
Das Kalenderblatt zum 25. Juli
„Sturm vor Polychrono“
„Storm near Polychrono“
„Tormenta en Polychrono“
Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
„Sturm vor Polychrono“ ist kein Bild über schlechtes Wetter. Es ist ein Bild über den Augenblick kurz bevor sich alles verändert. Die meisten Menschen fürchten diesen Moment. Nicht den Sturm selbst, sondern das Warten auf ihn. Der Mensch verbringt erstaunlich viel Energie damit, Katastrophen vorauszuahnen, als hätte das Universum einen festen Terminplan für Dramen.
Der Himmel spannt sich in dichten violetten Schichten über das Meer. Er wirkt schwer, fast elektrisch aufgeladen. Das Licht hat sich zurückgezogen und überlässt der Dunkelheit langsam die Bühne. Doch genau darin liegt seine Kraft: Der Sturm beginnt nicht mit Wind. Er beginnt mit einer Veränderung des Lichts. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Welt bereits eine andere geworden ist, lange bevor der erste Tropfen fällt.
Im Vordergrund stehen zwei Sonnenschirme. Sie wirken beinahe wie zwei Menschen, die schweigend auf das Meer blicken. Der größere scheint sich dem Himmel entgegenzustellen, der kleinere verharrt ruhig daneben. Keiner flieht. Keiner kämpft. Beide akzeptieren den Augenblick. Vielleicht erzählen sie von zwei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen: mit Widerstand oder mit Vertrauen.
Das Meer selbst bleibt erstaunlich ruhig. Seine silbrige Oberfläche trägt noch immer das Licht des Tages in sich, als wolle sie sagen, dass selbst über einem bedrohlichen Himmel das Licht nicht verschwindet, sondern lediglich seine Gestalt verändert. Gerade dieser Gegensatz zwischen der stillen Wasserfläche und den dunklen Wolken verleiht dem Bild seine eigentliche Spannung. Nicht das Chaos dominiert, sondern die Gelassenheit vor dem Chaos.
Polychrono liegt irgendwo hinter diesem Horizont. Unsichtbar und dennoch gegenwärtig. Es wird zum Sinnbild für jene Orte in unserem Leben, die wir erreichen möchten, obwohl wir wissen, dass der Weg dorthin nicht immer unter blauem Himmel verläuft. Jede Reise verlangt den Mut, auch durch aufziehende Dunkelheit zu gehen.
So erzählt dieses Bild letztlich nicht von Wetter, sondern von Vertrauen. Von jener seltenen Fähigkeit, im drohenden Sturm nicht nur Gefahr zu erkennen, sondern auch die Möglichkeit einer Reinigung, eines Neubeginns und einer unerwarteten Klarheit. Denn oft schenkt uns gerade der Sturm den Horizont, den wir zuvor hinter der blendenden Sonne niemals hätten sehen können.