Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
31. Mai

Buddhindu

Kalenderblatt vom 31. Mai
„Buddhindu“

Aquarell auf Bambuspapier ca 21 x 15 cm

„Buddhindu“ ist eine visuelle Verschmelzung zweier uralter Bewusstseinsströme, des stillen, nach innen gerichteten buddhistischen Geistes und der ekstatischen, kosmischen Lebenskraft des Hinduismus. Schon der Titel trägt diese Spannung in sich: „Buddhindu“ verbindet nicht einfach zwei Religionen, sondern erschafft einen neuen geistigen Raum zwischen Meditation und Schöpfungsfeuer, zwischen Leere und Überfülle, zwischen Auflösung und göttlicher Präsenz.

Im Zentrum erhebt sich eine fast tempelartige Form aus übereinandergeschichteten Ebenen. Sie wirkt wie ein spiritueller Körper, der sich aus verschiedenen Bewusstseinszuständen zusammensetzt. Die roten und goldenen Streifen erinnern an rituelle Gewänder, an Gebetsfahnen oder an die energetischen Schichten eines Chakrensystems. Darüber schwebt ein halbmondförmiges Element, das gleichzeitig an den Mond Shivas, an eine buddhistische Schale oder an ein geöffnetes inneres Auge erinnert. Darüber wiederum ruht die leuchtende Kugel wie ein stiller Sonnenkern des Bewusstseins. Nicht der Verstand herrscht hier, sondern die innere Schau.

Das Bild arbeitet nicht mit klaren Grenzen. Alles scheint sich ineinander aufzulösen: Wasser und Feuer, Form und Auflösung, Linie und Intuition. Genau darin liegt seine Kraft. Die Aquarelltechnik auf Bambuspapier erzeugt eine vibrierende Leichtigkeit, die an vergängige Tempelrauch-Spuren erinnert. Die Farben fließen wie Gedanken während einer Meditation, niemals vollständig kontrollierbar, aber voller Bedeutung. Besonders die gelben und roten Lichtausbrüche wirken wie spirituelle Entladungen, wie plötzliche Momente von Erkenntnis oder Erleuchtung.

Rechts erscheint eine geheimnisvolle, fast geisterhafte Struktur. Sie könnte als Wächterfigur gelesen werden, als spirituelle Präsenz oder als Schatten des Egos, das sich im Prozess der inneren Transformation langsam auflöst. Nichts im Bild wird eindeutig erklärt und genau dadurch entsteht seine hypnotische Wirkung. „Buddhindu“ fordert nicht zum Verstehen auf, sondern zum Erleben.

Im unteren Bereich glüht eine herzähnliche Form in Gelb und Rot. Dieses Herz scheint nicht anatomisch, sondern kosmisch gemeint zu sein, als Zentrum einer spirituellen Vereinigung. Hier begegnen sich Mitgefühl und Ekstase, Stille und Hingabe. Vielleicht liegt genau darin die Botschaft des Werkes: Dass wahre Spiritualität nicht in der Trennung von Wegen entsteht, sondern in ihrer tiefen inneren Verbindung.

Das Bild wirkt wie ein fragmentarisches Manuskript aus einer vergessenen Mystik. Es erinnert daran, dass Religionen ursprünglich keine Systeme waren, sondern Erfahrungen. „Buddhindu“ zeigt keinen Dogmatismus, sondern einen Zustand. Einen Bewusstseinsraum, in dem Gegensätze aufhören zu kämpfen und beginnen, gemeinsam zu leuchten.

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Kalenderblatt
31. Mai

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Kalenderblatt zum 31. Mai
„Das Auge der inneren Gezeiten“
„The Eye of Inner Tides“
„El Ojo de las Mareas Interiores“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

 

„Das Auge der inneren Gezeiten“ wirkt wie ein geöffnetes Tor zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Inmitten der rauen, dunklen Struktur erscheint ein leuchtendes Auge, das nicht nach außen blickt, sondern tief nach innen führt. Der Betrachter steht nicht vor einem gewöhnlichen Auge, er steht vor einem energetischen Zentrum, vor einem pulsierenden Brennpunkt innerer Bewegung. Die kräftigen Farbringe aus Rot, Weiß und Blau erinnern an uralte Symbole von Kraft, Reinigung und geistiger Konzentration. Doch hier werden sie nicht dekorativ eingesetzt, sondern erscheinen wie Schichten einer seelischen Landschaft, die sich langsam offenbart.

Das intensive Rot strahlt wie eine lebendige Warnung und zugleich wie ein Ruf nach Aufmerksamkeit. Es trägt die Energie von Leidenschaft, Instinkt und innerem Feuer in sich. Das Weiß wirkt wie ein Zwischenraum der Stille, ein Atemzug zwischen Emotion und Erkenntnis. Und das tiefe Blau im Zentrum erscheint fast grenzenlos, wie ein Sog in unbekannte Tiefen des Bewusstseins. Gerade dieses Zentrum entwickelt eine enorme magnetische Wirkung: Es zieht den Blick an und hält ihn fest, als wolle das Bild sagen: „Schau tiefer. Dort beginnt die eigentliche Bewegung.“

Die umliegenden dunklen Flächen besitzen eine fast tektonische Präsenz. Sie wirken wie Erdschichten, wie kosmische Sedimente oder wie die Ränder eines inneren Universums. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde dieses Auge nicht nur sehen, sondern selbst aus den Gezeiten der Seele geboren werden. Die grobe Struktur der Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck zusätzlich: Das Bild ist nicht glatt, nicht beruhigt, nicht abgeschlossen. Es lebt. Es arbeitet. Es vibriert unter der Oberfläche.

Der Titel „Das Auge der inneren Gezeiten“ verleiht dem Werk eine poetische und zugleich mystische Dimension. Gezeiten sind niemals statisch, sie kommen und gehen, ziehen sich zurück und kehren mit neuer Kraft wieder. Genau dieses rhythmische Prinzip scheint im Bild sichtbar zu werden. Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und spirituelle Bewegungen erscheinen hier wie Strömungen eines inneren Ozeans. Das Auge wird dadurch zum Symbol eines Bewusstseins, das diese Bewegungen nicht kontrolliert, sondern wahrnimmt und durchlebt.

Besonders faszinierend ist die Spannung zwischen Chaos und Ordnung. Obwohl die Farbflächen spontan und expressiv wirken, besitzt die Komposition eine klare Zentrierung. Alles strebt auf den Mittelpunkt zu. Dadurch entsteht eine hypnotische Kraft, die den Betrachter unweigerlich in einen stillen Dialog mit sich selbst führt. Das Werk fordert nicht zum schnellen Konsum auf, es verlangt Präsenz. Wer länger hinsieht, entdeckt immer neue Schichten: Landschaft, Kosmos, Wunde, Sonne, Auge, Portal. Genau darin liegt seine Stärke.

Dieses Bild ist keine bloße abstrakte Komposition. Es ist ein emotionales Instrument. Ein Resonanzraum für innere Bewegungen. Ein sichtbarer Puls des Unsichtbaren. „Das Auge der inneren Gezeiten“ erinnert daran, dass in jedem Menschen verborgene Strömungen wirken, Kräfte, die sich nicht immer erklären lassen, aber dennoch unser Leben formen. Und vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Botschaft dieses Werkes: Wer den Mut hat, in die Tiefe zu schauen, entdeckt nicht Dunkelheit, sondern lebendige Bewegung.

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