Kalenderblatt
31. August

Party der Waldgeister

Das Kalenderblatt zum 31. August
“Party der Waldgeister”
“Party of the Forest Spirits”
“La fiesta de los espíritus del bosque”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
       

Der Titel gibt dem Blick eine Richtung.

„Party der Waldgeister“ lässt uns nach Wesen suchen, noch bevor wir wissen, ob überhaupt welche vorhanden sind.

Die Bildfläche ist dicht und beinahe vollständig von Farbe und Bewegung erfüllt. Grün und Gelb bestimmen weite Bereiche, dazwischen brechen intensive rote Zonen hervor. Dunkle Partien verdichten den Raum, während weiße Linien über und durch die Farbschichten ziehen.

Nichts steht still.

Die weißen Spuren schlängeln sich durch das Bild, kreuzen einander, verschwinden unter Farbfeldern und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Manchmal scheinen sie für einen Augenblick Gestalt anzunehmen.

Ein Körper vielleicht.

Ein Arm.

Ein Kopf.

Eine Figur in Bewegung.

Doch kaum glaubt man, etwas erkannt zu haben, löst es sich wieder auf.

Die Waldgeister entstehen im Sehen.

Der Titel macht aus Linien mögliche Wesen und aus Farbverdichtungen mögliche Körper. Das Auge beginnt, Verbindungen herzustellen und Figuren dort zu entdecken, wo zunächst nur Farbe, Material und Bewegung vorhanden waren.

Gerade dieses Wechselspiel zwischen Erkennen und Verlieren bestimmt das Bild.

Die Acrylpaste verstärkt die körperliche Präsenz der Oberfläche. Manche Bereiche treten hervor, andere scheinen darunter zu verschwinden. Dadurch entsteht kein einheitlicher Bildraum, sondern ein Geflecht verschiedener Ebenen.

Etwas liegt vorne.

Etwas scheint dahinter zu geschehen.

Anderes bleibt verborgen.

Auch die Farben folgen keiner ruhigen Ordnung. Das Grün könnte an Vegetation erinnern, doch es beschreibt keinen Wald. Rot könnte Feuer, Blüten oder Körperlichkeit suggerieren, ohne eines davon tatsächlich darzustellen. Gelb bringt Licht in die Komposition, während dunklere Stellen den Blick immer wieder zurückhalten.

Der Wald wird nicht abgebildet. Er entsteht als Vorstellung.

Und ebenso verhält es sich mit seiner geheimnisvollen Gesellschaft.

Vielleicht feiern hier tatsächlich Waldgeister.

Vielleicht tanzen sie.

Vielleicht drängen sie durcheinander, verschwinden hinter Bäumen und tauchen im nächsten Augenblick wieder auf.

Doch all das geschieht erst, nachdem der Titel unsere Fantasie in Bewegung gesetzt hat.

Ohne ihn könnte das Bild eine abstrakte Komposition aus Farbe, Linie und Material sein. Mit ihm verwandelt sich dieselbe Fläche in einen möglichen Schauplatz.

Darin liegt der besondere Reiz von „Party der Waldgeister“:

Das Bild erzählt keine Geschichte über eine verborgene Welt. Es zeigt auch keine Geister, deren Existenz wir glauben sollen.

Es bringt uns dazu, selbst nach ihnen zu suchen.

Und plötzlich geschieht etwas Merkwürdiges.

Je länger der Blick durch das Dickicht aus Grün, Rot, Gelb, Dunkel und Weiß wandert, desto mehr scheint sich darin zu bewegen.

Eine Figur erscheint.

Dann eine zweite.

Vielleicht noch eine.

Und schon sind sie wieder verschwunden.

Die Party findet nicht irgendwo hinter dem Bild statt.
Sie beginnt im Augenblick des Betrachtens.

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