
Das Kalenderblatt zum 12. März
“Kommt die Sonne durch?”
“Will the Sun Break Through?”
“¿Saldrá el sol?”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Dieses Bild trägt eine Frage in sich, die weit über das Sichtbare hinausweist: „Kommt die Sonne durch?“. Schon beim ersten Blick spürt man eine Spannung zwischen Verdichtung und Aufbruch, zwischen Dunkelheit und dem unaufhaltsamen Drang des Lichts. Die Oberfläche wirkt bewegt, fast aufgewühlt, als hätte sich hier ein innerer Kosmos materialisiert. Schichten aus Acryl und Acrylpaste formen eine reliefartige Landschaft, in der Farben, Strukturen und Energien miteinander ringen.
Dominierend sind erdige, glühende Töne: Ocker, Rostrot, Braun und Gold. Sie erinnern an die Tiefe der Erde, an mineralische Prozesse, an das Werden und Wandeln der Materie. Diese Farbwelt wirkt zunächst schwer, beinahe undurchdringlich. Doch mitten in dieser dichten Struktur beginnt etwas zu leuchten. Ein helles Zentrum bricht auf, ein vibrierender Kern aus Gelb und Weiß, der sich wie ein erstes Morgenlicht durch die Schichten kämpft. Es ist kein ruhiges, gleichmäßiges Licht, sondern eines, das sich seinen Weg bahnt, das tastet, bricht und strahlt.
Links unten erscheint eine kreisförmige Form, ein farbgesättigter, planetarischer Körper, durchzogen von Blau, Rot und Gelb. Dieser Kreis wirkt wie eine kleine Welt im Werden, wie ein Same kosmischer Energie. Er steht im Dialog mit dem hellen Zentrum darüber, als würde hier eine Geburt stattfinden: die Geburt von Licht aus der Tiefe der Materie.
Die Bewegung im Bild ist überall spürbar. Linien, Spuren und Strukturen verlaufen nicht ruhig oder linear, sondern wirbeln, kreuzen und überlagern sich. Dadurch entsteht der Eindruck eines lebendigen Prozesses. Nichts ist statisch. Alles scheint sich im Übergang zu befinden. Genau darin liegt die Kraft dieses Werkes: Es zeigt keinen Zustand, es zeigt einen Moment der Verwandlung.
Der Titel wird dadurch zu einer existenziellen Frage. „Kommt die Sonne durch?“ ist nicht nur eine meteorologische Beobachtung. Es ist die Frage nach Hoffnung, nach innerem Licht, nach dem Durchbruch von Klarheit durch die dichten Schichten von Erfahrung, Zweifel oder Chaos. Das Bild antwortet darauf nicht mit einem einfachen Ja oder Nein. Stattdessen zeigt es den Prozess selbst: das Ringen des Lichts mit der Verdichtung der Welt.
Gerade in der Materialität der Acrylpaste wird diese Spannung sichtbar. Die Oberfläche wirkt fast geologisch, als hätten sich hier Zeit, Druck und Energie eingeschrieben. Doch genau aus dieser Verdichtung heraus entsteht das Leuchten. Das Licht kommt nicht von außen, es wächst aus dem Inneren des Bildraumes selbst.
So entfaltet sich vor dem Betrachter eine poetische Metapher: Auch in den dichtesten, chaotischsten Momenten arbeitet das Licht bereits im Verborgenen. Es sucht seinen Weg, tastet sich voran, sammelt Kraft, bis es schließlich durchbricht.
Dieses Werk ist daher mehr als eine abstrakte Komposition. Es ist ein Bild über Hoffnung, Transformation und das unaufhaltsame Auftauchen von Bewusstsein. Die Sonne ist vielleicht noch nicht ganz da, doch alles im Bild kündigt an, dass ihr Durchbruch bereits begonnen hat.