
Kalenderblatt vom 12. Juli
„Träume leben ewig“
„Dreams are living eternally“
„Sueños estan viviendo eternamente“
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
„Träume leben ewig“ ist für mich kein Satz des Trostes. Es ist eine Feststellung. Träume sterben nicht. Sie warten. Sie verbergen sich unter Schichten aus Gewohnheit, Angst, Vernunft und den gut gemeinten Ratschlägen anderer Menschen, bis irgendwann ein einziger Augenblick genügt, um sie wieder ans Licht zu holen.
Als ich dieses Bild malte, dachte ich nicht an einen Sonnenaufgang. Ich dachte an das innere Feuer, das jeder Mensch in sich trägt. Der große rote Kreis schwebt nicht über einer Landschaft. Er schwebt über der Möglichkeit. Er erinnert daran, dass es in jedem Leben einen Mittelpunkt gibt, der sich niemals ganz löschen lässt. Selbst wenn alles kalt erscheint, bleibt irgendwo ein Funke zurück.
Unter diesem Feuer liegt ein Meer aus Blau. Kein friedliches Wasser, sondern eine bewegte, raue Welt voller Brüche, Erhebungen und verborgener Wege. Das Blau erzählt von den Jahren, in denen wir kämpfen, zweifeln und manchmal vergessen, wer wir einmal werden wollten. Die Acrylpaste baut keine dekorativen Strukturen auf. Sie schafft Widerstände. Das Leben ist selten glatt. Gerade dort, wo Farbe sich auftürmt, entstehen Schatten, Licht und Tiefe. Auch die Seele gewinnt ihre Gestalt nicht durch Bequemlichkeit, sondern durch Reibung.
Zwischen dem glühenden Kreis und der blauen Landschaft bleibt ein weiter, goldener Raum. Dieser Raum ist Hoffnung. Er ist das Unsichtbare zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Viele Menschen versuchen, ihn möglichst schnell zu überqueren. Ich glaube jedoch, dass genau dort das eigentliche Leben stattfindet. In diesem offenen Feld begegnen wir unseren Fragen, unserer Sehnsucht und unserem Mut.
Ich habe oft erlebt, dass Menschen ihre Träume begraben, weil sie glauben, es sei zu spät. Sie erzählen sich Geschichten über Alter, Geld, Herkunft oder verlorene Chancen. Doch ein Traum kennt keine Uhr. Er kennt nur den Augenblick, in dem wir bereit sind, ihm wieder zuzuhören. Vielleicht verändert er seine Form. Vielleicht führt er an einen anderen Ort als ursprünglich gedacht. Aber seine Kraft bleibt erhalten.
Dieses Bild ist deshalb keine Landschaft, sondern eine innere Topografie. Der rote Kreis ist das Herz der Sehnsucht. Das blaue Relief ist der Weg des Menschen. Das Gold ist das Bewusstsein, in dem beides miteinander verbunden wird. Wer lange genug hinsieht, erkennt vielleicht, dass zwischen Himmel und Erde keine Trennung besteht, sondern nur ein Atemzug.
„Träume leben ewig“ bedeutet für mich deshalb weit mehr als Optimismus. Es ist die Einladung, sich selbst wieder zu begegnen. Nicht dem Menschen, den andere erwarten, sondern jenem stillen, unbeirrbaren Wesen im Inneren, das seit der Kindheit weiß, wofür es hier ist. Träume altern nicht. Nur wir vergessen manchmal, dass sie geduldig auf uns warten. Und vielleicht ist genau dieser Augenblick der richtige, sich wieder auf den Weg zu machen.