Schlagwort-Archiv: Brille

Kalenderblatt
13. März

Pinselhuber hat vergessen, seine Brille zu putzen

Das Kalenderblatt zum 13. März
“Pinselhuber hat vergessen, seine Brille zu putzen”
“Pinselhuber has forgotten to clean his glasses”
“Pinselhuber ha olvidado limpiar sus gafas”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Der Titel „Pinselhuber hat vergessen, seine Brille zu putzen“ wirkt zunächst humorvoll, fast beiläufig, doch genau darin liegt seine Raffinesse. Er öffnet die Tür zu einer Wahrnehmung, die weniger auf exakte Formen als auf subjektives Sehen, emotionale Wahrnehmung und das Spiel zwischen Klarheit und Unschärfe zielt. Dieses Bild ist keine Beschreibung der Welt, es ist eine Erfahrung des Sehens selbst.

Beim ersten Blick prallen intensive Rotflächen, vibrierendes Gelb, gebrochenes Weiß und dunkle, fast rußige Schwarzstrukturen aufeinander. Die Farben wirken nicht ordentlich gesetzt, sondern geschoben, gezogen, verschmiert und geschichtet, als hätten sie sich in Bewegung befunden. Die Acrylpaste erzeugt dabei eine physische Präsenz: Die Oberfläche ist nicht nur Bild, sondern Terrain, eine Landschaft aus Spuren, Druck und Energie.

Das Rot links erscheint wie aufleuchtende Signale, fast architektonisch in Blöcken organisiert. Sie erinnern an <strong “>Fenster, Leuchtreklamen oder urbane Fragmente, die durch einen Schleier wahrgenommen werden. Doch diese scheinbare Ordnung beginnt sofort zu zerfließen: Weiß läuft in vertikalen Bahnen herab, Gelb glimmt darunter auf, als würde Licht durch eine verschmutzte Scheibe dringen. Genau hier entfaltet sich die poetische Kraft des Titels: Wir sehen die Welt nicht klar, wir sehen sie durch unsere eigenen Filter.

Der rechte Bildbereich wirkt wie ein Gegenpol. Dort dominieren dunkle, wolkige Strukturen und zerkratzte Spuren, als würde sich Nebel, Rauch oder Erinnerung über die Szene legen. Das Schwarz ist nicht einfach Farbe, sondern Verdichtung. Es verschluckt Formen, lässt Konturen verschwinden und erzeugt einen Raum, in dem sich das Auge orientierungslos bewegt. Inmitten dieser Verdichtung blitzen jedoch wieder goldgelbe Lichtinseln auf, kleine Momente der Orientierung im visuellen Chaos.

Die Komposition lebt von dieser Spannung: Ordnung gegen Auflösung, Licht gegen Verdunkelung, Struktur gegen Zufall. Das Bild scheint uns zu sagen: Wenn die Brille nicht geputzt ist, verlieren Dinge ihre klaren Konturen, aber genau dann beginnt eine andere Form von Wirklichkeit sichtbar zu werden. Eine Wirklichkeit, die nicht aus präzisen Linien besteht, sondern aus Atmosphäre, Gefühl und Bewegung.

Die Spuren des Pinsels oder vielmehr des ganzen malerischen Gestus  bleiben bewusst sichtbar. Nichts wird geglättet oder korrigiert. Dadurch entsteht eine radikale Ehrlichkeit der Malerei: Jeder Strich ist Entscheidung, jeder Kratzer eine Erinnerung an den Moment des Entstehens. Das Bild ist weniger ein fertiges Objekt als eine Momentaufnahme eines energetischen Prozesses.

So verwandelt sich der scheinbar ironische Titel in eine tiefere Metapher: Vielleicht sehen wir die Welt erst dann wirklich, wenn sie unscharf wird. Wenn Gewissheiten verschwimmen, treten Emotionen, Eindrücke und innere Bilder hervor. Das Gemälde lädt uns ein, diese ungefilterte Wahrnehmung zuzulassen, nicht mit gereinigter Brille, sondern mit offenem Blick.

Am Ende bleibt ein Werk, das nicht erklärt werden will, sondern erlebt werden möchte. Ein Bild, das zwischen Humor und existenzieller Tiefe schwingt und uns daran erinnert, dass Kunst manchmal genau dort beginnt, wo die klare Sicht aufhört und das intuitive Sehen beginnt.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
2. Oktober

Sonntag Nachmittag in Kapstadt. Herr Surbier hat seine Brille verlegt.

Kalenderblatt vom 02. Oktober
“Sonntag Nachmittag in Kapstadt. Herr Surbier hat seine Brille verlegt.”
“Sunday afternoon in Capetown. Mr. Surbier has mislaid his glasses.”
“Domingo por la tarde en la Ciudad del Cabo.  Señor Surbier ha traspapelado suas gafas.”

Tusche auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Ein scheinbar verspielter Strich, ein Tanz von Linien, die sich zu einer geheimnisvollen Szenerie verweben. D                                                                    as Bild zieht den Betrachter sofort in einen Zwischenraum aus Realität und Imagination.

Was löst es aus? Neugier, Schmunzeln, aber auch ein leises Unbehagen. Die Linien sind frei und gleichzeitig verdichtet, manche wirken wie Notizen des Unterbewusstseins, andere wie rhythmische Muster, die an afrikanische Gewebe erinnern. Es entsteht eine lebendige, fast vibrierende Atmosphäre, die zwischen Leichtigkeit und Irritation schwingt.

Die Geschichte ist schnell geboren: Herr Surbier, der seine Brille sucht, ist vielleicht mehr als eine Figur. Er steht symbolisch für den modernen Menschen, der in einer Welt voller Muster, Eindrücke und Strömungen den Überblick verliert. Die Brille, Sinnbild für Klarheit und Orientierung,  ist abhandengekommen. Zurück bleibt ein Versuch, die Welt ohne gewohnte Filter zu sehen: verschwommen, chaotisch, aber voller neuer Entdeckungen.

Das Werk stellt Fragen: Was geschieht, wenn wir unsere gewohnte Perspektive verlieren? Was sehen wir, wenn wir nicht mehr fokussieren können? Ist die „Unschärfe“ vielleicht ein Tor zu einer tieferen Wahrheit?

Auf emotionaler Ebene lässt sich das Bild als Einladung lesen, die Kontrolle aufzugeben und sich dem Spiel der Linien hinzugeben. Spirituell könnte es ein Hinweis sein, dass Klarheit nicht immer aus Präzision entsteht, sondern aus dem Vertrauen ins Offene. Sozial und politisch gesehen könnte man in den Linien auch die Komplexität einer Gesellschaft erkennen,  zersplittert, dynamisch, miteinander verwoben.

Die Stimmung passt perfekt zur Intention des Titels: augenzwinkernd, poetisch, offen für Mehrdeutigkeiten. Der Sonntag in Kapstadt wird nicht als Postkartenidyll gezeigt, sondern als surrealer Zustand, in dem Orientierung und Orientierungslosigkeit ineinanderfließen.

Dieses Werk wirkt wie ein Spiegel, der uns auffordert, uns selbst zu fragen: Wo habe ich meine Brille verlegt und was entdecke ich, wenn ich trotzdem weitersehe?

Gerade diese Mehrdeutigkeit macht das Bild zu einem faszinierenden Sammlerstück. Es spricht nicht nur den Verstand, sondern auch Herz und Bauch an  und genau darin liegt seine Kraft: Es bleibt, es beschäftigt, es erzählt immer wieder neu.

Teile diesen Beitrag