
Das Kalenderblatt zum 17. April
“Schlafendes Bewusstsein”
“Sleeping Consciousness”
“Conciencia dormida”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Dieses Werk trägt nicht nur den Titel „Schlafendes Bewusstsein“, es verkörpert ihn mit jeder Schicht, jeder Spur, jedem scheinbar zufälligen Verlauf von Farbe und Struktur. Was auf den ersten Blick wie ein chaotisches Geflecht aus erdigen Tönen, rostigen Flächen und fließenden Linien erscheint, offenbart sich bei näherer Betrachtung als visuelles Protokoll eines inneren Zustands, eines Bewusstseins, das nicht tot ist, sondern lediglich ruht, verborgen unter der Oberfläche des Alltäglichen.
Die dominierenden warmen Farbtöne, Ocker, Rostrot, verbranntes Orange. wirken wie Sedimente der Erfahrung, Schicht um Schicht abgelagert im Laufe eines gelebten Lebens. Dazwischen blitzen kühlere Nuancen auf, fragile Lichtspuren in Blau und Violett, die wie flüchtige Erinnerungen oder verdrängte Erkenntnisse erscheinen. Diese Kontraste erzeugen eine Spannung, die den Betrachter unweigerlich in einen Zustand der inneren Suche zieht.
Die vertikal verlaufenden Strukturen erinnern an Vorhänge, Schleier oder sogar neuronale Bahnen, die das Bewusstsein durchziehen. Doch sie sind nicht klar definiert, sie verlaufen, zerfließen, verschwinden. Genau darin liegt ihre Aussagekraft: Das Bewusstsein ist da, aber es ist verschleiert, fragmentiert, nicht vollständig zugänglich. Es schläft nicht im Sinne von Abwesenheit, sondern im Sinne von Potenzial, das darauf wartet, geweckt zu werden.
Besonders markant ist die diagonale Linie, die sich durch das Bild zieht, sie wirkt wie ein Bruch, ein Riss oder vielleicht ein Lichtstrahl, der sich seinen Weg durch die dichte Struktur bahnt. Sie ist kein Zufall, sondern ein klares Signal: Hier beginnt der Moment der Möglichkeit, der Übergang vom Unbewussten ins Bewusste. Es ist der erste Impuls eines Erwachens, noch zart, aber unaufhaltsam.
Die pastose Oberfläche, erzeugt durch Acrylpaste, verleiht dem Werk eine fast archäologische Qualität. Man hat das Gefühl, durch die Zeit zu blicken, in ein inneres Gelände, das lange unberührt geblieben ist. Und genau darin liegt die Kraft dieses Bildes: Es konfrontiert uns nicht mit einer fertigen Antwort, sondern mit einer Einladung.
Was in dir schläft noch? Welche Schichten hast du über dein eigenes Bewusstsein gelegt? Und bist du bereit, den ersten Riss zuzulassen, durch den das Licht eindringen kann?
„Schlafendes Bewusstsein“ ist kein statisches Bild, es ist ein Spiegel, ein Prozess, ein stiller Weckruf.