Bilder

Kalenderblatt
14. März

Die kühle Ruhe der Vorsaison

Das Kalenderblatt zum 14. März
“Die kühle Ruhe der Vorsaison”
“The chilly silence of the early season”
“La tranquilidad fresca de la temporada baja”

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Es war einer dieser Morgen, an denen die Welt noch nicht entschieden hatte, was sie sein wollte.
Der Himmel hing in einem stillen Blau über dem Meer, als hätte jemand einen Atemzug angehalten. Keine Stimmen, keine Schritte im Sand. Nur die sanfte Bewegung des Wassers, das leise an den Strand kam und wieder zurückging, wie ein uralter Rhythmus.

Mara stand am Rand des Wassers.
Sie war früh aufgewacht, ohne zu wissen warum. Etwas hatte sie hinausgerufen, noch bevor der Tag wirklich begonnen hatte. Nun stand sie hier und sah hinaus in die Weite, dorthin, wo Meer und Himmel sich berührten.

In der Ferne lag ein heller Streifen auf dem Wasser, fast wie ein verborgenes Tor aus Licht.

Mara spürte, wie sich in ihr etwas löste.

In den letzten Monaten war ihr Leben laut gewesen, voller Gedanken, Entscheidungen, Erwartungen. Doch hier, in dieser kühlen Ruhe der Vorsaison, schien alles für einen Moment stillzustehen.

Das Meer sprach.

Nicht mit Worten.
Nicht mit Wellen.

Es sprach mit Stille.

Langsam begann Mara zu verstehen: Diese Weite draußen war dieselbe Weite, die auch in ihr lebte. Sie war nur verschüttet gewesen unter all den Stimmen des Alltags.

Eine kleine Welle lief an den Strand und berührte ihre Füße. Kalt, klar, wach.

In diesem Augenblick fühlte sie etwas, das sie lange nicht gespürt hatte, eine leise Gewissheit.

Dass das Leben nicht immer Antworten geben muss.
Dass es genügt, da zu sein.
Zu hören.
Zu atmen.

Die Vorsaison des Meeres war vielleicht genau das: eine Einladung zur Rückkehr.

Zurück in den eigenen inneren Raum, bevor der Lärm beginnt.
Zurück in jene stille Bucht der Seele, in der das Licht sich sammelt.

Mara lächelte.

Das Meer hatte ihr nichts erklärt.

Aber es hatte sie erinnert.

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Kalenderblatt
14. März

Samstag Morgen, der imaginäre Sonnenuntergang

Das Kalenderblatt zum 14. März
“Samstag Morgen, der imaginäre Sonnenuntergang”
“Saturday Morning, the Imaginary Sunset”
“Sábado por la mañana, la puesta de sol imaginaria”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der Titel trägt eine poetische Spannung in sich, ein scheinbarer Widerspruch, der den Betrachter unmittelbar in einen inneren Raum der Wahrnehmung führt. Morgen und Sonnenuntergang begegnen sich hier nicht als Gegensätze, sondern als zwei Zustände derselben Zeitlosigkeit. Das Bild erzählt von einem Moment, in dem Anfang und Ende ineinander übergehen.

Die Komposition wirkt zunächst klar und ruhig: horizontale Farbbänder strukturieren die Fläche wie Schichten eines inneren Horizonts. Doch innerhalb dieser scheinbaren Ordnung pulsiert Bewegung. Kratzspuren, Überlagerungen und Verdichtungen der Acrylfarbe lassen eine lebendige Textur entstehen, die an Erdschichten, verwitterte Mauern oder die Spuren von Zeit selbst erinnert.

Der dominante Bereich in warmen Orange- und Rotnuancen entfaltet eine starke energetische Präsenz. Diese Zone wirkt wie ein Feld reiner Lebenskraft,  glühend, vibrierend, fast atmend. Darin schwebt die kreisförmige Form der Sonne, leicht nach rechts versetzt. Sie ist nicht einfach ein Himmelskörper, sondern erscheint wie ein Symbol für Bewusstsein, für das innere Zentrum, für die Quelle von Wärme und Erfahrung.

Auffällig ist, dass diese Sonne nicht eindeutig auf oder untergeht. Sie befindet sich auf einer Linie, die zugleich Horizont und Grenze ist. Dadurch entsteht die faszinierende Ambivalenz des Titels: Ist dies ein Sonnenaufgang, der wie ein Sonnenuntergang erscheint,  oder ein Sonnenuntergang, der bereits den Morgen in sich trägt? Das Bild verweigert eine eindeutige Antwort und öffnet damit einen meditativen Raum.

Die unteren dunkleren Schichten – violette und erdige Töne – wirken wie das Gedächtnis der Nacht, aus dem das Licht hervorgegangen ist. Darüber liegt eine helle, fast leuchtende Zone, die an Nebel, Atem oder einen stillen Übergang erinnert. Diese Schicht bildet eine Art Schwelle zwischen Dunkelheit und Glut, zwischen Vergangenheit und Möglichkeit.

Durch die Verwendung von Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten entsteht eine besondere Spannung zwischen Materialität und Leichtigkeit. Die reliefartige Oberfläche hält Spuren des Gestischen fest, während das Papier zugleich eine fragile Offenheit bewahrt. So wirkt das Bild gleichzeitig archaisch und poetisch, erdig und imaginär.

In seiner Essenz erzählt dieses kleine Format von einem universellen Moment: dem Augenblick, in dem wir erkennen, dass jeder Anfang bereits ein Ende enthält und jedes Ende einen neuen Anfang vorbereitet. Der imaginäre Sonnenuntergang am Samstagmorgen wird so zu einem Symbol für Bewusstsein, für das stille Wissen, dass Zeit nicht linear, sondern zyklisch und lebendig ist.

Das Bild lädt den Betrachter nicht nur zum Anschauen ein, sondern zum Innehalten. Es ist ein visuelles Mantra über Übergänge, über das Glühen des Augenblicks und über jene geheimnisvolle Zone, in der Morgen und Abend, Werden und Vergehen, Licht und Erinnerung miteinander verschmelzen.

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