
Kalenderblatt vom 28. Juni
„Das Konzert – Das Bild“
„The Concert – The Painting“
„El Concierto – La Pintura“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Nicht jeder Klang entsteht aus einem Instrument. Manche Konzerte beginnen lange bevor der erste Ton erklingt. Sie entstehen dort, wo Farben aufeinandertreffen, wo Spannungen wachsen, wo Licht und Schatten ihre uralte Partitur wieder hervorholen.
„Das Konzert – Das Bild“ wirkt wie der eingefrorene Augenblick einer Aufführung, die sich nicht an die Gesetze der Musik hält. Das leuchtende Gelb rechts scheint wie eine Trompete aus Licht, die einen hellen, kraftvollen Akkord in den Raum sendet. Die tiefroten Flächen antworten mit schweren Cellostimmen, warm und erdig, während die dunklen blauen und schwarzen Linien am linken Rand wie die Saiten eines wilden Streichorchesters wirken.
Doch niemand dirigiert dieses Ensemble. Die Farben folgen keiner sichtbaren Hand. Sie begegnen sich, widersprechen sich, umarmen sich und entfernen sich wieder. Jeder Farbton trägt seine eigene Melodie in sich, und doch entsteht daraus etwas Größeres als die Summe der einzelnen Stimmen.
Mitten in diesem scheinbaren Chaos zeigen sich Strukturen, Risse, Verdichtungen und Spuren. Sie erinnern an Notenzeilen einer unbekannten Welt. Als hätte die Leinwand die Schwingungen eines Augenblicks aufgefangen und festgehalten. Nicht die Musik wurde gemalt, sondern das, was Musik im Inneren eines Menschen auslösen kann.
Vielleicht erzählt das Bild von jener seltenen Erfahrung, in der Kunst und Leben für einen Moment ununterscheidbar werden. Wenn Hören zu Sehen wird. Wenn Farben beginnen zu singen. Wenn Erinnerungen, Sehnsüchte und Hoffnungen gemeinsam einen Klang erzeugen, den keine Sprache beschreiben kann.
So betrachtet ist dieses Werk kein Bild über ein Konzert. Es ist selbst das Konzert. Die Acrylfarben sind die Instrumente. Die Strukturen sind die Rhythmen. Die Lichtfelder sind die Solisten. Und der Betrachter wird unweigerlich Teil des Orchesters.
Denn jedes Mal, wenn jemand vor diesem Bild stehen bleibt, beginnt die Aufführung von Neuem. Und wie bei jeder großen Musik hört jeder etwas anderes. Ein merkwürdiges Geschäft, diese Kunst. Ein paar Farben auf Papier, und plötzlich sitzt die Seele in der ersten Reihe.