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Kalenderblatt
5. April

Atomare Entstofflichung

Kalenderblatt vom 5. April
“Atomare Entstofflichung”
“Atomic demateralisation”
“Desmaterialización atómica”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Unter einem Himmel, der so grell leuchtete, als hätte jemand die Sonne neu entzündet, begann die Welt leiser zu werden. Nicht still, sondern durchlässig.

Die Menschen im Tal bemerkten es zuerst an den Dingen, die sie fest geglaubt hatten. Der Stein unter ihren Füßen fühlte sich plötzlich nicht mehr schwer an, sondern zitternd, als würde er sich an etwas erinnern, das er längst vergessen hatte. Die Pflanzen flüsterten, die Luft wurde dichter und doch gleichzeitig unfassbar leicht.

Inmitten dieser Veränderung stand ein alter Pfahl, schief und vom Wind gezeichnet, wie ein Wächter aus einer Zeit, in der alles noch fest war. Doch selbst er begann zu beben. Nicht aus Angst, sondern aus Erkenntnis.

Am Horizont brannte ein roter Kreis, kein gewöhnlicher Sonnenball, sondern ein Tor aus pulsierendem Feuer. Wer lange genug hinsah, erkannte darin keine Zerstörung, sondern Auflösung. Schichten von Wirklichkeit lösten sich voneinander, wie Farben, die sich im Wasser verlieren und doch etwas Neues erschaffen.

Ein Kind trat vor. Es war das einzige Wesen, das keine Furcht verspürte. Mit ruhigen Augen sah es, wie die Formen sich auflösten: Häuser wurden zu Linien, Linien zu Schwingungen, Schwingungen zu einem leuchtenden Nichts, das zugleich alles war.

„Was geschieht hier?“, fragte ein Mann, dessen Stimme klang, als hinge sie noch an der alten Welt.

Das Kind lächelte sanft und antwortete:
„Die Dinge kehren zu dem zurück, was sie immer waren: Bewegung.“

Und tatsächlich: Die Welt begann sich zu entstofflichen. Farben lösten sich von ihren Grenzen, Konturen verschwammen, und selbst die Schatten verloren ihre Bindung an den Boden. Alles wurde reiner Ausdruck, frei von Gewicht, frei von Form.

Der rote Kreis am Himmel wuchs, doch er verbrannte nichts. Er befreite. Jeder, der sich ihm öffnete, spürte, wie das Eigene sich auflöste, nicht im Verlust, sondern in einer tiefen, unerklärlichen Weite.

Der alte Pfahl schließlich zerfiel nicht, er verwandelte sich in Linien aus Licht, die sich wie Gedanken in den Himmel streckten. Und dort, wo einst Materie war, blieb etwas zurück, das sich nicht greifen ließ, aber alles durchdrang:

Bewusstsein.

Die Menschen im Tal verstanden langsam, dass dies kein Ende war. Es war ein Übergang. Ein Erinnern. Ein Loslassen der Illusion, dass etwas fest, getrennt oder endgültig sei.

Und während der Himmel in flammendem Gelb und lebendigem Rot pulsierte, wurde eine Wahrheit spürbar, die lange verborgen gewesen war:

Alles, was Form annimmt, ist nur geliehene Dichte  und alles, was sich auflöst, kehrt heim in die Freiheit des Seins.

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Kalenderblatt
5. April

Auferstehung

Das Kalenderblatt zum 5. April
“Auferstehung”
“Resurrection”
“Resurrección”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild trägt den Titel „Auferstehung“  und genau das geschieht hier nicht laut, nicht triumphierend, sondern leise, kraftvoll und unausweichlich.

Aus einer scheinbar erstarrten, fast rauen Oberfläche aus kühlen Blau- und Grautönen schält sich etwas hervor, das sich dem Stillstand widersetzt. Die Struktur wirkt wie eine verdichtete Welt aus Eis, Stein oder Erinnerung, eine Landschaft der Erstarrung, der Vergangenheit, vielleicht sogar der inneren Dunkelheit. Doch genau in diesem Moment geschieht das Entscheidende: Ein leuchtendes Gelb bricht durch die Schwere.

Dieses Gelb ist kein dekoratives Element. Es ist ein Signal. Ein Aufbruch. Ein inneres Leuchten, das sich seinen Weg bahnt, ungefragt, unaufhaltsam. Es wirkt wie ein Keim, der sich durch festen Boden drängt, wie Licht, das selbst durch dichteste Wolken fällt. Hier wird nichts sanft freigelegt, hier wird durchbrochen, durchlebt, durchstanden.

Die Form selbst bleibt offen, fast fragmentarisch, und genau darin liegt ihre Kraft. Auferstehung ist kein fertiger Zustand, sie ist ein Prozess. Etwas beginnt sich zu zeigen, ohne schon vollständig sichtbar zu sein. Das Gelb wirkt wie eine Geburt aus dem Inneren der Materie selbst, als hätte sich das Leben entschieden, wieder sichtbar zu werden.

Die Dynamik zwischen den Farben erzählt dabei eine tiefe Wahrheit: Ohne die Kälte des Blaus hätte das Gelb keine Strahlkraft. Ohne die Verdichtung keine Entfaltung. Es ist die Spannung zwischen Stillstand und Bewegung, zwischen Verharren und Aufbruch, die dieses Bild trägt.

Und genau darin liegt seine Botschaft: Auferstehung geschieht nicht außerhalb des Dunklen, sie entsteht mitten darin. Sie ist kein plötzlicher Sprung ins Licht, sondern ein langsames, oft unscheinbares Durchbrechen. Ein Moment, in dem sich etwas erinnert: Ich bin noch da. Ich werde wieder.

Dieses Werk ist keine Darstellung, es ist ein Zustand. Ein innerer Wendepunkt, eingefroren in Farbe und Struktur. Und wer lange genug hinsieht, erkennt vielleicht: Das, was hier aufbricht, ist nicht nur Farbe, es ist Leben selbst.

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