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Kalenderblatt
28. Februar

Der Himmel über Tripolis

Kalenderblatt vom 28. Februar
“Der Himmel über Tripolis”
“The sky over Tripolis”
“El cielo sobre Trípoli”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Der Himmel über Tripolis“ ist kein Landschaftsbild, es ist ein seismografisches Protokoll. Ein Aufzeichnen innerer und äußerer Erschütterungen. Was hier auf 21 x 15 cm geschieht, wirkt wie ein verdichtetes Weltgeschehen, komprimiert in Farbe, Struktur und Geste.

Schon beim ersten Blick schlägt einem eine Explosion aus Gelb entgegen, kein sanftes Sonnenlicht, sondern ein gleißendes, beinahe aggressives Leuchten. Dieses Gelb ist Energie, Hitze, Staub, vielleicht auch Hoffnung. Es frisst sich durch die Komposition, überlagert, durchdringt, setzt Akzente wie aufbrechende Lichtschneisen in einem aufgewühlten Himmel. Es ist das pulsierende Herz des Bildes.

Dem gegenüber stehen die schweren Blau- und Grautöne, kühl, rau, fast metallisch. Sie bilden keinen ruhigen Horizont, sondern ein zerrissenes atmosphärisches Feld, durchzogen von Spuren, Kratzern, Überlagerungen. Die eingesetzte Acrylpaste verleiht dem Werk eine körperliche Präsenz. Hier wird nicht nur gemalt, hier wird geschichtet, aufgetragen, verdrängt. Die Oberfläche selbst wird zum Schlachtfeld. Man spürt Widerstand. Man spürt Geschichte.

Und dann das Rot. Fragmentarisch. Aufbrechend. Wie Erinnerungsfetzen oder Rauchzeichen am oberen Bildrand. Es wirkt nicht dominant, aber entscheidend, als würde sich unter der Oberfläche etwas Unausgesprochenes sammeln. Ein emotionaler Subtext, der das gesamte Werk auflädt.

Die Komposition verweigert jede klare Perspektive. Es gibt keinen sicheren Standpunkt, keinen festen Horizont. Stattdessen erleben wir eine Gleichzeitigkeit von Aufbruch und Zerfall. Die diagonale Linie, fast wie eine Markierung oder Spur, zieht den Blick durch das Geschehen, sie ist Bewegung, vielleicht Flucht, vielleicht Hoffnung. Sie verbindet die Farbräume, ohne sie zu versöhnen.

„Der Himmel über Tripolis“ ist damit mehr als ein geografischer Verweis. Der Titel öffnet einen Assoziationsraum von politischer Spannung, Hitze, Weite, Konflikt, doch das Bild bleibt bewusst abstrakt. Es illustriert nichts. Es behauptet nichts. Es fühlt. Und genau darin liegt seine Kraft.

Dieses Werk wirkt wie ein kondensierter Augenblick zwischen Chaos und Klarheit. Zwischen Zerstörung und Neubeginn. Es fordert den Betrachter nicht auf, zu verstehen, sondern zu spüren. Und wer sich darauf einlässt, erkennt: Hier wurde nicht einfach Farbe bewegt. Hier wurde Atmosphäre verdichtet. Hier wurde ein Himmel erschaffen, der nicht über einer Stadt liegt, sondern über einem inneren Zustand.

Ein kleines Format, aber eine große Wucht.

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Kalenderblatt
21. Dezember

Der Himmel über nirgendwo

Kalenderblatt vom 21. Dezember
“Der Himmel über nirgendwo”
“The sky over nowhere”
“El cielo de ningun lugar”

Acryl, Quarzsand, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Der Himmel über nirgendwo“ ist kein Ort, den man finden kann, es ist ein Zustand, den man betritt. Dieses Bild öffnet keinen Horizont, es entzieht ihn. Und genau darin liegt seine stille Überzeugungskraft.

Das erste, was wirkt, ist die Spannung zwischen Auflösung und Grenze. Oben breitet sich ein lichtdurchlässiger Himmel aus Gelb- und Weißtönen aus, durchzogen von feinen, fast atmenden Übergängen. Er wirkt nicht wie ein Himmel über einer Landschaft, sondern wie ein innerer Raum, ein Schwebezustand zwischen Erwachen und Erinnern. Darunter verdichtet sich das Blau, schwerer, körniger, widerständig. Quarzsand und Acrylpaste verleihen dieser Zone eine körperliche Präsenz, fast so, als müsse man sie ertasten, um sie zu begreifen. Es ist kein ruhiges Blau. Es ist ein gelebtes Blau, voller Brüche, Schichtungen und Widerstände.

Mitten in diesem Feld steht sie: die dünne, schwarze Vertikale. Sie ist weder dominant noch dekorativ. Sie markiert. Sie trennt. Sie verbindet. Wie ein Messstrich im Unendlichen zieht sie eine klare Linie durch das Unbestimmbare. Sie könnte Grenze sein oder Ausrichtung, Erinnerung oder Entscheidung. Gerade weil sie sich jeder Erklärung entzieht, wird sie zum stärksten Element des Bildes: ein stiller Akt von Klarheit inmitten des Offenen.

Der Titel verstärkt diese Wirkung. „Nirgendwo“ ist kein Mangel, sondern eine Befreiung von Koordinaten. Hier gibt es kein Oben und Unten im klassischen Sinn, kein Vorher und Nachher. Das Bild lädt dazu ein, den gewohnten Standpunkt aufzugeben und sich in einen Zustand des Nicht-Verortet-Seins fallen zu lassen. Wer hier verweilt, spürt: Dieses Nirgendwo ist kein Verlust, es ist ein Möglichkeitsraum.

„Der Himmel über nirgendwo“ überzeugt nicht durch Lautstärke oder Erklärung. Es überzeugt durch Zurückhaltung, Materialität und innere Spannung. Es ist ein Bild für Menschen, die nicht nach Antworten suchen, sondern nach Resonanz. Ein Bild, das nicht sagt, was ist, sondern erlaubt, etwas Eigenes darin zu finden.

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