
Kalenderblatt vom 2. November
„Wo sind all die Seelen?“
„Where are all the souls?“
„¿Dónde estan todos los almas?“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Die Oberfläche scheint ein Gedächtnis zu besitzen. Schicht um Schicht haben sich Spuren eingeschrieben, haben sich verdichtet, überlagert und wieder aufgelöst. Was bleibt, ist eine Landschaft des Vergangenen, in der nichts wirklich vergangen zu sein scheint.
Zwischen den dunklen Verwerfungen und den aufgebrochenen Strukturen erscheinen Zeichen. Zwei rote Linien durchschneiden den Raum, als wollten sie eine Ordnung herstellen, wo längst keine mehr zu erkennen ist. Dazwischen ein goldgelber Aufbruch, eine Bewegung, die sich dem Stillstand widersetzt.
Ist es ein letzter Widerstand gegen das Verschwinden? Oder kündigt sich hier bereits etwas Neues an?
Wo sind all die Seelen?
Vielleicht sind sie nicht fort. Vielleicht haben sie lediglich ihre Gestalt verloren. Sind eingegangen in die Materie, in die Schichten der Zeit, in das unsichtbare Gedächtnis allen Lebens.
Was wir als Zerfall wahrnehmen, könnte ebenso eine Verwandlung sein. Was uns als Ende erscheint, vielleicht nur der Augenblick, in dem sich das Leben unserer gewohnten Wahrnehmung entzieht.
Das Bild lässt die Frage offen. Es führt uns an jene Grenze, an der die sichtbare Welt ihre Selbstverständlichkeit verliert und eine andere Wirklichkeit zu ahnen beginnt.