Kalenderblatt
22. Januar

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Das Kalenderblat zum 22. Januar
“Der stille Held des Alltags”
“The Quiet Hero of Everyday Life”
“El héroe silencioso de la vida cotidiana”

Acryl, Farbfolie und Acrylpaste auf Torchon ca 21 x 15 cm

Dieses Bild ist eine kleine, brillante Zumutung an unsere Vorstellungen von Würde  und genau deshalb so stark. Auf den ersten Blick begegnet uns eine Figur in einem stillen Moment, reduziert auf Haltung, Kontur und Präsenz. Sie sitzt da wie eine Skulptur aus Gedanken, nach innen gekehrt, fast ehrfürchtig in sich versunken. Die Linien sind nicht geschniegelt, sie sind lebendig: kratzig, tastend, entschlossen und zugleich verletzlich. Als hätte die Malerei selbst kurz innegehalten, um zu prüfen, wie viel Mensch in einem einzigen Sitzmoment steckt. Und dann diese leuchtende, säurefrische Grünfläche: kein Naturidyll, sondern eine Bühne, elektrisch, überdreht, vibrierend. Ein Hintergrund wie ein sarkastisches Spotlight, das sagt: Hier passiert etwas ganz Normales… aber es ist größer als du denkst.

Die Figur wirkt wie ein Monument des Alltäglichen. Nicht heroisch im klassischen Sinn, nicht triumphierend, sondern tapfer durch das bloße Durchhalten des Lebens. Ihre Haltung ist schwer, aber nicht gebrochen. Es ist diese besondere Mischung aus Müdigkeit und Aufrichtung, die jeder kennt, aber kaum jemand zeigt. Der Körper ist da, real, mit Gewicht und Notwendigkeit. Und doch erzählt er zugleich von etwas Unsichtbarem: von inneren Dialogen, kleinen Krisen, großen Fragen, all dem, was wir sonst geschickt überdecken, während wir funktionieren. Diese Arbeit macht daraus keinen Skandal, sondern eine stille Feier. Sie sagt: Auch das ist Menschsein. Auch hier wird gedacht. Auch hier wird gefühlt.

Die zwei roten Quadrate links sind wie freche Markierungen am Rand der Wirklichkeit, kleine Signale, die das Pathos unterbrechen, bevor es zu groß wird. Sie wirken wie Buttons, wie Warnlampen, wie Ausrufezeichen ohne Satz. Sie flüstern: Nicht zu ernst nehmen. Aber ernst genug. Genau das ist die elegante Pointe dieser Komposition: Sie bietet uns Bedeutung an und nimmt sie im selben Moment wieder auf die Schippe. Ein Kunstwerk, das nicht belehrt, sondern lächelt. Das nicht behauptet, sondern beobachtet. Und das uns erinnert, dass die tiefsten Erkenntnisse manchmal nicht in großen Reden kommen, sondern in winzigen Zwischenräumen, in denen man kurz mit sich allein ist.

Das Material unterstützt diese Wahrheit auf perfekte Weise. Acryl, Farbfolie, Acrylpaste, das klingt nach Schichtung, nach Aufbau, nach Überlagerung. Und genau so fühlt sich das Leben an: nicht glatt und eindeutig, sondern aus vielen Schichten zusammengesetzt, mit Spuren, Korrekturen, Durchscheinen, Abdrücken. Torchon als Träger bringt diese haptische, textile Körperlichkeit hinein,  als würde die Oberfläche selbst atmen. Nichts ist hier „perfekt“, aber alles ist wahr. Jeder Strich ist ein Geständnis: Ich war da. Ich habe empfunden. Ich habe ausgehalten.

Und genau deshalb ist dieses Bild so überzeugend: Weil es uns nicht idealisiert, sondern entlarvt  und dabei liebevoll bleibt. Es zeigt keinen „Helden“ im üblichen Sinne, sondern den einzigen Helden, den wir wirklich jeden Tag brauchen: den, der weitermacht. Den, der sich durch kleine Notwendigkeiten manövriert, durch Momente, die niemand fotografiert, durch Situationen, die man nicht postet, aber die dennoch den Kern des Lebens bilden. Dieses Bild hebt den unsichtbaren Moment ins Licht und sagt: Schau hin. Auch das ist Größe. Und plötzlich wird aus einem privaten Augenblick ein universeller: ein stiller, schräger, menschlicher Triumph. Der stille Held des Alltags.

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Kalenderblatt
21. Januar

Teuflischer Abend

Das Kalenderblatt zum 21. Januar
“Teuflischer Abend”
“A satanic evening”
“Una tarde mefistofélica”

Aquarell, Schlagmetall, Tusche auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Teuflischer Abend“ ist kein Bild, das man einfach nur betrachtet,  es ist ein Ereignis. Ein Moment, in dem sich der Tag nicht verabschiedet, sondern aufbäumt, als hätte er noch etwas zu sagen. Das gesamte Blatt glüht in einem Rot, das nicht dekorativ ist, sondern unverhandelbar: ein Rot wie Hitze, wie Alarm, wie das letzte Aufflackern einer Glut, die längst hätte erlöschen sollen. Dieses Rot ist nicht Hintergrund,  es ist Atmosphäre, es ist Druck, es ist ein Raum, in dem man sich nicht verstecken kann. Und dann: die goldenen Flächen aus Schlagmetall, die wie aufgerissene Inseln auftauchen, verführerisch, unberechenbar, fast sakral und zugleich gefährlich nah am Abgrund. Das Gold wirkt nicht wie Schmuck, sondern wie eine unheimliche Offenbarung: etwas, das glänzt, obwohl es eigentlich nicht glänzen dürfte. Es ist der Glanz der Versuchung, die sich als Wahrheit tarnt.

In dieses vibrierende Feld hinein schreibt die Tusche schwarze Zeichen, roh, direkt, wie ein wilder Schwur. Sie wirken wie Spuren eines Rituals, wie eine Botschaft aus einer Sprache, die man nicht versteht, aber sofort spürt. Besonders die vertikalen Linien erinnern an eine Art Beschwörung, eine rhythmische Wiederholung, als würde das Bild etwas heraufholen, das unter der Oberfläche lange geschlafen hat. Rechts erhebt sich eine runde, orangefarbene Form, ein Mond vielleicht, aber kein romantischer. Eher ein Blick. Ein Auge am Himmel, das nicht tröstet, sondern prüft. Darunter windet sich eine dunkle Figur, halb Pflanze, halb Tier, halb Schatten, ein Wesen, das nicht klar definiert werden will, weil es genau davon lebt: von der Mehrdeutigkeit, vom Unfassbaren, von der Nähe zum Instinkt.

„Teuflischer Abend“ trägt seinen Titel nicht als Provokation, sondern als präzise Setzung: Hier geht es um die Stunde, in der das Licht nicht mehr rein ist. Um die Zeit, in der Entscheidungen weicher werden, Grenzen poröser, Moral dünner und das Verdrängte auf einmal eine Stimme bekommt. Der Abend ist hier kein Ausklang, sondern eine Schwelle. Ein Übergang in eine Welt, in der das Schöne und das Bedrohliche dieselbe Farbe tragen können. Dieses Bild erzählt von der Faszination des Dunklen, ohne sich ihm zu unterwerfen. Es zeigt nicht den Teufel als Figur, sondern als Prinzip: als das, was lockt, was spaltet, was gleichzeitig erschreckt und magnetisch anzieht. Und genau darin liegt seine Kraft: Es ist ein Werk über den Moment, in dem man sich selbst begegnet – nicht im Licht der Erklärung, sondern im Feuer der Wahrheit. Ungezähmt. Glänzend. Und kompromisslos lebendig.

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