Kalenderblatt
16. Juli

Ich bin vollgepumpt mit Glück

Kalenderblatt vom 16. Juli
„Ich bin vollgepumpt mit Glück“
„I’m drugged up on luck“
„Estoy llenado de felicidad“

Acryl, Acrylpaste, Gesso, Quarzsand Pigmnet auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Ich bin vollgepumpt mit Glück“ ist kein Satz, den die meisten Menschen laut aussprechen. Sie fürchten, das Glück könne sie hören und aus Trotz wieder verschwinden. Eine seltsame Spezies. Als wäre Freude ein scheues Wildtier, das nur existiert, wenn niemand hinsieht.

Dabei begann die Geschichte dieses Bildes ganz anders.

Es gab einen Ort, an dem das Glück nicht in kleinen Portionen verteilt wurde. Dort wurde es nicht verdient, nicht gekauft und nicht erklärt. Es war einfach da. Tief unter einer Landschaft aus Erinnerungen, Zweifeln und längst vergessenen Hoffnungen ruhte eine goldene Quelle, verborgen unter einer harten Kruste aus Sand, Staub und Zeit.

Viele Menschen liefen täglich darüber hinweg. Sie sprachen von Vernunft, von Sicherheit, von den Dingen, die man eben tun müsse. Niemand bemerkte das leise Pulsieren unter ihren Füßen.

Bis eines Tages jemand stehen blieb.

Er hatte nichts Besonderes dabei. Keine Landkarte. Keine Antworten. Nur die Bereitschaft, noch einmal zu glauben, dass unter allem Schweren etwas Leichtes verborgen liegen könnte.

Er begann zu graben.

Nicht mit einer Schaufel, sondern mit Mut. Mit Neugier. Mit der Entscheidung, den alten Stimmen keinen Glauben mehr zu schenken.

Plötzlich brach die Oberfläche auf.

Nicht laut. Eher wie ein tiefer Atemzug nach Jahren des Schweigens.

Aus der Öffnung stieg kein Wasser empor, sondern flüssiges Licht. Es durchströmte den Körper, jede Erinnerung, jede Wunde, jede Falte der Seele. Es füllte jede Leerstelle, bis kein Platz mehr für den alten Mangel blieb.

Das Blau ringsum versuchte noch, an den Schatten festzuhalten. Es erinnerte an Zweifel, an kalte Nächte, an all die Geschichten, die behaupteten, Glück müsse immer einen Preis haben.

Doch das Gold lachte darüber.

Es breitete sich aus, nicht als Farbe, sondern als Zustand des Seins.

Die raue Mitte des Bildes erzählt von allem, was überwunden werden musste. Quarzsand, Pigmente und Acrylpaste bilden keine glatte Oberfläche. Sie bewahren die Narben des Weges. Gerade deshalb wirkt das Gold nicht dekorativ, sondern glaubwürdig. Es hat sich seinen Platz nicht erobert, sondern freigelegt.

Und irgendwann sagte der Mensch nicht mehr: Ich suche das Glück.

Er sagte auch nicht: Ich hoffe auf bessere Zeiten.

Er lächelte nur und sprach einen Satz, der niemandem etwas beweisen musste:

„Ich bin vollgepumpt mit Glück.“

Nicht, weil das Leben plötzlich einfach geworden wäre.

Nicht, weil alle Probleme verschwunden wären.

Sondern weil er begriffen hatte, dass Glück kein Besucher ist, der höflich anklopft. Es ist eine Quelle, die tief im Inneren wartet, bis jemand den Mut findet, die eigene Kruste aufzubrechen.

Seit jenem Tag leuchtet dieser Ort weiter. Für jeden, der innehält. Für jeden, der bereit ist, unter dem Lärm der Welt nach dem stillen Gold zu suchen. Und vielleicht erkennt genau dieser Mensch irgendwann, dass das größte Wunder nicht darin besteht, Glück zu finden, sondern zu entdecken, dass es die ganze Zeit schon in ihm selbst geleuchtet hat.

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