Kalenderblatt
1. September

Triopetra im stürmischen Meltemi Morgen

Das Kalenderblatt zum 1. September

„Triopetra im stürmischen Meltemi Morgen“
“Triopetra on a Stormy Meltemi Morning”
“Triopetra en una mañana de Meltemi tormentoso”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der Morgen über Triopetra ist nicht still.

Blau, Gelb und Rot geraten in Bewegung, überlagern sich, brechen auseinander und treffen erneut aufeinander. Nichts scheint für lange an seinem Platz zu bleiben. Die Farbe selbst wirkt, als sei sie dem Wind ausgesetzt.

Von rechts und aus dem oberen Bildraum drängen kräftige blaue Partien in die Fläche. Sie verdichten sich, lösen sich wieder auf und begegnen einem Gelb, das sich wie Licht über große Teile des Bildes ausbreitet. Dazwischen erscheinen rote Spuren: kleine, intensive Gegenbewegungen innerhalb der weit ausgreifenden Farbströme.

Dunkle, geschwungene Linien ziehen durch diese bewegte Landschaft. Sie geben ihr keine feste Ordnung. Im Gegenteil: Sie scheinen selbst vom Geschehen erfasst zu werden.

Der Meltemi wird nicht dargestellt. Er geschieht im Bild.

Triopetra erscheint deshalb nicht als Ansicht eines bestimmten Ortes. Keine Küstenlinie, kein Felsen und kein Meer müssen eindeutig erkennbar sein. Der Ort entsteht vielmehr aus einer Erinnerung an Licht, Wind, Farbe und Bewegung.

Gerade darin liegt die Verbindung zwischen Titel und Malerei.

Wer einen stürmischen Morgen an der kretischen Küste erlebt hat, kennt diese eigentümliche Gleichzeitigkeit: Die Sonne kann mit großer Helligkeit über der Landschaft stehen, während der Wind jede Vorstellung von Ruhe zunichtemacht.

Licht bedeutet hier nicht Stille.

Das Gelb muss deshalb nicht zwangsläufig „Hoffnung“ bedeuten, das Blau nicht „das Unkontrollierbare“ und das Rot nicht „Herzschlag“. Die Farben dürfen zunächst Farbe bleiben. Ihre Bedeutung entsteht aus ihrem Verhältnis zueinander: aus Überlagerung, Widerstand, Durchdringung und Bewegung.

So wird der stürmische Meltemi-Morgen weniger zu einer Metapher als zu einem Zustand.

Ein Morgen, an dem die Landschaft nicht betrachtet werden will.

Sie fährt einem ins Gesicht.

Und vielleicht bewahrt das Bild genau diesen Augenblick: nicht Triopetra, wie der Ort aussieht, sondern Triopetra, wie er sich an diesem Morgen angefühlt hat.

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