
Das Kalenderblatt zum 26. Oktober
„Hauch der Schöpfung“
„Breath of Creation“
„Aliento de la Creación“
Aquarell auf Aquarellpapier ca 15 x 21 cm
Am Anfang steht nicht die Form. Am Anfang steht eine Bewegung, eine Ahnung, ein kaum wahrnehmbarer Impuls.
In diesem Aquarell begegnen sich fließende Farbflächen und kraftvolle Linien. Zartes Violett, lichtes Gelb und warme Rottöne entfalten sich in einem offenen, beinahe schwerelosen Raum. Dazwischen behaupten sich dunkle, gestische Spuren, die das Fließen unterbrechen, Richtungen vorgeben und neue Spannungen erzeugen.
Im Zentrum erscheint eine helle, kreisförmige Öffnung. Sie wirkt wie ein stiller Ursprung, um den sich die Kräfte sammeln, ohne ihn jemals ganz zu erfassen.
Es ist der Augenblick zwischen dem Noch-nicht-Sein und dem Werden.
Die Farben scheinen sich zu suchen, einander zu durchdringen und wieder voneinander zu lösen. Nichts ist endgültig festgelegt. Alles befindet sich in einem Zustand schöpferischer Veränderung.
Gerade darin liegt die innere Bewegung dieses Bildes: Schöpfung erscheint nicht als abgeschlossenes Ereignis, sondern als fortwährender Prozess. Aus dem Unbestimmten wächst Gestalt, aus der Stille entsteht Bewegung, aus dem Unsichtbaren eine erste Ahnung von Wirklichkeit.
„Hauch der Schöpfung“ berührt damit eine Frage, die über das Sichtbare hinausführt: Wo beginnt das Neue? Entsteht es durch unseren Willen, oder offenbart es sich dort, wo wir bereit sind, dem Unbekannten Raum zu geben?
Vielleicht liegt die Antwort in jener hellen Mitte, die nichts festhält und dennoch alles miteinander verbindet.
Ein stiller Raum der Möglichkeiten. Ein Atemzug, bevor das Leben Gestalt annimmt.