Gesang der Morgennebel“ erscheint Landschaft weniger als konkreter Ort denn als Zustand zwischen Sichtbarkeit und Auflösung. Horizontale Farbräume aus Gold, Rosa, Violett, Blau und gedämpftem Grün überlagern sich wie Nebelschichten, durch die sich das Licht eines beginnenden Tages langsam seinen Weg bahnt.

Die Landschaft besitzt kaum feste Grenzen. Formen tauchen auf, verlieren sich wieder, verdichten sich zu Horizonten und lösen sich erneut in Farbe auf. Gerade darin entsteht die eigentümliche Spannung des Werkes: Das Sichtbare scheint nur vorübergehend Gestalt anzunehmen.

Aquarell und Acrylpaste verstärken diesen Gegensatz. Während die transparenten Farbverläufe Leichtigkeit, Atmosphäre und Vergänglichkeit erzeugen, setzen die pastosen Strukturen Widerstand und Körperlichkeit dagegen. Fließen und Verdichten, Erscheinen und Verschwinden werden zu den eigentlichen Bewegungen des Bildes.

Das intensive Licht des Himmels ist dabei mehr als die Darstellung eines Sonnenaufgangs. Es lässt sich als Moment des Übergangs lesen: Die Nacht ist noch gegenwärtig, während bereits etwas Neues hervortritt. Dunkelheit wird nicht einfach vom Licht verdrängt, sondern verwandelt sich unter seinem Einfluss.

So erhält der Titel „Gesang der Morgennebel“ eine zweite Bedeutung. Der „Gesang“ ist nicht hörbar. Er liegt im Rhythmus der Farbschichten, in den wandernden Horizonten und im Wechsel zwischen Verbergen und Offenbaren.

Das Werk erzählt damit von jenem kurzen Zustand, in dem die Welt noch nicht endgültig festgelegt scheint. Ein Zwischenraum, in dem Wirklichkeit neu entstehen kann.

Und genau dieser letzte Gedanke scheint mir für deine übergeordnete künstlerische Linie besonders interessant: Transformation nicht als spektakuläres Ereignis, sondern als leises Sichtbarwerden einer anderen Wirklichkeit.

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Kalenderblatt
18. August

Kalenderblatt 18. August

Das Kalenderblatt zum 18. August
„Partitur der Sphären“
„Symphony of the Spheres“
„Partitura de las Esferas“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

In „Partitur der Sphären“ begegnen sich musikalische Zeichen, geometrische Konstruktion und freie malerische Setzung. Das Blatt wirkt wie eine Notation, deren Regeln zwar vorhanden zu sein scheinen, sich jedoch einer eindeutigen Entschlüsselung entziehen.

Im oberen Bildraum durchziehen dunkle Linien die helle Fläche. Sie erinnern an Notensysteme, architektonische Gerüste oder schematische Bahnen, ohne sich auf eine dieser Lesarten festlegen zu lassen. Die Linien kreuzen und überlagern sich, verändern ihre Richtung und erzeugen dadurch einen Rhythmus, der weniger gelesen als visuell erfahren wird.

Darunter hängt eine Folge dunkler Vertikalen, an deren Enden rot-schwarze, annähernd kugelförmige Körper erscheinen. Ihre regelmäßige Reihung weckt Assoziationen an Noten, Pendel oder Himmelskörper. Gerade diese Mehrdeutigkeit verbindet den Titel mit der Bildstruktur: Die „Sphären“ können kosmische Körper sein, zugleich aber auch Klänge innerhalb einer imaginären Komposition.

Der Titel greift damit die alte Vorstellung einer Sphärenharmonie auf: die seit der Antike überlieferte Idee, dass die Bewegungen des Kosmos einer mathematischen und musikalischen Ordnung folgen. Das Bild illustriert diese Vorstellung jedoch nicht. Es übersetzt sie in eine offene, zeitgenössische Zeichensprache.

Eine besondere Spannung entsteht durch die beiden farblichen Gegenpole. Das Gold am linken Bildrand bildet eine ruhige, vertikale Begrenzung, während die roten Diagonalen rechts unten dynamisch aus der Komposition hinausweisen. Zwischen beiden Polen entfaltet sich das eigentliche Geschehen: Ordnung und Störung, Wiederholung und Abweichung, Ruhe und Bewegung.

Die sichtbaren Spuren des Materials, kleine Unregelmäßigkeiten und Überlagerungen verhindern dabei jede sterile Geometrie. Die vermeintliche Partitur bleibt menschlich und fragmentarisch. Sie scheint eher gefunden als konstruiert, wie ein Ausschnitt aus einem größeren Zeichensystem, dessen Anfang und Ende außerhalb des Blattes liegen.

„Partitur der Sphären“ macht Musik nicht hörbar, sondern sichtbar. Das Werk entwirft keine eindeutige kosmische Botschaft. Es stellt vielmehr die Frage, ob hinter scheinbar ungeordneten Bewegungen Strukturen existieren, die wir wahrnehmen können, ohne sie vollständig verstehen zu müssen.

Gerade darin liegt für mich die Stärke dieses Blattes: Es behauptet das Geheimnis nicht, sondern lässt es bestehen.

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