Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt
18. September

Der Lack ist ab

Kalenderblatt zum 18. September
„Der Lack ist ab“

„Paint is chipping off“
„Se quitó la tapadera“

Acryl, Acrylpaste, Sand auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

„Der Lack ist ab“ beginnt dort, wo die geschlossene Oberfläche aufhört. Farbe ist nicht nur aufgetragen, sondern geschichtet, aufgeraut, verschoben und stellenweise wie abgetragen. Acrylpaste und Sand machen die Oberfläche selbst zum Gegenstand des Bildes. Sie trägt Spuren eines Prozesses, der nicht verborgen, sondern sichtbar gemacht wird.

Die Komposition entwickelt sich aus unterschiedlichen Zonen. Im unteren Bereich verdichten sich Rot, Braun und gebrochenes Weiß zu einer schweren, beinahe körperlichen Struktur. Darüber öffnet sich ein blau-grauer Raum, während das Gelb den größten Teil des Bildes einnimmt. Es wirkt wie Licht, ohne eindeutig Lichtquelle zu sein. Das Bild erinnert an Landschaft, verweigert sich aber einer eindeutigen Landschaft.

Gerade darin liegt seine Spannung. Man könnte einen Horizont erkennen, eine Öffnung, vielleicht Wasser, Erde oder einen fernen Himmel. Doch kaum entsteht eine solche Vorstellung, beginnt die Materialität sie wieder aufzulösen. Das Bild bewegt sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Raum und reiner malerischer Oberfläche.

Der Titel bringt eine zweite Ebene hinein. „Der Lack ist ab“ bezeichnet im alltäglichen Sprachgebrauch den Moment, in dem Glanz verloren geht, eine Fassade brüchig wird oder etwas seinen makellosen Zustand hinter sich lässt. Im Bild geschieht genau dies ganz konkret: Die Oberfläche zeigt ihre Verletzungen, Schichtungen und Unregelmäßigkeiten.

Doch was darunter sichtbar wird, muss nicht die eine verborgene Wahrheit sein. Unter einer Schicht erscheint zunächst eine andere. Und vielleicht liegt darunter bereits die nächste. So wird das Werk zu einer Auseinandersetzung mit der Vorstellung, dass hinter jeder Oberfläche ein eindeutiger Kern verborgen sein müsse.

Vielleicht besteht Wirklichkeit gerade aus diesen Schichten.

Damit verändert sich auch der Blick auf das Unvollkommene. Risse, Unebenheiten und abgetragene Stellen erscheinen nicht als Mängel, die beseitigt werden müssten. Sie erzählen davon, dass etwas geschehen ist. Oberfläche wird zur Spur von Zeit und Veränderung.

Das leuchtende Gelb setzt dazu einen starken Gegenpol. Es verspricht nichts und erklärt nichts. Dennoch öffnet es den Bildraum. Aus der schweren unteren Zone scheint etwas in einen anderen Zustand überzugehen. Nicht unbedingt vom Dunkel ins Licht, sondern von Verdichtung in Öffnung.

So stellt „Der Lack ist ab“ keine fertige Botschaft bereit. Das Werk lässt vielmehr eine Frage zurück:

Was erscheint, wenn eine Oberfläche ihre Geschlossenheit verliert?

Vielleicht keine endgültige Wahrheit.
Vielleicht nur die nächste Schicht.

Und vielleicht ist gerade dort das Eigentliche zu suchen.

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Kalenderblatt
18. September

Kalenderblatt 18. September

Das Kalenderblatt zum 18. September

„Die Alchemie des Morgens“
„The Dawn’s Hidden Alchemy“
„La Alquimia del Alba„

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Die Alchemie des Morgens“ zeigt keinen Sonnenaufgang im herkömmlichen Sinn. Das Bild führt in jenen unbestimmten Zwischenraum, in dem die Nacht ihre Geschlossenheit verliert und etwas Neues sichtbar zu werden beginnt.

Tiefe Blauflächen, gebrochenes Weiß und dunkle Spuren liegen übereinander, werden überdeckt, aufgerissen und wieder freigelegt. Aus dieser vielschichtigen Bildstruktur tritt eine gelb-goldene Bewegung hervor. Sie erscheint nicht wie ein von außen einfallendes Licht, sondern scheint aus der Tiefe des Bildes selbst zu entstehen.

Etwas beginnt sichtbar zu werden, ohne sich bereits ganz zu erkennen zu geben.

Gerade darin liegt die Spannung des Werkes. Der Morgen ist hier kein Zeitpunkt, sondern ein Vorgang der Verwandlung. Dunkelheit und Licht stehen sich nicht als Gegensätze gegenüber. Das Helle entsteht aus dem Dunklen, trägt dessen Spuren weiter und verändert es zugleich.

Die aufbrechenden gelben und goldenen Partien können dabei wie Zeichen einer anderen Wirklichkeit erscheinen. Doch sie bleiben offen. Sie benennen nichts, erklären nichts und führen zu keinem eindeutigen Ziel. Sie sind Erscheinung, Spur und Möglichkeit.

Darin liegt die alchemistische Idee des Bildes: Verwandlung geschieht nicht durch die Auslöschung des Dunklen, sondern aus ihm heraus. Das Verborgene muss nicht verschwinden, damit etwas Neues entstehen kann. Es wird Teil dessen, was sich verwandelt.

So wird der Morgen zu einem inneren Bild für jene Augenblicke, in denen etwas lange Ungreifbares erstmals Gestalt annimmt. Noch ist nicht entschieden, was daraus werden wird. Aber die bisherige Ordnung ist bereits aufgebrochen.

„Die Alchemie des Morgens“ erzählt deshalb weniger vom Beginn eines neuen Tages als vom geheimnisvollen Augenblick des Werdens.

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