
Kalenderblatt vom 12. Oktober
„Bleierner Abend auf Elba“
„Leaden evening on Elba“
„Tarde plomiza a la isla Elba“
Acryl, Acrylpaste, Glitter, Ölpastell auf Aquarellpapier ca. 21 x 15 cm
Die Sonne ist rot. Nicht weil sie untergeht, sondern weil das Rot seinen Platz behauptet. Es braucht keine Erklärung. Es genügt, dass es da ist.
Darunter ein Stück Erde, das sich vom Horizont gelöst hat. Eine Insel vielleicht. Ein dunkler, violetter Widerstand gegen die Weite des Blaus. Die Formen berühren sich nicht, und doch halten sie einander im Gleichgewicht.
Das Gelb drängt gegen das Blau, das Rot gegen das Gelb. Jede Farbe besitzt ihr eigenes Gewicht, ihre eigene Stille. Nichts ist zufällig, auch wenn alles aus der Bewegung entstanden scheint.
Die Landschaft ist nicht mehr das, was das Auge sieht. Sie ist das, was von ihr bleibt, wenn alles Unwesentliche verschwunden ist.
Es gibt keine Ferne und keine Nähe. Nur Flächen, die miteinander ringen, und einen Raum, der sich zwischen ihnen öffnet.
Man malt nicht die Sonne. Man malt das Rot, bis es zur Sonne wird. Man malt nicht die Insel. Man gibt der Farbe so viel Gewicht, dass sie zu Erde wird.
Und vielleicht ist das der Augenblick, in dem die Malerei beginnt: wenn die Dinge aufhören, sich selbst zu erklären, und die Farbe ihre eigene Wahrheit findet.