Kalenderblatt
27. August

Räum die Wohnung auf ... !

Das Kalenderblatt zum 27. August
“Räum die Wohnung auf … !”
“Clean up the home … !”
“Ordena el piso!”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
       

Aufräumen klingt nach einer einfachen Sache.

Dinge werden aufgehoben, sortiert, weggeworfen oder an ihren Platz zurückgebracht. Am Ende soll wieder Ordnung herrschen.

Doch so einfach ist es selten.

In „Räum die Wohnung auf … !“ scheint sich über lange Zeit etwas angesammelt zu haben. Grau, Schwarz und Weiß liegen in Schichten übereinander. Kratzer, Risse, Übermalungen und Spuren durchziehen die Oberfläche. Die Acrylpaste macht diese Ablagerungen körperlich sichtbar.

Nichts ist wirklich verschwunden.

Auch dort, wo etwas übermalt wurde, bleibt darunter eine Struktur zurück.

Mitten in dieser grauen, aufgerauten Welt tauchen intensive Farben auf: Gelb, Blau, Rot und Grün. Sie wirken beinahe wie Gegenstände, die zwischen all den Schichten zum Vorschein gekommen sind.

Vielleicht Fundstücke.

Vielleicht Erinnerungen.

Vielleicht einfach Dinge, von denen längst niemand mehr weiß, weshalb sie überhaupt aufgehoben wurden.

Besonders die große weiß-graue Form im Zentrum entzieht sich einer eindeutigen Bestimmung. Sie könnte ein gefaltetes Papier sein, ein zurückgelassener Gegenstand, ein Fragment oder etwas Körperliches. Daneben und darunter drängen sich weitere Formen, als hätte jemand eine Schublade geöffnet, deren Inhalt plötzlich eine eigene Geschichte erzählt.

Aufräumen wird zur Archäologie des Alltags.

Denn wer aufräumt, bewegt nicht nur Gegenstände.

Ein alter Zettel kann einen vergangenen Augenblick zurückbringen. Ein belangloses Stück Papier kann plötzlich wichtig werden. Etwas, das jahrelang unbeachtet herumlag, widersetzt sich im entscheidenden Moment dem Wegwerfen.

So entsteht beim Ordnen ein seltsamer Vorgang:

Wir entscheiden, was bleiben darf und was verschwinden soll.

Und vielleicht betrifft diese Entscheidung nicht nur die Dinge.

Die reliefartige Oberfläche des Bildes scheint sich jedenfalls jeder endgültigen Ordnung zu widersetzen. Jede neue Schicht trägt die vorherige weiter. Vergangenes kann verdeckt, überarbeitet und verändert werden, aber seine Spuren bleiben vorhanden.

Genau hier trifft der beinahe alltägliche Befehl des Titels auf die eigentliche Unordnung des Bildes:

„Räum die Wohnung auf … !“

Als wäre das so einfach.

Vielleicht beginnt man voller Entschlossenheit. Man hebt etwas auf, öffnet eine Schachtel, entdeckt einen vergessenen Gegenstand und sitzt eine halbe Stunde später auf dem Boden, umgeben von Dingen, die eigentlich längst hätten verschwinden sollen.

Die Wohnung wird dabei möglicherweise nicht ordentlicher.

Aber etwas Vergessenes ist wieder sichtbar geworden.

Das Bild erzählt deshalb weniger vom erfolgreichen Aufräumen als vom Sichten dessen, was sich angesammelt hat: Gegenstände, Spuren, Zeit und Erinnerung.

Denn Ordnung bedeutet nicht zwangsläufig, alles zu beseitigen.

Manchmal bedeutet sie zunächst nur, hinzusehen.

Wer aufräumt, entscheidet nicht nur, was wohin gehört.
Er begegnet dem, was sich angesammelt hat.

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