Kalenderblatt
27. August

Und wieder schaffen es die Regenwolken die Oberhand zu gewinnen. Doch die Sonne wird sie früher oder später auflösen.

Kalenderblatt vom 27. August
„Und wieder schaffen es die Regenwolken die Oberhand zu gewinnen. Doch die Sonne wird sie früher oder später auflösen.“
„Once again the rain clouds manage to get the upper hand. But the sun will dissolve them sooner or later“
„Y otra vez las nubes de lluvia logran imponerse. Pero el sol las disipará tarde o temprano.“

Aquarell auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm

Der Himmel hat sich verdunkelt.

Blau, Grau und Violett ziehen in schweren, bewegten Bahnen über das Bild. Die Regenwolken drängen sich zusammen, überlagern einander und scheinen den oberen Bildraum vollständig in Besitz nehmen zu wollen.

Doch darunter geschieht etwas anderes.

Licht bricht hervor.

Gelb, Orange und Rot breiten sich unter den dunklen Wolken aus. Die Sonne selbst ist kaum noch als klar begrenzter Körper zu erkennen. Sie scheint sich vielmehr in Licht verwandelt zu haben, das durch die Wolken hindurchdringt und ihre Ränder zum Glühen bringt.

Es ist kein friedlicher Sonnenuntergang.

Himmel und Licht befinden sich in einem vorübergehenden Kräfteverhältnis.

Für diesen Augenblick haben die Regenwolken die Oberhand gewonnen. Sie verdecken die Sonne, verändern die Landschaft und bestimmen die Atmosphäre.

Aber ihr Sieg ist nicht endgültig.

Denn die Sonne ist noch da.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Bewegung des Bildes. Es zeigt nicht einfach den Gegensatz von Dunkelheit und Licht. Es zeigt einen Zustand auf Zeit.

Auch der Vordergrund bleibt in Bewegung. Grüne, blaue und dunkle Linien durchziehen das helle Papier. Sie können Landschaft sein, Felder, Wege oder Spuren. Nichts wird vollständig ausgeführt. Das Bambuspapier bleibt sichtbar und wird selbst zum Teil des Bildraums.

So entsteht eine Landschaft, die weniger einen bestimmten Ort beschreibt als einen Augenblick des Übergangs.

Der lange Titel erzählt diesen Augenblick weiter:

„Und wieder schaffen es die Regenwolken, die Oberhand zu gewinnen. Doch die Sonne wird sie früher oder später auflösen.“

Das kleine Wort „wieder“ verändert dabei vieles.

Es erzählt von Wiederholung.

Von jenen Zeiten, in denen Dunkelheit zurückkehrt, obwohl wir glaubten, sie bereits hinter uns gelassen zu haben. Von Augenblicken, in denen etwas Schweres den Blick verstellt und für eine Weile so mächtig erscheint, als gäbe es nichts anderes mehr.

Das Bild verspricht nicht, dass solche Wolken nicht wiederkommen.

Es behauptet etwas viel Einfacheres:

Sie bleiben nicht.

Denn Wolken können das Licht verdecken.

Sie können den Himmel verdunkeln.
Sie können sich vor die Sonne schieben.
Sie können sogar für einen Augenblick die Oberhand gewinnen.

Aber sie können das Licht nicht auslöschen.

Und vielleicht ist Hoffnung genau das:

nicht die Gewissheit eines wolkenlosen Himmels, sondern das Wissen, dass hinter den Wolken etwas weiterleuchtet.

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Kalenderblatt
27. August

Kalenderblat 27. August

Das Kalenderblatt zum 27. August
„Drei Zeichen der Erinnerung“
„Three Signs of Memory“
„Tres signos de la memoria“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Erinnerung ist kein Ort, an den wir zurückkehren können.

Was vergangen ist, kehrt nicht unverändert wieder. Es hinterlässt Spuren, Fragmente und Zeichen, die manchmal unvermittelt aus der Tiefe auftauchen.

In „Drei Zeichen der Erinnerung“ scheint die Bildfläche aus solchen zeitlichen Schichten aufgebaut zu sein. Horizontale Bahnen aus Blau, Grau, Violett und Grün ziehen sich durch das Bild. Sie erinnern an Wasser und Himmel, an Nebel und ferne Landschaften. Doch keine dieser Ebenen lässt sich eindeutig festlegen.

Die Landschaft bleibt in Bewegung.

Man könnte diese horizontalen Farbräume auch als Schichten der Zeit lesen. Manche erscheinen klar und leuchtend, andere verblassen beinahe vollständig. Sie überlagern sich, gehen ineinander über und verlieren ihre Grenzen.

Wie Erinnerungen.

Denn auch Erinnerung bewahrt Vergangenes nicht einfach auf. Sie verändert es. Sie lässt Einzelheiten verschwinden und andere plötzlich hervortreten. Was einmal nebensächlich erschien, kann Jahre später von großer Bedeutung sein. Was wir für unauslöschlich hielten, kann dagegen langsam verblassen.

In diesen fließenden Raum treten drei goldene Formen.

Sie stehen aufrecht und unterbrechen die Horizontalität des Bildes. Keine gleicht genau der anderen. Eine erscheint gedrungener, eine steigt höher empor, eine andere löst sich beinahe wieder in ihrer Umgebung auf.

Drei Zeichen. Drei Erscheinungen. Drei Spuren von etwas Abwesendem.

Aus der Entfernung können sie an Segel erinnern. Vielleicht auch an Lichtkörper, Fragmente einer unbekannten Schrift oder Markierungen in einer Landschaft, deren Bedeutung verloren gegangen ist.

Das Bild entscheidet sich nicht.

Gerade darin liegt seine Offenheit.

Das Gold macht die drei Formen sichtbar, aber es macht sie nicht eindeutig. Es verleiht ihnen etwas Kostbares und zugleich Fremdes. Während die aquarellierten Farbschichten fließen und verblassen, scheinen sich diese Zeichen dem Verschwinden zu widersetzen.

Und doch sind auch sie nicht geschlossen.

Ihre Ränder sind unregelmäßig, durchlässig und verletzlich. Die Umgebung dringt in sie ein. Selbst das, was bleibt, bleibt nicht unverändert.

Vielleicht liegt darin das eigentliche Thema dieses Bildes:

Wir erinnern uns nicht an die Vergangenheit selbst.
Wir erinnern uns an die Spuren, die sie in uns hinterlassen hat.

Warum es gerade drei Zeichen sind, bleibt offen. Man könnte in ihnen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkennen. Anfang, Mitte und Ende. Drei Menschen, drei Orte, drei Augenblicke.

Doch vielleicht brauchen sie überhaupt keine feste Zuordnung.

Vielleicht stehen sie einfach für jene wenigen Erfahrungen eines Lebens, die sich nicht vollständig verlieren.

Wir können sie nicht mehr betreten.
Wir können sie nicht zurückholen.
Manchmal wissen wir nicht einmal mehr genau, was geschehen ist.

Und trotzdem ist etwas geblieben.

Ein Zeichen.
Ein Leuchten.
Eine Spur im Strom der Zeit.

„Drei Zeichen der Erinnerung“ erzählt deshalb weniger vom Erinnern als Rückkehr als vom seltsamen Fortbestehen des Vergangenen in der Gegenwart.

Das Vergangene ist fort.

Seine Zeichen sind noch da.

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