
Kalenderblatt vom 17. Oktober
„Der neue Tag greift nach mir“
„The new day is reaching for me“
„El día nueva esta cazando a mí“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Manchmal kündigt sich Veränderung nicht durch ein großes Ereignis an. Sie beginnt im Verborgenen, als leise Bewegung unter der Oberfläche, als Ahnung von etwas, das noch keine Gestalt besitzt.
In diesem Bild scheint ein solcher Augenblick sichtbar zu werden.
Leuchtendes Gelb durchdringt kühle Blau- und Grautöne. Farben schieben sich übereinander, brechen auf, verdichten sich und geben unvermittelt den Blick auf darunterliegende Schichten frei. Linien entstehen, verlieren sich und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Es ist eine Landschaft im Werden, eine Landschaft, die ebenso gut eine innere sein könnte.
Nichts steht still. Und doch liegt über allem eine eigentümliche Ruhe.
Die Spuren vergangener Bewegungen bleiben gegenwärtig. Was überdeckt wurde, ist nicht verschwunden. Es wirkt weiter, verändert seine Bedeutung und wird Teil von etwas Neuem. So entsteht ein vielschichtiges Gefüge aus Erinnerung und Gegenwart, aus Widerstand und Öffnung.
„Der neue Tag greift nach mir.“
Dieser Titel erzählt von einer ungewöhnlichen Erfahrung: Nicht der Mensch ist es, der entschlossen nach dem Neuen greift. Es ist das Neue selbst, das auf ihn zukommt, ihn berührt, vielleicht sogar herausfordert.
Der neue Tag erscheint nicht als unbeschriebenes Blatt. Er trägt die Spuren des Vergangenen bereits in sich. Sein Licht fällt auf das, was geworden ist, und lässt darin Möglichkeiten erkennen, die zuvor verborgen blieben.
Das Gelb behauptet sich nicht gegen das Blau. Beide durchdringen einander, bilden Übergänge, erzeugen Spannungen und finden zu einer gemeinsamen Bewegung. Gerade aus ihrem Zusammenspiel erwächst jene Lebendigkeit, die das Bild bestimmt.
Im Sinne eines Assoziativen Expressionismus eröffnet die Malerei einen Raum, in dem sich äußere Wahrnehmung und inneres Erleben begegnen.