
Kalenderblatt vom 7. November
„Krisen nehmen den Menschen gefangen. Trotzdem steckt in ihm die Chance zur absoluten Freiheit“
„Crisis capture man. Anyway he has inside himself the chance of absolute freedom.“
„Crisis cautivan a el hombre. Todavía el tiene dentro se la oportunidad de la libertad absoluta.“
Acryl, Acrylpaste, Asche von Räucherwerk auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Kräfte prallen aufeinander, Strukturen brechen auf, Vertrautes verliert seine Gestalt. Dunkle Verwerfungen, glühende Farben und Spuren von Asche verdichten sich zu einem Raum voller Unruhe und Bedrängnis.
Und doch behauptet sich inmitten dieses Geschehens eine lichte, nahezu kreisrunde Form. Sie scheint weder Teil des Chaos zu sein noch von ihm berührt zu werden. Als wäre hier etwas gegenwärtig, das einer anderen Ordnung angehört.
Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis menschlicher Freiheit.
Der Mensch ist eingebunden in die Verhältnisse seiner Welt. Er erlebt ihre Widersprüche, ihre Krisen und ihre Begrenzungen. Er kann sich ihnen nicht einfach entziehen. Doch möglicherweise trägt er in seinem Innersten etwas, das über diese Gebundenheit hinausreicht.
Die beiden roten Impulse durchbrechen die bewegte Bildfläche. Sie setzen Zeichen einer Entscheidung, einer Richtungsänderung. Noch ist kein Weg erkennbar, aber die Möglichkeit eines Aufbruchs wird sichtbar.
Das helle Zentrum verspricht keine Rettung vor den Stürmen des Lebens. Es verweist vielmehr auf einen Ursprung, der von ihnen unabhängig ist.
Absolute Freiheit wäre dann nicht die grenzenlose Verwirklichung des eigenen Willens, sondern die Befreiung von dem, was den Menschen im Innersten gefangen hält.
Nicht die Krise selbst bringt diese Freiheit hervor. Aber sie kann den Menschen an jenen Punkt führen, an dem er beginnt, nach ihr zu fragen.