Archiv der Kategorie: Remastert

Morgenbild
24. April

Weltengrund

Kalenderblatt zum 24. April

„Weltengrund“
„Ground of the World”
„Fundamento del Mundo“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild trägt nicht zufällig den Titel „Weltengrund“, es ist kein Abbild, sondern ein Ursprungsgeschehen, ein visuelles Echo dessen, was allem Sichtbaren vorausgeht. Was sich hier entfaltet, ist keine Landschaft im klassischen Sinne, sondern eine tektonische Bewegung des Seins selbst, ein brodelnder, vibrierender Raum, in dem Ordnung und Chaos gleichzeitig geboren werden.

Die dominierenden Blau- und Violetttöne wirken wie ein kosmischer Ozean, tief, unergründlich, fast schwerelos  und doch durchzogen von eruptiven Einschlägen in Gelb, Rot und Weiß, die wie Energieausbrüche, wie Schöpfungsblitze wirken. Diese Farbkontraste sind keine bloße Ästhetik, sie sind Spannungsfelder, in denen sich etwas formt, das noch keinen Namen hat. Es ist, als würde man dem Moment zusehen, in dem Materie beginnt, Bedeutung zu tragen.

Die Struktur des Bildes erinnert an geologische Prozesse im Zeitraffer: Schichten schieben sich übereinander, brechen auf, verdichten sich wieder. Hier entsteht kein fertiges Bild, hier entsteht Wirklichkeit selbst. Die eingesetzte Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck: Sie macht den Weltengrund körperlich erfahrbar, als wäre er nicht nur sichtbar, sondern tastbar, als könnte man in ihn eintreten, ihn durchdringen, in ihm versinken.

Und genau darin liegt die eigentliche Kraft dieses Werkes: Es fordert nicht zum Betrachten auf, sondern zur Konfrontation mit dem eigenen Ursprung. Denn der „Weltengrund“ ist nicht irgendwo da draußen, er ist auch in uns, in jedem Gedanken, jeder Emotion, jeder Entscheidung. Dieses Bild ist ein Spiegel, aber keiner, der Oberflächen zeigt. Es ist ein Spiegel, der in die Tiefe zieht, dorthin, wo alles beginnt  und wo alles möglich bleibt.

„Weltengrund“ ist kein Bild, das erklärt, es ist ein Bild, das eröffnet. Ein Raum, in dem der Betrachter nicht Zuschauer bleibt, sondern selbst Teil des schöpferischen Prozesses wird.

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Kalenderblatt
24. April

La Conca ist nicht Monte Curiano

Das Kalenderblatt zum 24. April
„La Conca ist nicht Monte Curiano“
„La Conca is not Monte Curiano“
„La Conca no es Monte Curiano“

Pastellkreide und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild ist eine Entscheidung. Ein stiller, aber unübersehbarer Moment, in dem sich Wahrnehmung von Projektion trennt. Der Titel „La Conca ist nicht Monte Curiano“ wirkt zunächst wie eine geografische Klarstellung, doch in Wahrheit ist er eine poetische Grenzziehung zwischen Erinnerung und Realität. Hier wird nicht nur ein Ort benannt, sondern eine Verwechslung aufgelöst, die tiefer reicht als jede Landkarte.

Die weichen, vibrierenden Farbfelder erzählen von einem inneren Sehen, das sich nicht an topografische Genauigkeit bindet. Das warme Gelb der Sonne scheint nicht über einem konkreten Ort zu stehen, sondern über einem Zustand des Erkennens. Die rote Bewegung darunter, wie ein flüchtiger Gedanke, ein emotionaler Impuls, durchzieht den Himmel als Spur einer Korrektur: Hier wurde etwas gefühlt, vielleicht sogar geglaubt, das sich nun als Illusion entpuppt. Und doch bleibt es schön, bleibt es wahr auf einer anderen Ebene.

Die grünen Hügel im Vordergrund sind keine exakten Landschaften von Elba oder der Toskana, sie sind Resonanzräume der Erinnerung. Orte, die ineinanderfließen, sich überlagern, sich gegenseitig überformen. La Conca und Monte Curiano stehen hier exemplarisch für das menschliche Bedürfnis, Erfahrungen zu ordnen, zu benennen, zu verorten und gleichzeitig für die Unmöglichkeit, dies jemals vollständig zu tun. Denn was wir sehen, ist nie nur das, was ist, sondern immer auch das, was wir darin erkennen wollen.

Gerade in dieser scheinbaren Einfachheit liegt die Kraft des Bildes: Es fordert nicht zur Orientierung auf, sondern zur Bewusstwerdung der eigenen inneren Landkarte. Wo verwechseln wir? Wo projizieren wir? Wo halten wir etwas für „diesen Ort“, obwohl es längst ein anderer geworden ist? Dieses Werk ist kein Abbild, es ist eine stille Intervention gegen die Selbstverständlichkeit unserer Wahrnehmung.

„La Conca ist nicht Monte Curiano“ wird so zu einer existenziellen Aussage: Nicht alles, was sich ähnlich anfühlt, ist dasselbe. Nicht jede Erinnerung ist ein Ort. Und nicht jede Landschaft gehört der Welt, manche gehören allein uns.

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