Kalenderblatt
08. August

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Das Kalenderblatt zum 8. August
“Schokokuss”

“Chocolate marshmallow”
“Pastel de chocolate”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Bild führt den Betrachter nicht in eine äußere Landschaft, sondern in einen seelischen Raum. Was zunächst als abstrakte Komposition erscheint, offenbart sich bei längerem Verweilen als Begegnung zwischen dem bewussten Ich und einer tieferen Wirklichkeit.

Im unteren Bereich steht eine kleine Gestalt. Sie wirkt beinahe verloren in der Weite des goldenen Feldes. Und doch ist sie nicht verlassen. Sie ist der Mensch auf dem Weg der Individuation, jener inneren Entwicklung, die nicht in der Anpassung an die Welt besteht, sondern in der Annäherung an das eigene Selbst.

Über ihr entfaltet sich eine leuchtende Form, zugleich Blüte, Sonne und Feuer. Sie lässt sich nicht eindeutig benennen, weil das Selbst niemals vollständig in Begriffe gefasst werden kann. Es erscheint in Symbolen, Träumen und Visionen. Es zeigt sich immer dort, wo das Bewusstsein bereit ist, seine vertrauten Grenzen zu überschreiten.

Der Goldgrund besitzt dabei eine besondere Bedeutung. Gold ist seit jeher das Symbol der Vollendung. In der Alchemie steht es nicht für materiellen Reichtum, sondern für den verwandelten Menschen. Das Gold dieses Bildes scheint nicht gemalt zu sein, sondern aus einer anderen Wirklichkeit in unsere Welt einzudringen. Es ist der Hinweis darauf, dass hinter den sichtbaren Formen eine tiefere Ordnung wirkt.

Die kräftigen Rot- und Blautöne erinnern an die Gegensätze, die jede menschliche Seele in sich trägt: Leidenschaft und Besonnenheit, Leben und Geist, Bewusstsein und Unbewusstes. Erst im Zusammenwirken dieser Gegensätze entsteht jene innere Ganzheit, nach der der Mensch unablässig sucht.

So erzählt dieses Werk nicht von einem Gegenstand, sondern von einem Ereignis der Seele. Es zeigt den Augenblick, in dem etwas Größeres den Menschen berührt. Einen Moment, in dem das Ich innehält und erkennt, dass es nicht der Mittelpunkt des Daseins, sondern Teil einer umfassenderen Ordnung ist.

Jedes echte Symbol besitzt die Eigenschaft, mehr zu offenbaren, als der Verstand erfassen kann. Gerade deshalb bleibt dieses Bild lebendig. Es fordert keine Erklärung. Es verlangt lediglich die Bereitschaft, sich von ihm verwandeln zu lassen. Denn nicht wir betrachten das Symbol. Mit der Zeit beginnt das Symbol, uns zu betrachten.

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