
Das Kalenderblatt zum 10. Oktober
„Aus dem Codex Auroræ – das Erwachen des Zeichens“
“From the Codex Auroræ – The Awakening of the Sign”
“Del Códice Auroræ – El Despertar del Signo”
Aquarell auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm
„Das Erwachen des Zeichens“ bewegt sich an der Grenze zwischen Landschaft, Schrift und innerer Erscheinung.
Die transparenten Farbräume des Aquarells lassen eine Welt entstehen, die sich noch nicht entschieden hat, ob sie Himmel, Erde oder Erinnerung sein möchte. Aus dieser schwebenden Unbestimmtheit treten dunkle, kalligrafisch anmutende Zeichen hervor. Ihre Fremdheit widersetzt sich einer unmittelbaren Entschlüsselung.
Ein weit gespannter, dunkelgrüner Bogen durchzieht die Bildmitte. Er verbindet und trennt zugleich. Er kann als Horizont, schützende Geste oder Schwelle verstanden werden. Unter ihm verdichten sich warme Rottöne, während links eine aufsteigende Form zwischen körperlicher Erscheinung und Auflösung schwankt.
Das Bild erzählt nicht vom Licht als fertiger Wahrheit, sondern vom Augenblick seiner Wahrnehmung.
Der Codex Auroræ erscheint dabei als Vorstellung eines unsichtbaren Buches, dessen Zeichen nicht Wissen vermitteln, sondern Erinnerung hervorrufen.
Das Aquarell verweigert eine eindeutige Lesart. Gerade darin liegt seine besondere Qualität: Es lässt dem Betrachter Raum, die eigene Beziehung zum Geheimnis des Anfangs zu entdecken.
Nicht das Zeichen selbst ist die Offenbarung. Es ist das, was durch seine Begegnung in uns erwacht.