Kalenderblatt
26. September

Die Autobahn ist Teil des Weges zu TAO

Kalenderblatt vom 26. September

„Die Autobahn ist Teil des Weges zu TAO“
„The highway is  part of the way to TAO“
„La autopista es parte del camino al TAO“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Eine Bewegung zieht sich durch das Bild, als wäre sie nicht aufzuhalten.

Aus einem gelb leuchtenden Raum entwickelt sich ein dunkler Wirbel. Er dreht sich, verdichtet sich und geht in eine schwere, beinahe körperlich wirkende Form über. Schwarz, Gold, Weiß, Rot und Blau begegnen einander nicht in stiller Harmonie, sondern in Spannung. Die Formen drängen, überschneiden und verwandeln sich.

Inmitten dieser Bewegung erscheint ein rotes Feld. Es bleibt offen, was es bedeutet. Glut, Verletzung, Energie, Widerstand oder ein innerer Kern. Darüber lagern sich dunkle und goldene Flächen. Am unteren Bildrand setzt das Blau eine andere Bewegung dagegen: eine Spur, ein Strom, vielleicht ein Horizont.

Erst der Titel gibt dieser bewegten Bildwelt eine unerwartete Richtung:

„Die Autobahn ist Teil des Weges zu TAO.“

Autobahn und Tao scheinen zunächst kaum zusammenzugehören. Hier Geschwindigkeit, Lärm, Richtung und das möglichst schnelle Erreichen eines Zieles. Dort die Vorstellung eines Weges, dessen Sinn sich nicht erst in seiner Ankunft erfüllt.

Doch genau in diesem Widerspruch öffnet sich das Bild.

Vielleicht beginnt der innere Weg nicht erst dort, wo der Lärm aufgehört hat. Vielleicht müssen wir die Welt nicht verlassen, um das Wesentliche zu finden. Auch das Unruhige gehört zum Weg. Auch der Umweg. Auch die Beschleunigung. Auch das scheinbar Alltägliche.

Das Bild macht daraus keine Idylle. Seine Formen sind zu kraftvoll, seine dunklen Partien zu schwer, seine Bewegungen zu unberechenbar. Der Weg erscheint nicht als gerade Linie vom Dunkel ins Licht. Er windet sich, kehrt zurück, verdichtet sich, bricht auf und verändert seine Richtung.

Besonders der große Wirbel lässt sich deshalb als Bild des Übergangs lesen. In seinem Inneren leuchtet Gelb, doch dieses Licht wird von dunklen Schichten umgeben. Licht und Dunkel stehen nicht einfach gegeneinander. Sie scheinen miteinander verbunden zu sein.

So entsteht ein Gedanke, der weit über die sichtbare Szenerie hinausführt:

Wir müssen nicht erst irgendwo anders ankommen, damit der eigentliche Weg beginnt.

Nicht hinter der nächsten Kurve.
Nicht nach dem nächsten Umweg.
Nicht erst in der Stille.

Die Autobahn ist bereits Teil des Weges.

TAO wäre dann weniger ein Ziel, das irgendwo vor uns liegt, als eine andere Weise, den Weg wahrzunehmen, auf dem wir längst unterwegs sind.

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