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Kalenderblatt
9. April

Die spirituelle Arbeit des Rosenkreuzes nach K.D.

Das Kalenderblatt zum 9. April
“Die spirituelle Arbeit des Rosenkreuzes nach K.D.”
“The spiritual work of the Rosycross according to K.D.”
“El trabajo de la Rosacruz según K.D.”

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

In einer Nacht, in der der Himmel selbst zu atmen schien, hing ein großes, leuchtendes Rund am Firmament, weder ganz Sonne noch ganz Mond, sondern etwas Drittes, etwas Ursprüngliches, das nur jene erkennen konnten, die den Mut hatten, nach innen zu schauen.

Unter diesem Licht wanderte ein stiller Suchender, der sein Leben lang nach einem Zeichen gesucht hatte. Nicht nach einem lauten Wunder, sondern nach jener feinen Wahrheit, die sich nur im Verborgenen offenbart. Er hatte Bücher gelesen, Lehrer gehört, Wege beschritten, doch immer blieb ein Rest von Unruhe, ein leiser Schatten in seinem Inneren.

Als er nun innehielt und in das leuchtende Rund blickte, begann sich etwas zu verändern. Die Wolken um ihn herum wirkten plötzlich nicht mehr chaotisch, sondern wie ein lebendiges Gewebe aus Bewegung und Bewusstsein. Das Licht schien nicht von außen zu kommen, es antwortete ihm.

„Was suchst du?“, flüsterte eine Stimme, die nicht zu hören, sondern nur zu empfinden war.

Der Suchende wollte antworten, doch seine Worte zerfielen, bevor sie seine Lippen erreichten. Denn plötzlich verstand er: Seine Suche war selbst das Hindernis gewesen. Sein Drängen hatte den Zugang verschlossen.

Das Licht wurde ruhiger, tiefer, und in seinem Inneren entstand eine Stille, die nicht leer, sondern erfüllt war. In dieser Stille begann sich etwas zu entfalten, kein Gedanke, kein Bild, sondern ein Erkennen ohne Worte.

Er sah, dass alles, was ihn umgab, die Schatten, die Farben, das Fließende, Teil eines großen Werkes war. Kein Zufall, kein Chaos, sondern ein Prozess: die spirituelle Arbeit, die das Grobe veredelt, das Getrennte verbindet und das Verborgene zum Leuchten bringt.

Und da begriff er, was das Rosenkreuz wirklich bedeutet: Es ist kein Symbol, das man betrachtet, sondern ein Weg, den man wird. Ein inneres Kreuz, an dem sich das Menschliche und das Göttliche begegnen, nicht im Kampf, sondern in Verwandlung.

Das leuchtende Rund begann sich langsam aufzulösen, doch nicht, weil es verschwand, sondern weil es sich in ihm selbst fortsetzte. Der Suchende stand nun nicht mehr unter dem Licht. Er war Teil davon geworden.

Und als er weiterging, war sein Schritt derselbe, doch seine Wahrnehmung war eine andere. Denn von diesem Moment an wusste er: Die wahre Arbeit geschieht nicht im Außen, sondern in der stillen Alchemie des eigenen Herzens.

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Kalenderblatt
9. April

Lieber eine Lampe vor dem Fuss, als ein Hahn auf dem Kopf

Kalenderblatt vom 9. April
“Lieber eine Lampe vor dem Fuß, als ein Hahn auf dem Kopf”
“Preferably a lamp in front of the foot than a cock upon the head”
“Mejor una lámpara antes del pie que uno gallo encima la cabeza”

Acryl, Acrylpaste,Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Zwischen den graublauen Schleiern einer Welt, die weder ganz Nacht noch schon Morgen war, lebte einst ein Wanderer, der nie wusste, wohin sein nächster Schritt ihn führen würde. Die Erde unter seinen Füßen war rau wie aufgewühlter Sand, und der Himmel über ihm schwieg in schweren, dunklen Farben. Und doch trug er auf seiner Stirn etwas, das ihn von allen anderen unterschied: einen leuchtend roten Hahn, der stolz und unübersehbar auf seinem Kopf thronte.

Dieser Hahn krähte nicht zur Morgendämmerung. Nein, er krähte dann, wenn es dem Wanderer am wenigsten half. Mitten in der Nacht, in der tiefsten Unsicherheit, riss sein Ruf die Stille auf wie ein greller Blitz, und der Wanderer erschrak jedes Mal aufs Neue. Die Menschen, denen er begegnete, lachten über ihn oder fürchteten ihn. „Was nützt dir ein Hahn auf dem Kopf“, sagten sie, „wenn du doch nicht siehst, wohin du gehst?“

Doch der Wanderer wusste es nicht besser. Er glaubte lange Zeit, dass Sichtbarkeit wichtiger sei als Klarheit, dass Auffallen wichtiger sei als Verstehen. Und so trug er den Hahn weiter, Schritt für Schritt, durch das diffuse Grau seiner Welt.

Eines Tages jedoch, als die Dunkelheit besonders dicht war und der Boden unter ihm zu zerbrechen schien, stolperte er. Der Hahn krähte laut, schrill und sinnlos, doch diesmal half es ihm nicht. Er fiel. Und während er fiel, geschah etwas Merkwürdiges: Der Hahn verlor seinen Halt, flatterte auf und verschwand in den Schatten.

Zum ersten Mal war es still.

Der Wanderer lag am Boden, erschöpft, verloren und plötzlich bemerkte er etwas, das er all die Zeit übersehen hatte. Direkt vor seinem Fuß, kaum sichtbar im Staub, lag eine kleine Lampe. Unscheinbar, fast vergessen. Er hob sie auf, zögernd, als hätte er Angst, dass auch sie ihn enttäuschen könnte.

Doch als er sie entzündete, geschah etwas Wunderbares.

Kein grelles Licht, kein aufdringlicher Schein, sondern ein sanftes, warmes Leuchten, das genau den nächsten Schritt sichtbar machte. Nicht mehr. Nicht weniger. Und plötzlich verstand der Wanderer etwas, das ihm all die Jahre verborgen geblieben war: Er musste nicht den ganzen Weg sehen. Es genügte, den nächsten Schritt zu erkennen.

Langsam stand er auf. Die Welt um ihn blieb rau, blieb ungewiss, blieb grau und tief. Doch mit jedem Schritt, den er ging, begleitete ihn das Licht der kleinen Lampe. Und mit jedem Schritt wurde sein Herz ruhiger.

Die Menschen, denen er nun begegnete, sahen keinen Hahn mehr. Sie sahen auch keinen großen Glanz. Aber sie spürten etwas anderes, eine stille Sicherheit, eine leise Gewissheit, die nicht laut sein musste, um wahr zu sein.

Und so erzählte man sich später von ihm nicht als dem Mann mit dem Hahn auf dem Kopf, sondern als dem, der gelernt hatte, dass ein kleines Licht vor den Füßen mehr wert ist als jeder laute Ruf über den Köpfen.

Denn wer den nächsten Schritt sieht, findet den Weg.
Und wer den Weg findet, braucht keinen Hahn mehr, um gehört zu werden.

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