
Kalenderblatt vom 20. April
“Was will das zitronengelbe Dreieck hier?”
“What does the citreus triangle in this area?'”
“Que hace el triángulo citrino aquí?”
Tusche, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten, ca. 15 x 21 cm
In einer Welt aus fließenden Grautönen, aus Verläufen zwischen Ungewissheit und Ahnung, liegt dieses Bild wie ein innerer Seelenzustand offen vor uns. Die schwarzen Flecken wirken wie Verdichtungen von Erfahrung, wie Erinnerungen, die sich nicht mehr auflösen lassen – schwer, präsent, fast körperlich. Sie schweben im Raum, ohne klare Ordnung, und erzeugen ein Gefühl von Suchbewegung, von einem Dasein, das sich selbst noch nicht vollständig begriffen hat.
Und dann, fast wie ein Eingriff von außen, erscheint es: das zitronengelbe Dreieck.
Es ist kein Zufall. Es ist kein dekoratives Element. Es ist ein Störsignal.
Dieses Dreieck durchbricht die weiche, organische Struktur der Tuschelandschaft mit einer radikalen Klarheit. Seine Farbe ist nicht nur hell, sie ist wach, fast unangenehm wach. Es ist das Bewusstsein selbst, das sich plötzlich in eine diffuse Realität einschreibt. Ein scharfkantiger Gedanke inmitten von Nebel. Eine Entscheidung, die sich nicht länger aufschieben lässt.
Die Frage „Was will das zitronengelbe Dreieck hier?“ ist deshalb keine rhetorische, sie ist die zentrale Spannung des Bildes. Denn dieses Dreieck will etwas. Es fordert. Es drängt. Es insistiert.
Es könnte ein Hinweis sein, ein Marker, der sagt: Hier. Genau hier musst du hinsehen.
Es könnte ein Bruch sein, der Moment, in dem das Unbewusste nicht länger im Schatten bleiben darf.
Oder es ist ein Keil, der sich in die vertraute Struktur schiebt, um sie aufzubrechen.
Während die dunklen Formen für das stehen, was sich gesammelt hat, Vergangenheit, Emotion, vielleicht auch Verdrängung, ist das Dreieck die Zukunft in ihrer reinsten Form: noch nicht ausgefüllt, noch nicht weichgezeichnet, sondern klar, spitz und unausweichlich.
Gerade weil es nicht integriert ist, wirkt es so kraftvoll. Es gehört nicht dazu und genau deshalb verändert es alles.
Das Bild erzählt somit von einem inneren Moment, den jeder kennt: dem Augenblick, in dem etwas Fremdes, eine Idee, eine Erkenntnis, eine Wahrheit, in unser gewohntes Denken eindringt und sich nicht mehr ignorieren lässt. Ein Moment, der irritiert, aber auch transformiert.
Das zitronengelbe Dreieck ist kein Fremdkörper. Es ist der Beginn von Bewusstsein.