
Das Kalenderblatt zum 25. September
Codex Lucis Invisibilis – Hymnus Originis
Codex des unsichtbaren Lichts – Hymnus des Ursprungs
Codex of Invisible Light – Hymn of Origin
Códice de la Luz Invisible – Himno del Origen
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Aus einer dunklen, fast verschlossenen Bildwelt dringt Licht hervor. Nicht als klare Quelle, nicht als Sonne oder Flamme, sondern als etwas, das sich erst im Werden befindet. Gelb, Rot und Gold brechen durch schwarze, graue und weißliche Schichten, verschwinden wieder unter ihnen und tauchen an anderer Stelle erneut auf.
Die Oberfläche wirkt wie eine beschädigte, vielfach überschriebene Tafel. Linien, Kratzspuren, Verdichtungen und Überlagerungen erinnern an Schrift, ohne lesbar zu werden. Als hätte sich eine Botschaft in die Materie eingeschrieben, deren Sprache verloren gegangen ist.
Darin liegt der Gedanke des Codex Lucis Invisibilis: Das Licht dieses Bildes ist nicht einfach das Helle. Es scheint vielmehr unter den Schichten zu existieren, verborgen, verschüttet und dennoch gegenwärtig. Sichtbar werden nur Spuren davon.
Besonders die glühenden Rot- und Goldzonen entwickeln eine eigentümliche Spannung. Sie könnten Feuer sein, Erinnerung, Wunde oder Aufbruch. Doch das Bild legt sich nicht fest. Es bewahrt sein Geheimnis. Gerade deshalb entsteht der Eindruck eines Geschehens, das älter ist als jede persönliche Geschichte und zugleich unmittelbar in die Gegenwart hineinwirkt.
Der zweite Teil des Titels, Hymnus Originis, führt noch tiefer. Der „Hymnus des Ursprungs“ bezeichnet keinen historischen Anfang. Gemeint ist vielmehr jener kaum fassbare Augenblick, in dem aus dem Ungeformten etwas hervortritt: Licht aus Dunkelheit, Gestalt aus Materie, Bewusstsein aus dem noch Namenlosen.
So wird das kleine Format zu einem überraschend weiten Raum. Das Auge wandert durch Schichten, stößt auf Widerstände, verliert Orientierung und findet plötzlich eine leuchtende Spur. Der Ursprung erscheint dabei nicht als etwas Vergangenes. Er geschieht im Bild immer wieder neu.
Vielleicht liegt genau darin seine spirituelle Dimension: Das Unsichtbare muss nicht sichtbar gemacht werden, um gegenwärtig zu sein. Manchmal genügt eine Spur, ein Riss, eine Glut unter der Oberfläche.
Das Bild entschlüsselt den Codex nicht.
Es erinnert daran, dass es ihn gibt.