Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
25. Mai

Sonnenaufgang am See: Das Blau empfängt das Gelb und läßt das Rot im Lebendigen entstehen.

Das Kalenderblatt zum 25. Mai
„Sonnenaufgang am See: Das Blau empfängt das Gelb und läßt das Rot im Lebendigen entstehen.“
„Sunrise lake-side: The Blue welcomes the Yellow and lets arise the Red in the Living“
„Salida del sol al lago: El azul da la bienvenida al amarillo y deja nacer el rojo en el vivo“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Werk wirkt wie eine emotionale Geburt von Licht, Wärme und Bewegung. Es erzählt den Moment der inneren Verwandlung, in dem Farbe nicht nur sichtbar wird, sondern zu einer lebendigen Kraft heranwächst.

Das dominante Blau trägt in diesem Bild eine doppelte Bedeutung. Es erinnert an Wasser, Tiefe und Weite, an die ruhige, fast meditative Oberfläche eines Sees, der den Himmel spiegelt und zugleich in sich selbst versinkt. Doch dieses Blau ist nicht glatt oder still. Durch die raue Struktur der Acrylpaste erhält es eine erdige, fast kämpferische Präsenz, als würde das Wasser selbst atmen, sich bewegen und das Licht empfangen. Es ist ein Raum der Offenheit, ein Symbol für Aufnahmefähigkeit, Stille und geistige Klarheit.

Dem gegenüber steht das leuchtende Gelb, das sich wie ein einbrechender Sonnenstrom durch das Werk zieht. Es wirkt nicht zaghaft, sondern entschlossen. Gelb erscheint hier wie Energie, Hoffnung und Erwachen, als erstes Licht des Tages, das Dunkelheit nicht verdrängt, sondern sie verwandelt. Es ist ein Licht, das nicht nur die Landschaft berührt, sondern auch das Innere des Betrachters.

Besonders kraftvoll ist jedoch das Rot, das zwischen Blau und Gelb entsteht. Es scheint nicht einfach aufgetragen zu sein, vielmehr wirkt es wie eine Konsequenz, wie ein lebendiger Zwischenraum. Rot wird hier zur Farbe des Pulses, der Leidenschaft und der Schöpfungskraft. Es ist das Lebendige selbst: Wärme, Bewegung, vielleicht sogar ein Symbol für das menschliche Herz zwischen Gefühl und Bewusstsein.

Die horizontale Gliederung des Bildes erinnert an eine ferne Uferlinie oder an das Spannungsfeld zwischen Himmel und Erde. Gleichzeitig bleibt alles abstrakt genug, um Raum für Interpretation zu lassen. Gerade diese Offenheit macht das Werk stark: Es zeigt keinen konkreten See, sondern einen inneren See, einen seelischen Ort, an dem Gegensätze sich begegnen und Neues hervorbringen.

Die Materialität aus Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten verstärkt diesen Eindruck eindrucksvoll. Die Oberfläche ist nicht glatt, sie lebt von Brüchen, Verdichtungen und Spuren. Dadurch entsteht eine fast archaische Tiefe. Das Werk wirkt wie ein Fragment einer Landschaft und zugleich wie ein seelisches Protokoll eines Erwachens.

So wird „Sonnenaufgang am See“ zu einer kraftvollen Metapher für Transformation: Das Blau empfängt. Das Gelb belebt. Das Rot entsteht. Ein stiller Dialog der Farben, der zeigt, dass Lebendigkeit oft genau dort entsteht, wo Gegensätze einander berühren. Dieses Bild spricht von Aufbruch, innerem Licht und der Schönheit des Werdens. Es ist kein stiller Sonnenaufgang, es ist eine farbgewordene Geburt des Lebens.

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Kalenderblatt
24. Mai

Lama Pasanta macht Pucha bei der Waldfee

Kalenderblatt vom 24. Mai
„Lama Pasanta macht Pucha bei der Waldfee“
„Lama Pasanta makes Pucha at the forest fairy“
„Lama Pasanta hace Pucha a la halda de bosque“

Acryl, Pigment auf Aquarellkarton ca. 21 x 15 cm

Unter einem Himmel aus flammendem Gelb und glühendem Rot, dort, wo die Wälder nicht einfach wuchsen, sondern Geschichten atmeten, lebte die geheimnisvolle Waldfee Ariyana. Sie war keine zarte Fee aus stillen Blumenfeldern, sondern eine Hüterin des wilden Unterholzes, mit Augen wie schwarzer Bernstein und einer Stimme, die klang wie Wind zwischen uralten Ästen. Tief in ihrem Reich lag ein verborgener Platz, an dem Moose golden schimmerten und selbst das Dunkel lebendig wirkte.

Eines Tages kam Lama Pasanta aus den fernen Bergen Nepals herabgestiegen. Er war ein Wanderer zwischen den Welten, ein stiller Mönch mit einem Herzen voller Fragen und einem Blick, der gelernt hatte, hinter die sichtbaren Formen zu schauen. In seinen Händen trug er nichts als einen kleinen Beutel mit rotem Pigment, das aus zermahlenen Steinen und heiligen Kräutern bestand. Er suchte die Waldfee, denn über sie hieß es, dass sie Wünsche nicht erfülle, sondern Wahrheiten offenbare.

Als Lama Pasanta den dunklen Waldrand betrat, flammte der Himmel auf, als hätte die Sonne beschlossen, ein letztes Feuerfest zu feiern. Die Bäume knarrten. Schwarze Linien wie Schattenarme zogen sich über Felsen und Erde. Dort erschien Ariyana, halb aus Licht, halb aus Nebel, und betrachtete den Fremden mit ruhiger Strenge.

„Warum kommst du in mein Reich, Lama?“ fragte sie.

Pasanta verbeugte sich tief. „Ich möchte Pucha machen.“

Die Waldfee lächelte kaum merklich. In ihrer Sprache bedeutete Pucha mehr als eine Bitte. Es war ein uraltes Ritual des Fragens, Loslassens und Öffnens, eine Handlung, bei der ein Wesen nicht nach Reichtum oder Macht bat, sondern nach Erkenntnis.

So begann das Ritual.

Lama Pasanta kniete nieder und verstreute das rote Pigment auf einen schwarzen Felsen. Es leuchtete wie flüssiges Feuer. Die Waldfee hob ihre Hände, und aus den Baumkronen fielen gelbe Lichtfetzen wie zerrissene Sonnenblätter auf den Boden. Der Wald verstummte. Selbst die Tiere hielten den Atem an.

„Was suchst du wirklich?“ fragte Ariyana.

Pasanta schwieg lange. Dann sagte er: „Ich suche den Ort, an dem Angst endet.“

Die Waldfee strich mit einem Finger über den Boden, und die Erde öffnete sich wie ein dunkler Spiegel. Darin sah Pasanta keine Monster, keine Feinde und keine fremden Schatten, sondern sich selbst. Seine Zweifel. Seine Erinnerungen. Seine Wunden. Die Stimmen alter Verluste, die er jahrelang wie Steine im Herzen getragen hatte.

Er wollte zurückweichen.

Doch Ariyana sprach: „Wer vor seinem inneren Wald flieht, verirrt sich im äußeren.“

Also blieb er.

Er blickte hinein. Tiefer und tiefer. Bis er begriff, dass Angst nicht an einem Ort wohnte, sondern in den Mauern, die man selbst errichtete.

Als diese Erkenntnis ihn durchströmte, begann das rote Pigment auf dem Stein zu glühen. Es floss wie ein Fluss aus Feuer über schwarze Schatten und verwandelte Dunkelheit in leuchtende Linien. Über ihnen zerriss der Himmel in goldgelben Bahnen, als würde das Licht selbst applaudieren.

Die Waldfee trat zurück.

„Deine Pucha ist beantwortet“, sagte sie.

Pasanta fragte: „Und was geschieht nun?“

Ariyana lächelte diesmal offen und fast menschlich.

„Nun gehst du zurück in die Welt. Nicht als Suchender. Sondern als einer, der gelernt hat, dass selbst im dunkelsten Wald ein Pfad entsteht, wenn man aufhört, gegen die Schatten zu kämpfen.“

Lama Pasanta verließ den Wald bei Sonnenaufgang. Hinter ihm verblassten die roten Feuerfarben. Vor ihm öffnete sich eine stille Landschaft aus Licht.

Und man erzählt sich bis heute, dass überall dort, wo Menschen mutig ihre inneren Fragen stellen, ein Hauch der Waldfee lebt, verborgen zwischen Schwarz, Gold und Glut, und dass Lama Pasanta noch immer in jedem Suchenden weiterwandert, der den Mut hat, seine eigene Pucha zu machen.

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