Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
30. Dezember

Kalenderblatt zum 30. Dezember

Das Kalenderblatt zum 30. Dezember
„Resonanzfeld aus Bewegung und Stille“
„Resonance Field of Movement and Stillness“
„Campo de resonancia de movimiento y quietud“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

In diesem Bild entfaltet sich ein vibrierendes Spannungsfeld, in dem Farbe nicht nur Oberfläche ist, sondern Erfahrung:  Ein tiefes, pulsierendes Blau bildet den zentralen Resonanzraum, in dem sich Bewegung und Stille gegenseitig aufladen. Aus der dichten malerischen Struktur entsteht der Eindruck eines inneren Geschehens,  nicht als äußere Landschaft, sondern als emotionale Topographie, in der Impuls, Atem, Zurücknahme und erneutes Aufbrechen ineinander greifen. Die pastosen, wolkigen Schichtungen wirken wie Spuren eines Prozesses, in dem sich Auflösung und Verdichtung immer wieder abwechseln.

Im Zentrum erscheint ein zartes Weiß wie ein Moment der Klarheit, der kurz aus der Bewegung heraustritt und sich zugleich wieder in ihr verliert. Die seitlichen Gelb- und Erdklänge geben dem Bild eine stille Erdung, als läge dort ein Rand des Bewusstseins, an dem Dynamik allmählich in gesammelte Präsenz übergeht. Nichts bleibt hier statisch: Selbst die Ruhe trägt noch Schwingung in sich, während die Bewegung immer wieder in innere Stillräume zurückkehrt.

So wird dieses Werk zu einem Resonanzfeld der Wahrnehmung, nicht etwas, das man betrachtet, sondern ein Zustand, in den man eintritt. Der Betrachter tritt in Dialog mit dem Rhythmus des Bildes, bewegt sich zwischen Vorstoß und Rückzug, zwischen Intensität und Loslassen, und findet in diesem Spannungsbogen eine Einladung, die eigene innere Bewegung in der Stille wahrzunehmen.

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Kalenderblatt
29. Dezember

Eingefrorene Giftstachel

Kalenderblatt vom 29. Dezember
„Eingefrorene Giftstachel“
„Frozen poison stings“
„aguijónes venenosos congelados“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Werk trägt den Titel „Eingefrorene Giftstachel“ und genau darin liegt seine unmittelbare Kraft. Was sich dem Blick zunächst als kühle, nahezu meditative Blaufläche zeigt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Spannungsfeld von erstarrter Bewegung, unterdrückter Energie und latentem Schmerz. Die Oberfläche wirkt aufgeraut, geschichtet, verletzt, als hätte das Bild selbst Erfahrungen gespeichert, die nicht einfach vergehen, sondern im Material konserviert wurden.

Das dominante Blau ist kein friedliches Blau. Es ist ein Blau der Kälte, der Distanz, der emotionalen Abschirmung. Es erinnert an Eis, an Tiefsee, an Zustände, in denen Gefühle nicht fließen dürfen. Die Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck: Sie bildet Narben, Verwerfungen, gefrorene Wellen, als sei etwas in Bewegung abrupt angehalten worden. Genau hier beginnt die innere Dramaturgie des Bildes.

Aus dieser scheinbaren Starre brechen zwei Linien hervor, rot und gelb, scharf, linear, kompromisslos. Sie wirken wie Stachel, wie gezielte Impulse, die sich ihren Weg durch die erstarrte Fläche bahnen. Das Rot steht für Verletzung, Aggression, ungesagten Zorn, während das Gelb eine andere Qualität einbringt: Warnung, Erkenntnis, schmerzhafte Klarheit. Beide Linien sind schmal, fast verletzlich und doch von enormer Präsenz. Sie zeigen: Das Gift ist nicht verschwunden. Es ist nur eingefroren.

Gerade in dieser Zurückhaltung liegt die emotionale Wucht des Bildes. Es schreit nicht. Es klagt nicht. Es wartet. Es erzählt von Momenten, in denen Verletzungen nicht ausgetragen werden konnten, von Worten, die nicht ausgesprochen wurden, von Impulsen, die man aus Selbstschutz oder Anpassung in sich selbst eingeschlossen hat. Die Giftstachel sind da, nicht, um anzugreifen, sondern um zu erinnern.

„Eingefrorene Giftstachel“ ist damit kein Bild der Hoffnungslosigkeit, sondern eines der Bewusstwerdung. Denn was eingefroren ist, kann auch wieder auftauen. Das Werk hält diesen kritischen Zwischenzustand fest: den Moment kurz bevor etwas wieder in Bewegung kommt. Es fordert den Betrachtenden heraus, die eigene innere Starre zu hinterfragen und sich zu fragen, wo im eigenen Leben Emotionen konserviert wurden, die nach Ausdruck verlangen.

Dieses Bild wirkt leise und trifft tief. Es ist ein visuelles Statement über emotionale Selbstverteidigung, innere Spannung und die Kraft, die im Erkennen liegt. Wer sich darauf einlässt, spürt: Unter der kalten Oberfläche arbeitet etwas Unaufhaltsames. Und genau darin liegt seine nachhaltige Wirkung.

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