
Das Kalenderblatt zum 9. Oktober
„Orbit des Ursprungs – Das Licht erinnert sich“
„Orbit of Origin – The Light Remembers“
„Órbita del Origen – La Luz Recuerda“
Aquarell auf Aquarellpapier ca 15 x 21 cm
Ein weiter blaugrauer Bogen umkreist eine lichte Mitte, ohne sie vollständig einzuschließen. Der Kreis bleibt offen. In seinem Inneren verdichtet sich Gelb zu einem goldenen Kern, während eine dunkle, beinahe kalligrafische Linie den ruhigen Umlauf durchkreuzt.
Das Bild scheint von zwei Bewegungen zugleich getragen zu werden: von der Rückkehr zur Mitte und vom Aufbruch aus ihr. Der Ursprung erscheint nicht als vergangener Anfang, sondern als etwas, das im gegenwärtigen Augenblick weiterwirkt. Farbe löst sich auf, Linien suchen ihren Weg, Formen entstehen und entziehen sich wieder.
Der Titel „Das Licht erinnert sich“ gibt dieser Bewegung eine innere Richtung. Nicht der Mensch erinnert sich hier an das Licht. Das Licht selbst wird zum Träger einer Erinnerung, als läge in ihm das Wissen um etwas, das vor jeder sichtbaren Form vorhanden war.
Die kalligrafische Spur bleibt dabei bewusst unlesbar. Sie wirkt wie Schrift, ohne Botschaft im gewöhnlichen Sinn zu werden: Zeichen einer Sprache, die sich dem eindeutigen Verstehen entzieht. Auch der kleine blau-rote Körper am unteren Bildrand bleibt rätselhaft. Er erdet die kreisende Bewegung und setzt ihr eine zweite, horizontale Kraft entgegen.
„Orbit des Ursprungs“ handelt von Nähe zu einer Mitte, die sich nicht festhalten lässt. Das Aquarell beschreibt keinen abgeschlossenen Kreis. Es lässt eine Öffnung. Gerade dort entsteht sein eigentlicher Raum: zwischen Form und Auflösung, Erinnerung und Gegenwart, Sichtbarem und dem, was sich nur erahnen lässt.
Vielleicht erinnert sich das Licht nicht daran, woher es kommt. Vielleicht ist das Licht selbst die Erinnerung.
Den letzten Satz würde ich unbedingt stehen lassen. Der ist wesentlich stärker als ein weiterer Absatz über „Resonanzfelder“ und „leuchtende Kerne“. Das Bild darf am Ende schließlich auch einmal selbst arbeiten.