
Das Kalenderblatt zum 15. September
„Wenn die Berge träumen“
„When the Mountains Dream“
„Cuando sueñan las montañas“
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Eine Landschaft erscheint, doch sie scheint nicht ganz dieser Wirklichkeit anzugehören.
Berge steigen aus Farbschichten hervor, verlieren ihre Konturen und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Manche stehen schwer und dunkel am unteren Bildrand, andere scheinen sich vom Boden gelöst zu haben. Rot, Violett und Blau wandern durch einen hellen, goldockerfarbenen Raum. Nähe und Ferne geraten durcheinander.
Die raue Struktur der Acrylpaste gibt der Landschaft etwas Körperliches. Gleichzeitig widersetzt sich das Bild jeder eindeutigen Räumlichkeit. Die Berge sind keine Beschreibung eines bestimmten Ortes. Sie erscheinen eher wie Fragmente einer Erinnerung, die sich im Moment des Betrachtens neu zusammensetzen.
Vielleicht beginnt hier der Traum.
Was fest und unverrückbar scheint, wird leicht. Formen lösen sich aus ihrer Ordnung. Ein Berg kann schweben, eine Ferne kann plötzlich ganz nah sein, und aus einer Landschaft kann ein innerer Raum entstehen.
„Wenn die Berge träumen“ bewegt sich an der Grenze zwischen Gesehenem und Vorgestelltem. Das Bild erzählt nicht, wovon diese Berge träumen. Es lässt diese Frage bewusst offen.
Vielleicht träumen sie vom Fliegen.
Vielleicht vom Verschwinden.
Vielleicht von einer Welt, in der selbst das Unbewegliche seine Gestalt verändern darf.
Und vielleicht sind es am Ende gar nicht die Berge, die träumen.
Vielleicht sind wir es.