Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt
11. August

Was du säst, das wirst du ernten

Kalenderblatt vom 11. August
„Was du säst, das wirst du ernten“
„What you sow will you reap“
„Que  sembras,  lo que  cosecháras“

Aquarell, Acrylpaste auf Bambuspapier ca. 21 x 15 cm

Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum und Ihr Blick bleibt an einem einzigen Bild hängen. Nicht, weil es laut wäre, sondern weil es etwas in Ihnen berührt.

„Was du säst, das wirst du ernten“ entfaltet seine Wirkung über eine klare Symbolsprache und eine intensive Farbkomposition. Im Zentrum ruht ein leuchtend roter Kreis, der an einen Samen, einen Ursprung oder den innersten Wesenskern erinnert. Ihn umgibt ein tiefes Blau, das Schutz, Tiefe und den Raum der Entwicklung verkörpert.

Im oberen Bildbereich spannt sich ein goldenes Raster über die Komposition. Es erinnert an ein bestelltes Feld, an Ordnung, Struktur und die Bereitschaft für neues Wachstum. Eine Reihe schwarzer Punkte zieht sich wie ein stiller Takt durch das Bild und verweist auf Zeit, Rhythmus und die Gesetzmäßigkeit des Lebens, in der jede Ursache ihre Wirkung hervorbringt.

Der sanfte Übergang ins Grün am unteren Bildrand lässt an Keimen, Werden und Erneuerung denken. Alles befindet sich in Bewegung. Nichts ist abgeschlossen.

Die Verbindung von fließendem Aquarell und strukturierter Acrylpaste verleiht dem Werk eine besondere Spannung zwischen Leichtigkeit und Körperlichkeit. Das Bambuspapier unterstützt diesen Eindruck mit seiner natürlichen Präsenz und Wärme.

Der Titel verweist auf ein universelles Prinzip, das sich in vielen Kulturen und spirituellen Traditionen wiederfindet: Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung trägt den Keim ihrer zukünftigen Entfaltung in sich.

Dieses Bild erzählt keine fertige Geschichte. Es eröffnet einen Erfahrungsraum. Mit jedem erneuten Betrachten können sich neue Zusammenhänge zeigen, andere Bedeutungen sichtbar werden und persönliche Fragen in den Vordergrund treten.

„Was du säst, das wirst du ernten“ ist damit weit mehr als eine Darstellung. Es ist eine Einladung, über Verantwortung, Entwicklung und die schöpferische Kraft des eigenen Handelns nachzudenken. Ein Werk, das seine Wirkung nicht auf den ersten Blick erschöpft, sondern über die Zeit immer wieder neue Resonanzen entstehen lässt.

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Kalenderblatt
10. August

Kalenderblatt vom 10. August
„A.B. Heedes grosser Beschiss“
„The great scam of A.B. Heede“
„El grande timo de A.B. Heede“

Acryl, Gesso auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Kunst als Anklage gegen die Verführung

Dieses Bild empfängt den Betrachter nicht mit Harmonie, sondern mit Widerstand.

Ein glühendes Rot beherrscht den oberen Bildraum. Es wirkt wie eine aufgerissene Wunde oder der Nachhall einer Explosion. Darunter liegt ein massives Blau, schwer und unruhig, das eher Last als Geborgenheit vermittelt. Dazwischen brechen goldgelbe Keile aus einem dunklen Zentrum hervor. Sie erinnern an Lichtstrahlen, besitzen jedoch nichts Erlösendes. Sie schneiden den Bildraum wie scharfe Klingen und lenken den Blick unweigerlich auf den schwarzen Kern.

Dort verdichtet sich alles.

Der dunkle Mittelpunkt erscheint wie der Ursprung einer Täuschung, ein Knoten aus Verheißung, Enttäuschung und zerstörtem Vertrauen. Die strahlenförmige Komposition wirkt beinahe sakral. Gerade dadurch entfaltet sie ihre Ironie: Was zunächst an religiöse Bildwelten erinnert, verwandelt sich in eine Anklage gegen falsche Heilsversprechen.

Der Titel lässt keinen Interpretationsspielraum:

„A.B. Heedes grosser Beschiss“

Er verzichtet bewusst auf jede diplomatische Umschreibung. Dadurch entsteht eine unmittelbare Spannung zwischen der formalen Strenge der Komposition und der sprachlichen Radikalität des Titels.

Das Werk richtet sich jedoch nicht allein gegen eine einzelne Person. Es verweist auf ein zeitloses Phänomen:

die Bereitschaft des Menschen, sich blenden zu lassen.

Die goldenen Strahlen können ebenso für Hoffnung wie für Verführung stehen. Das Rot kann Leidenschaft oder Fanatismus bedeuten. Das Blau kann innere Tiefe ebenso verkörpern wie Ernüchterung. Gerade diese Mehrdeutigkeit macht das Bild offen für unterschiedliche Lesarten.

Es erzählt von dem Augenblick, in dem ein Glaube zerbricht und aus der Enttäuschung Erkenntnis entsteht.

So wird das Werk zu einer Reflexion über Macht, Manipulation, Autorität und Eigenverantwortung. Es fordert dazu auf, nicht jedem Licht zu vertrauen, das hell genug scheint.

Denn nicht jedes Leuchten weist den Weg.

Manches blendet nur.

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