Kalenderblatt
29. Mai

Pucha Struktur

Kalenderblatt vom 29. Mai
“Pucha Struktur” Das 1000. Morgenbild
“Pucha structur” The 1000th morning picture
“Pucha estructura” La pintura mañanera 1000″

Acryl, Acrylpaste, Pigment, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

In einem abgelegenen Tal, dort, wo der Wind zwischen Felsen sprach und selbst das Licht manchmal innehielt, lebte ein kleines Wesen namens Pucha. Niemand wusste genau, ob Pucha ein Hüter, ein Wanderer oder ein Traum war. Manche sagten, er sei aus den Farben der Erde geboren worden, andere glaubten, er sei aus einem alten Feuer hervorgegangen, das einst tief unter den Bergen brannte.

Pucha war anders als alle Geschöpfe des Tals. Sein Körper trug eine seltsame Struktur aus Gold, Ocker und lebendigem Gelb, als hätte die Sonne selbst ihre Finger über ihn gezogen. Doch unter dieser leuchtenden Hülle lagen dunkle Linien, raue Spuren und brüchige Schichten, wie Erinnerungen an Kämpfe, die nie ganz verschwanden.

Eines Tages zog ein schwerer Nebel über das Tal. Er war nicht grau, sondern dunkelviolett und schwarz, voller flüsternder Schatten. Dieser Nebel nahm den Menschen ihre Klarheit. Sie vergaßen ihre Lieder, verloren ihre Wege und blickten nur noch auf den Boden.

Pucha sah dies und wusste: Nicht jede Dunkelheit wird mit Licht besiegt. Manche Dunkelheit verlangt Struktur. Ordnung. Mut.

Also wanderte Pucha zum Berg der zerbrochenen Stimmen. Dort wuchs eine uralte Pflanze, deren Wurzeln tief bis in das Gedächtnis der Erde reichten. Mit seinen leuchtenden Armen begann Pucha, die Stängel dieser Pflanze zu biegen, zu ordnen und zu verweben. Aus jedem Zweig entstand eine neue Form, krumm, stark, lebendig. Keine gerade Linie, keine starre Perfektion. Sondern ein Muster aus Chaos und Vertrauen.

Als der Nebel das Tal verschlingen wollte, stellte sich Pucha ihm entgegen. Sein Körper begann zu glühen. Das Gold in seinem Inneren öffnete sich wie ein verborgenes Herz. Aus seiner Mitte brach ein Kreis aus Licht hervor, roh, unvollkommen und doch mächtig.

Der Nebel wich nicht sofort. Er tobte, riss und zerrte. Doch Pucha blieb stehen.

Denn er verstand etwas, das selbst die Ältesten vergessen hatten: Wahre Stärke ist nicht Starrheit. Wahre Stärke ist die Fähigkeit, aus Bruchstücken eine neue Ordnung zu erschaffen.

Stundenlang kämpfte er nicht mit Waffen, sondern mit Geduld. Mit jeder Bewegung legte er neue Linien in die Luft, als würde er ein unsichtbares Gewebe über das Tal spannen. Langsam begann der Nebel zu reißen. Erst ein kleiner Spalt. Dann ein Streifen Licht. Schließlich brach der Morgen durch.

Als die Menschen ihre Augen hoben, sahen sie keinen Helden aus Stein. Sie sahen Pucha, verwundet, still und voller Farbe. Seine Struktur war nicht makellos. Sie war rau, gebrochen und doch wunderschön.

Seit diesem Tag nannten sie ihn „Pucha Struktur“, den Hüter jener Wahrheit, dass aus innerem Chaos Schönheit wachsen kann und dass selbst eine zerrissene Seele neue Formen erschaffen darf.

Und wenn in stillen Nächten der Wind über die Berge zieht, glauben manche noch heute, seine goldenen Linien im Dunkel leuchten zu sehen, ein stilles Zeichen dafür, dass Ordnung nicht das Ende des Chaos ist, sondern dessen Verwandlung.

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