
Das Kalenderblatt zum 7. Mai
“Es wurde Licht”
“There was light”
“Se hizo la luz”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Dieses Werk ist ein Ereignis. Ein Moment, in dem Chaos sich erinnert, dass es Ordnung sein kann, und genau in diesem Augenblick beginnt etwas Ursprüngliches zu sprechen: Licht als erste Sprache der Schöpfung.
Im Zentrum lodert eine Explosion aus Gold und Feuer, als hätte sich das Unsichtbare selbst entzündet. Dieses Licht ist nicht sanft, es ist radikal, durchdringend, unumkehrbar. Es frisst sich durch die dunklen Strukturen, durchbricht die schweren, erdigen Schichten und lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein Übergang stattfindet: von Dichte zu Bewusstsein, von Materie zu Bedeutung.
Die Texturen wirken wie aufgebrochene Krusten, wie alte Schichten, die nicht länger halten können. Vergangenheit zerbricht hier nicht leise, sie wird transformiert. Das Dunkel ist nicht Feind, sondern notwendiger Kontrast, ein Resonanzraum, der das Licht erst sichtbar macht. Und genau darin liegt die Kraft dieses Bildes: Es zeigt nicht nur Licht, es zeigt, warum Licht entsteht.
Am unteren Rand pulsiert eine kreisförmige Form, fast wie ein embryonaler Kern, ein Ursprung im Ursprung. Ein kosmisches Ei, ein Herz, ein Planet, oder vielleicht alles zugleich. Von hier aus scheinen Energielinien in alle Richtungen zu strahlen, als würde sich das Geschehen nicht nur im Bild, sondern durch den Betrachter hindurch fortsetzen. Es ist ein Zentrum, das nicht abgeschlossen ist, sondern verbindet, innen und außen, oben und unten, Anfang und Jetzt.
Die Komposition wirkt wie ein alchemistischer Prozess: Nigredo, Albedo, Rubedo, Dunkelheit, Reinigung, Veredelung. Und genau im Moment der höchsten Spannung geschieht das Entscheidende. Es wurde Licht. Nicht als dekoratives Element, sondern als Konsequenz. Als Notwendigkeit. Als Durchbruch.
Dieses Bild fordert nichts weniger als Präsenz. Es lässt sich nicht konsumieren, es will erlebt werden. Wer sich darauf einlässt, spürt, dass hier nicht nur Farbe aufgetragen wurde, sondern eine Bewegung eingefangen ist, die älter ist als jede Sprache: die Geburt von Bewusstsein selbst.
Und vielleicht liegt genau darin seine größte Wirkung:
Dass es dich daran erinnert, dass auch in dir dieser Moment existiert – der Augenblick, in dem alles kippt und du erkennst: Jetzt wird es hell.
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