
Das Morgenbild zum 19. September
„Der Kreis der Ewigkeit erhebt sich“
„The Rising Circle of Eternity“
„El Círculo Eterno al Amanecer“
Aquarell auf Aquarellpapier ca 15 x 21 cm
Werkkommentar
Über einer bewegten, beinahe elementaren Landschaft schwebt ein großer runder Körper. Er erinnert an eine Sonne, vielleicht auch an einen Keim, eine Zelle oder einen fernen Himmelskörper. Seine Form ist nicht vollkommen geschlossen, seine Oberfläche trägt Spuren und Verletzungen. Rosa, Rot, Ocker und ein zurückhaltendes Goldgelb verdichten sich zu einer Erscheinung, die zugleich kosmisch und eigentümlich körperlich wirkt.
Darunter ist alles Bewegung.
Blau, Türkis, Grün, Weiß und Gelb ziehen in breiten Bahnen über das Papier. Die Farben bilden Wellen, ohne sich vollständig auf das Meer festlegen zu lassen. Sie überlagern sich, brechen auseinander, finden wieder zusammen. Die Farbe selbst wird zur Strömung.
Dem steht die Ruhe des Kreises gegenüber. Er scheint über der Bewegung zu schweben und ist doch mit ihr verbunden. Zwischen beiden entsteht ein Spannungsfeld: Ruhe und Werden, Gestalt und Auflösung, Ferne und Nähe.
Eine besondere Rolle übernimmt das Gelb. Es umgibt den Kreis, erscheint im Himmel und kehrt in den bewegten Schichten darunter wieder. Das Licht besitzt dadurch keinen eindeutigen Ursprung mehr. Es ist nicht einfach Sonnenlicht, das auf eine Landschaft fällt. Es scheint aus dem Bild selbst hervorzutreten.
Gerade darin öffnet sich eine zweite Ebene.
Der Kreis kann Sonne sein, aber ebenso Ursprung, Erinnerung oder ein noch unbekanntes Gegenüber. Die Bewegung darunter kann Landschaft sein, Wasser oder ein innerer Raum. Das Aquarell verweigert die eindeutige Entscheidung und bewahrt dadurch sein Geheimnis.
Etwas steigt auf. Etwas kehrt wieder. Etwas beginnt.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Kern des Werkes. Es zeigt keinen gewöhnlichen Sonnenaufgang, sondern einen Moment des Übergangs. Etwas hat sich noch nicht vollständig offenbart, ist aber bereits gegenwärtig.
So wird das Licht nicht zum Versprechen einer einfachen Erlösung. Es erscheint vielmehr als eine Kraft, die sich immer wieder ihren Weg durch Bewegung, Widerstand und Veränderung sucht.
Und am Ende bleibt eine Frage, die das Bild nicht beantwortet:
Was beginnt, wenn das Licht wiederkehrt?
