Kalenderblatt
9. Oktober

Wo ist die Frequenz der Einheit?

Kalenderblatt vom 9. Oktober

„Wo ist die Frequenz der Einheit?“
„Where is the frequency of the unitiy?
„Donde esta la frecuencia de la unidad?“

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca.15 x 21 cm

Eine scharf geführte Linie durchzieht das Bild. Sie trennt und verbindet zugleich. Unter ihr verdichten sich Rot, Schwarz, Ocker und dunkles Blau zu einer schweren, fast erdigen Zone. Darüber brechen Gelb, Gold und Blau auf, als würde Licht nicht einfach erscheinen, sondern sich seinen Weg durch Widerstand bahnen.

Doch die Grenze bleibt bestehen.

Vielleicht liegt genau darin die Spannung dieses Bildes. Einheit zeigt sich hier nicht als harmonischer Zustand. Sie muss gegen Trennung, Verdichtung und Widerstand gedacht werden.

Die Oberfläche trägt Spuren dieses Geschehens. Acrylpaste bildet Erhebungen und Brüche, Farbschichten überlagern und verletzen einander, Glitter fängt Licht nur punktuell ein. Nichts fügt sich vollständig. Selbst das Leuchten bleibt fragmentarisch.

Die Frage des Titels richtet sich deshalb weniger auf einen Ort als auf einen Zustand:

Wo ist die Frequenz der Einheit?

Im Licht?
In der Dunkelheit?
In der Linie zwischen beiden?

Oder entsteht sie erst dort, wo Gegensätze aufhören, einander auszuschließen?

Das Bild gibt darauf keine eindeutige Antwort. Es hält den Augenblick fest, in dem Trennung noch sichtbar ist und Verbindung bereits möglich wird. Die diagonale Bewegung erscheint dabei wie eine Schwelle, vielleicht auch wie ein Riss im Gewohnten.

Über ihr öffnet sich ein heller Raum. Unter ihr glüht die Materie.

Beides gehört zum selben Bild.

Vielleicht ist das die eigentliche Spur der Einheit: nicht die Auflösung der Gegensätze, sondern die Erkenntnis, dass Licht und Dunkel, Ruhe und Bewegung, Materie und Bewusstsein innerhalb eines größeren Zusammenhangs existieren.

So wird „Wo ist die Frequenz der Einheit?“ nicht zur Behauptung, sondern zur Einladung zur Wahrnehmung.

Die Antwort liegt nicht auf der Oberfläche.

Sie beginnt im Sehen.

Das halte ich für wesentlich näher an deiner heutigen künstlerischen Position: weniger esoterische Erklärung, mehr Bild, mehr Material, mehr Spannung und mehr Raum für den Betrachter. Und interessanterweise wird dadurch die spirituelle Dimension nicht schwächer, sondern glaubwürdiger.

Teile diesen Beitrag