
Das Kalenderblatt zum 25. Oktober
„Emergenz – Form aus dem Ungeformten“
„Emergence – Form from the Formless“
„Emergencia – Forma desde lo sin forma“
Aquarell auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm
Aus einem grenzenlos erscheinenden Raum von Licht und Farbe erhebt sich eine Insel. Ihre dunklen, beinahe kristallinen Formen verdichten sich über einem Meer aus Nebel und fließenden Farbschichten. Darüber schwebt ein rotglühender Himmelskörper, rätselhaft in seiner Gegenwart. Ist er Ursprung, Zeuge oder Ausdruck jener Kraft, die das Neue hervorbringt?
Das Aquarell zeigt keine Landschaft im herkömmlichen Sinne. Es lässt vielmehr einen Augenblick des Werdens sichtbar werden. Etwas beginnt sich aus dem Unbestimmten zu lösen, gewinnt Kontur und tritt als eigenständige Wirklichkeit hervor. Dabei bleibt seine Herkunft verborgen. Die Formen scheinen weder vollständig materiell noch gänzlich immateriell zu sein. Sie befinden sich in einem Zustand des Übergangs.
Emergenz bezeichnet das Hervortreten von etwas Neuem, das sich nicht allein aus seinen einzelnen Voraussetzungen erklären lässt. Übertragen auf das menschliche Bewusstsein ist es jener schöpferische Augenblick, in dem aus Erfahrungen, Empfindungen und zunächst unverbundenen Eindrücken eine neue Erkenntnis entsteht. Etwas wird gegenwärtig, das zuvor noch nicht als eigenständige Wirklichkeit erfahrbar war.
So erzählt das Bild von einem Geschehen, das sich sowohl im Kosmos als auch im Inneren des Menschen vollziehen kann. Aus dem Zusammenspiel vorhandener Kräfte entsteht eine neue Ordnung, eine neue Qualität des Seins.
Die Insel bleibt dabei ein Sinnbild des noch Unbekannten. Sie ist sichtbar geworden, ohne ihr Geheimnis preiszugeben. Vielleicht liegt gerade darin das Wesen der Emergenz: Das Neue erscheint, bevor wir es vollständig begreifen können.