
Kalenderblatt zum 21. September
„Sonnenlicht fällt hell auf mein Kopfkissen“
„Sunlight bright upon my pillow“
„Luz solar esta brillando claramente a mía almohada“
Acryl, Acrylpaste, Sand auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Ein breiter Strom aus Gelb, Gold und gebrochenem Orange durchzieht das Bild. Er schiebt sich diagonal durch dunkles Blau, erdiges Grün und graue Verdichtungen. Die Oberfläche ist rau, aufgerissen, voller Spuren. Das Licht erscheint hier nicht als sanfter Schein. Es muss sich seinen Weg bahnen.
Der Titel führt diese kraftvolle Bewegung an einen überraschend intimen Ort: auf ein Kopfkissen, in den stillen Augenblick zwischen Schlaf und Erwachen. Was in der Malerei beinahe wie ein kosmisches Ereignis erscheint, wird plötzlich persönlich. Ein Sonnenstrahl fällt ins Zimmer. Der Tag beginnt.
Doch die Nacht ist noch nicht verschwunden.
Sie bleibt in den tiefen blauen und dunklen Partien gegenwärtig. Das Helle verdrängt sie nicht einfach. Beide Bereiche berühren und durchdringen einander. So entsteht kein Bild vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit, sondern von einem Übergang.
Der Morgen löscht die Nacht nicht aus. Er verwandelt sie.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Bewegung dieses Bildes. Erwachen bedeutet nicht, alles Dunkle hinter sich zu lassen. Es bedeutet zunächst, dass etwas sichtbar wird. Konturen entstehen. Wahrnehmung kehrt zurück. Was eben noch Traum, Ahnung oder Schatten war, tritt langsam ins Bewusstsein.
Die Materialität verstärkt diesen Gedanken. Acrylpaste und Sand geben der Oberfläche Widerstand und Körper. Das Licht scheint nicht über eine glatte Welt hinwegzugleiten. Es trifft auf Unebenheiten, Brüche und Verdichtungen. Es fällt auf eine Welt, die bereits Spuren trägt.
Und gerade dort beginnt es zu leuchten.
So kann „Sonnenlicht fällt hell auf mein Kopfkissen“ auch als Bild einer inneren Erfahrung gelesen werden: Bewusstsein tritt aus dem Dunkel hervor. Nicht plötzlich und nicht vollkommen. Eher tastend, Schicht für Schicht, wie das erste Licht eines Morgens.
Vielleicht beginnt Veränderung viel unscheinbarer, als wir gewöhnlich glauben. Nicht mit einer großen Offenbarung.
Vielleicht beginnt sie mit einem Streifen Licht, der morgens auf unser Kopfkissen fällt.