
Das Kalenderblatt zum 21. August
„Im Atem des Himmels“
„In the Breath of Heaven“
„En el Aliento del Cielo“
Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21x 15 cm
Eine große gelbe Sonne steht im oberen Bildraum. Doch sie erscheint nicht als fernes Gestirn über einer eindeutig bestimmten Landschaft. Ihre kreisrunde Form wird von roten und rosafarbenen Schichten berührt, teilweise überlagert und an ihrem unteren Rand aufgebrochen.
Das Licht tritt aus der Farbe hervor und scheint zugleich wieder in sie zurückzusinken.
Um die Sonne bewegt sich ein Himmel aus Gelb, Orange, Rot und Rosa. Die Farben bilden keine klar voneinander getrennten Flächen. Sie fließen ineinander, verdichten sich, öffnen sich wieder und erzeugen den Eindruck einer fortwährenden Bewegung.
Der Himmel wird nicht zum Hintergrund. Er wird selbst zum bewegten Körper.
Gerade darin erhält der Titel „Im Atem des Himmels“ seine Bedeutung. Die wechselnden Verdichtungen und Auflösungen der Farbe können an einen Rhythmus von Einatmen und Ausatmen erinnern. Licht erscheint, wird umfangen, verschwindet teilweise und tritt an anderer Stelle erneut hervor.
Dem glühenden oberen Bildraum steht eine wesentlich ruhigere untere Zone gegenüber. Horizontale Schichtungen aus Ocker, Grau, Rosa, Blau und hellem Gelb lassen Meer, Küste oder eine ferne Landschaft erahnen, ohne sich zu einer eindeutig bestimmbaren Topografie zu schließen.
Oben herrschen Verdichtung, Hitze und Bewegung.
Unten entstehen Weite, Horizont und Ruhe.
Zwischen beiden Bereichen liegt keine harte Grenze. Himmel und Landschaft scheinen vielmehr aufeinander zu reagieren. Farbe wandert über den Horizont hinweg, verändert ihre Temperatur und verliert zunehmend ihre Intensität. So entsteht ein Bildraum, in dem Nähe und Ferne, Bewegung und Stille, Licht und Materie miteinander verbunden bleiben.
Die Transparenz des Aquarells verstärkt diesen Eindruck des Flüchtigen. Die Acrylpaste setzt ihm stellenweise einen körperlichen Widerstand entgegen. Was wie Atmosphäre erscheint, besitzt plötzlich Oberfläche und Struktur.
Das Flüchtige bekommt einen Körper.
„Im Atem des Himmels“ hält deshalb weniger einen bestimmten Sonnenauf- oder Sonnenuntergang fest als einen Zustand des Übergangs. Die Sonne ist sichtbar, doch sie beherrscht das Bild nicht allein. Ebenso wichtig ist der Raum, der sie aufnimmt, umgibt und verändert.
Vielleicht liegt darin das eigentliche Thema des Werkes:
Licht existiert nicht für sich allein. Es wird erst wahrnehmbar in dem Raum, den es verwandelt.
So bleibt der dargestellte Augenblick offen. Die Sonne könnte steigen oder sinken. Ein Tag könnte beginnen oder enden. Das Bild entscheidet diese Frage nicht.
Es hält vielmehr jenen schwer fassbaren Moment fest, in dem Erscheinen und Verschwinden gleichzeitig möglich sind.
Und der Himmel scheint für einen Augenblick tatsächlich zu atmen.