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Kalenderblatt
19. Dezember

Der Tod des Einsiedlers

Kalenderblatt vom 19. Dezember
“Der Tod des Einsiedlers”
“The death of the anchoret”
“La muerte del anacoreta”

Acryl, Acrylpaste, Ölpastell, Glitter auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

„Der Tod des Einsiedlers“ ist kein Bild über das Sterben, es ist ein Bild über das radikale Verschwinden des Getrennten. Was hier stirbt, ist nicht der Körper, sondern die letzte Illusion von Absonderung.

Das alles durchdringende Gelb wirkt zunächst wie Licht, wie Wärme, wie Leben. Doch je länger man schaut, desto klarer wird: Dieses Gelb ist kein freundlicher Tag, sondern eine alles verschlingende Präsenz. Es gibt keinen sicheren Rand, keinen ruhenden Hintergrund. Der Einsiedler ist nicht mehr vor der Welt,  er ist von ihr überholt, überwachsen, zurückgeholt worden. Die schweren Strukturen aus Acrylpaste wirken wie verkrustete Zeit, wie Schichten aus Schweigen, Entbehrung und jahrzehntelanger Innerlichkeit. Linien, die einst vielleicht Wege waren, sind nun verheddert, gebrochen, unlesbar.

Das Weiß des Glitters setzt keinen dekorativen Akzent, es ist das letzte Aufblitzen des Bewusstseins, ein kurzes Aufscheinen an der Schwelle. Kein dramatischer Tod, kein Schrei, kein Pathos. Stattdessen: ein stilles Aufgehen, fast unspektakulär, fast beiläufig. Der Einsiedler wird nicht erlöst – er wird eingezogen. In das Große, das Ununterscheidbare, das schon immer gewartet hat.

Die Spuren von Ölpastell schneiden wie Erinnerungen durch die Oberfläche, fragmentarisch, suchend, ohne Ziel. Sie erzählen von inneren Wegen, von Rückzügen, von der langen Übung des Alleinseins. Doch hier endet diese Übung. Isolation verliert ihre Bedeutung, weil es kein Gegenüber mehr gibt. Das Bild kennt keinen Horizont, keinen Fluchtpunkt. Alles geschieht im selben Raum, zur selben Zeit, im selben Atemzug.

„Der Tod des Einsiedlers“ ist deshalb zutiefst paradox: Je mehr der Einzelne verschwindet, desto totaler wird die Präsenz. Was bleibt, ist keine Leere, sondern eine dichte, vibrierende Ganzheit. Ein Bild über den Moment, in dem Stille nicht mehr Schutz ist, sondern Durchgang. Und über die Erkenntnis, dass man der Welt nicht entkommen kann,  weil man immer schon aus ihr gemacht ist.

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Kalenderblatt
1. November

In der Kammer des Todes

Kalenderblatt vom 1. November
“In der Kammer des Todes”

“In the chamber of the death”
“En la cámera de la muerte”

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der Titel weckt ein leises Frösteln. Schwarz dominiert die Szene, wie ein endloser Raum zwischen Leben und Vergessen. Zwei goldene Quadrate schweben darin, still und unbeirrbar, als wären sie die letzten Funken einer Erinnerung, die nicht ausgelöscht werden will. Ihre metallische Leuchtkraft bricht das Dunkel, als hielten sie die Essenz des Lebens selbst gefangen,  kostbar, zerbrechlich, unsterblich.

Eine rote Linie, scharf und unnachgiebig, durchschneidet das Schweigen. Sie wirkt wie ein Puls, ein letzter Herzschlag, der sich weigert, zu verstummen. Zwischen Schwarz und Gold, zwischen Leben und Tod, zieht sie ihre Grenze, kompromisslos und doch voller Sehnsucht.

Man könnte sagen, hier endet eine Geschichte. Und doch beginnt sie vielleicht erst. In einer fernen Welt, in der Seelen ihren Schatten begegnen, betritt ein Wanderer die Kammer. Der Boden ist kühl, die Luft schwer. Er spürt, wie etwas Unsichtbares ihn mustert, nicht feindlich, aber prüfend. Vor ihm tauchen die beiden goldenen Felder auf, wie Tore, durch die er hindurchsehen, aber nicht treten darf. Zwischen ihnen flackert ein unsichtbares Licht. Der Wanderer begreift: Dies ist kein Ort des Endes, sondern ein Raum der Entscheidung. Die Kammer des Todes ist in Wahrheit die Kammer der Wandlung.

Das Bild erzählt von jenem Augenblick, in dem das Alte stirbt, damit das Neue geboren werden kann. Der Tod ist hier kein Gegner, sondern ein Schwellenhüter. Und wer den Mut hat, ihm ins Auge zu sehen, entdeckt – hinter dem Schwarz, hinter dem Schweigen – das Gold der Erkenntnis.

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