Kalenderblatt
12. März

Iris im Tiefennebel

Das Kalenderblatt zum 12. März
“Iris im Tiefennebel”
“Iris in the deep fog”
“Iris dentro de la cerrazón”

Aquarell, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Iris im Tiefennebel“ wirkt wie ein Moment zwischen zwei Welten, zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis, zwischen Form und Auflösung. In diesem zarten Aquarell öffnet sich dem Betrachter keine gewöhnliche Blume, sondern ein innerer Landschaftsraum, der sich aus Farbe, Licht und Atmosphäre formt.

Die Iris im Vordergrund entfaltet sich in tiefem Violett, einer Farbe, die seit jeher mit Intuition, Spiritualität und innerem Wissen verbunden ist. Ihre Blütenblätter erscheinen nicht streng definiert, sondern weich und atmend, als würden sie sich aus dem Nebel heraus bilden. Das Gelb im Zentrum leuchtet wie ein inneres Feuer, wie ein geheimer Kern von Lebenskraft, der aus der Tiefe nach außen strahlt. Dieses warme Licht zieht den Blick an, es ist der energetische Mittelpunkt des Bildes, der Ort, an dem sich Stille und Intensität begegnen.

Der Hintergrund ist von einer sanften Nebelatmosphäre durchzogen. Grünliche und gelbliche Farbflächen fließen ineinander, lösen Grenzen auf und schaffen eine Stimmung von frühem Morgen, von feuchter Erde und erwachender Natur. Die Landschaft wirkt nicht konkret, sie ist vielmehr ein Gefühlsraum, ein innerer Horizont, in dem Wahrnehmung und Erinnerung miteinander verschmelzen.

Rechts im Hintergrund erhebt sich eine zweite, schlanke Blütenform in warmem Rot und Orange. Sie wirkt fast wie ein fernes Echo oder eine flammende Antwort aus der Tiefe des Bildraums. Während die Iris im Vordergrund in kontemplativer Ruhe ruht, bringt diese zweite Pflanze eine vertikale Bewegung, eine aufsteigende Energie, die dem Bild eine subtile Dynamik verleiht. Es ist, als ob aus dem stillen Nebel eine leise Glut des Lebens aufsteigt.

Die Verwendung von Aquarell auf Büttenpapier verstärkt diese Wirkung erheblich. Die Farben verlaufen weich, durchdringen das Papier und schaffen eine Transparenz, die an feuchte Luft, Nebelschleier und atmende Natur erinnert. Die Acrylpaste setzt dazu einen haptischen Kontrapunkt: Sie verleiht einzelnen Partien eine leichte Körperlichkeit und hebt die Blüte sanft aus dem fließenden Raum heraus. So entsteht ein spannendes Zusammenspiel von Leichtigkeit und Substanz, von Traum und Materie.

Dieses Bild erzählt nicht einfach von einer Blume, es erzählt von Wahrnehmung im Zustand der Stille. Von dem Augenblick, in dem sich die Welt noch nicht vollständig zeigt, sondern nur andeutet. Der Nebel ist hier nicht Verdeckung, sondern Einladung zum tieferen Sehen. Wer länger schaut, entdeckt, dass die Iris wie ein Tor zur inneren Landschaft wirkt: ein Symbol für Sensibilität, Intuition und die Schönheit des Unausgesprochenen.

So wird „Iris im Tiefennebel“ zu einer poetischen Meditation über das Entstehen von Form aus dem Ungeformten, über das leise Erscheinen von Schönheit aus der Tiefe des Unsichtbaren.

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Kalenderblatt
11. März

Er ging doch nur Zigaretten holen ...

Kalenderblatt vom 11. März
“Er ging doch nur Zigaretten holen …”
“He just went out to get cigarettes …”
“Iba solamente a comprar cigarrillos …”

Acryl, Acrylpaste, Permanentschreiber auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Der Titel trifft wie ein beiläufig hingeworfener Satz, der plötzlich eine ganze Lebensgeschichte öffnet: „Er ging doch nur Zigaretten holen …“. Was harmlos klingt, trägt in Wirklichkeit den bitteren Beigeschmack von Verlassenwerden, von einem Verschwinden ohne Rückkehr. Das Bild wirkt wie die emotionale Spur dieses Moments, nicht als erzählte Szene, sondern als innerer Aufruhr, als seelisches Echo.

Die Komposition ist ein vibrierendes Geflecht aus Gelb, Blau, Grau und Rot. Besonders das leuchtende Gelb breitet sich wie ein nervös flackerndes Licht über die Fläche aus. Es wirkt gleichzeitig warm und verstörend, wie eine Erinnerung, die noch glüht, obwohl die Hoffnung längst erkaltet ist. In dieses Feld aus Energie und Unruhe schneiden dunklere Formen hinein, Fragmente, Spuren, Linien, als hätte jemand versucht, Ordnung in ein plötzlich zerbrochenes Gefüge zu bringen.

Im rechten Bildbereich verdichtet sich die Form zu einer organischen, rot gezeichneten Gestalt. Sie erinnert an einen Körper, vielleicht auch an ein Herz, vielleicht an eine verletzliche Figur, die sich zusammenzieht. Das Rot pulsiert wie ein offengelegtes Gefühl, roh und ungeschützt. Die Linien des Permanentschreibers wirken fast wie Narben oder hektische Gedankenspuren, als würde das Bild selbst versuchen zu verstehen, was geschehen ist.

Die Collageelemente und die aufgerissenen Strukturen verstärken diesen Eindruck. Nichts scheint vollständig, nichts endgültig. Alles ist Fragment, wie Erinnerungen, die sich nicht mehr zu einer klaren Geschichte zusammensetzen lassen. Die Formen schweben, kippen, überlagern sich, als hätte der Moment des Wartens die Realität selbst aus der Balance gebracht.

Dabei liegt in der Arbeit eine eigentümliche Spannung zwischen Chaos und Bewegung. Die diagonalen Formen, die energischen Farbflächen und die rauen Strukturen erzeugen Dynamik. Es wirkt, als sei hier nicht nur Schmerz sichtbar, sondern auch ein Prozess. Ein inneres Ringen zwischen Verlust und Selbstbehauptung.

So wird das Bild zu mehr als einer Szene des Verlassenseins. Es ist eine poetische Verdichtung eines universellen Moments: Wenn jemand geht, scheinbar nur für einen Augenblick, und plötzlich ein ganzes Leben in der Schwebe hängt.

Und vielleicht liegt genau darin seine Kraft: Das Bild erzählt nicht vom Gehen des anderen, sondern vom Erwachen der eigenen inneren Landschaft, die in diesem Moment sichtbar wird.

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