Kalenderblatt
3. April

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Kalenderblatt zum 3. April
“Die Verborgenheit des Karsamstag”
“The Hiddenness of Holy Saturday”
“La ocultación del Sábado Santo”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

In einer Zeit, in der die Tage ihre Stimmen verloren hatten und selbst der Wind nur noch flüsterte, lag ein seltsamer Schleier über der Welt. Es war der Tag zwischen allem, nicht mehr Gestern, noch nicht Morgen. Die Menschen nannten ihn den Karsamstag, doch nur wenige verstanden, was sich wirklich hinter seinem Schweigen verbarg.

Tief in einem verborgenen Tal, das von hohen, nebelgetränkten Felsen umgeben war, lebte ein junger Hüter der Zwischenzeiten. Sein Name war Elion, und seine Aufgabe bestand darin, das Unsichtbare zu bewahren, solange es noch nicht bereit war, sich zu zeigen. Er kannte die Geheimnisse der Übergänge, die stillen Momente, in denen etwas stirbt, ohne dass bereits etwas Neues geboren ist.

Eines Morgens – oder war es ein Abend? – bemerkte Elion, dass sich der Nebel im Tal verändert hatte. Er war dichter geworden, schwerer, durchzogen von violetten Schatten, als würde die Welt selbst den Atem anhalten. Als er näher trat, sah er es: Eine Wand aus fließender Farbe, wie Tränen der Zeit selbst, die sich über die Landschaft legten. Formen tauchten auf und verschwanden wieder, als würden sie sich noch nicht entscheiden wollen, ob sie existieren dürfen.

Plötzlich hörte er eine Stimme. Nicht laut, nicht klar, eher ein Echo, das aus dem Inneren seines eigenen Herzens zu kommen schien.

„Warum versteckst du dich?“

Elion blickte um sich, doch niemand war zu sehen. Die violetten Schleier begannen sich zu bewegen, als würden sie auf die Frage reagieren. Aus ihnen formte sich ein Gesicht, nicht vollständig, nicht greifbar, sondern ein Fragment, ein Versprechen.

„Ich verstecke mich nicht“, antwortete Elion leise. „Ich bewahre.“

Das Gesicht schien zu lächeln, doch zugleich zerfloss es wieder in die Ströme der Farbe.

Bewahren ist auch ein Verstecken“, flüsterte die Stimme. „Und doch… ohne das Verborgene gäbe es keine Offenbarung.“

Elion verstand. Der Karsamstag war kein leerer Tag. Er war ein Raum. Ein heiliger Zwischenraum, in dem alles, was zu zerbrechlich war für das Licht, noch einmal in die Dunkelheit zurückkehren durfte. Hier wurden Wunden still, hier sammelten sich die Fragmente der Hoffnung, hier bereitete sich das Unsichtbare darauf vor, sichtbar zu werden.

Er trat näher an die fließenden Schleier heran und legte seine Hand hinein. Die Farbe war kühl, fast lebendig. Bilder durchströmten ihn, Erinnerungen, Ängste, Sehnsüchte, alles, was die Welt für einen Moment losgelassen hatte.

Und dann begriff er: Dieser Tag gehörte nicht der Leere, sondern der Verwandlung im Verborgenen.

Langsam setzte er sich auf den Boden und schloss die Augen. Er tat nichts. Er griff nicht ein. Er ließ geschehen.

Die Schleier begannen sich zu lichten. Nicht abrupt, nicht vollständig, sondern so, wie ein Herz beginnt, wieder zu schlagen, nachdem es einen Moment lang still war.

Als Elion die Augen wieder öffnete, war das Gesicht verschwunden. Doch etwas anderes war da: Ein kaum wahrnehmbares Leuchten, tief hinter den violetten Strukturen verborgen.

Er lächelte.

Denn er wusste nun, was nur wenige wissen:

Dass die größten Wunder nicht im Licht beginnen,  sondern in der Stille dazwischen.

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