Kalenderblatt
14. September

Kalenderblatt 14. September


Das Kalenderblatt zum 14. September

„Geheimnis der versunkenen Farben“
“Secret of the Hidden Colors”
“El secreto de los colores ocultos”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Farben erscheinen, verschwinden und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Gelb, Rot und Grün liegen wie Fragmente in einem bewegten Raum aus Blau, Weiß und dunklen Spuren. Nichts fügt sich vollständig zu einer erkennbaren Landschaft, und doch entsteht die Ahnung eines Ortes.

Die Oberfläche scheint weniger gemalt als freigelegt. Schichten überlagern sich, werden durchbrochen, verwischt und teilweise wieder sichtbar. Die Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck: Farbe wird zu Materie, zu Ablagerung und Spur.

Besonders das Blau besitzt eine eigentümliche Doppelrolle. Es schafft Tiefe und scheint gleichzeitig etwas zu verdecken. Dagegen behaupten sich die leuchtenden gelben und roten Bereiche. Sie wirken wie Erinnerungen, deren Zusammenhang verloren gegangen ist, deren Intensität aber geblieben ist.

Vielleicht sehen wir eine Landschaft. Vielleicht eine verwitterte Oberfläche. Vielleicht etwas, das einmal deutlich sichtbar war und im Laufe der Zeit unter anderen Schichten verschwunden ist.

Das Bild entscheidet diese Frage nicht.

Gerade darin liegt sein Geheimnis.

Sind die Farben tatsächlich versunken oder liegt nur etwas über ihnen?

Was verborgen erscheint, ist nicht zwangsläufig verloren. Es kann weiterwirken, unterhalb dessen, was im Augenblick sichtbar ist. Manchmal genügt eine kleine Öffnung, ein Riss, eine Verschiebung der Wahrnehmung, und etwas längst Verschüttetes tritt wieder hervor.

So wird das Bild zu einer Erfahrung des Sehens: Je länger der Blick verweilt, desto weniger eindeutig wird das zunächst Wahrgenommene. Formen entstehen und lösen sich wieder auf. Nähe wird zu Tiefe, Oberfläche zu Raum.

Das Geheimnis der versunkenen Farben besteht vielleicht gerade darin, dass sie niemals wirklich verschwunden waren.

Und damit richtet das Werk keine fertige Botschaft an den Betrachter. Es überlässt ihm etwas viel Wertvolleres: den Raum für seine eigene Entdeckung.

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