Kalenderblatt
10. Oktober

Kalenderblatt 10. Oktober

Das Kalenderblatt zum 10. Oktober
„Die Geburt des Lichtes im Feuerstrom“
“The Birth of Light within the Firestream”
“El Alumbramiento de la Luz en el Río de Fuego”

Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Ein mächtiger Strom aus Rot, Orange und Gold durchzieht die Stille des weißen Raumes. Die Farben verdichten sich, überlagern einander, geraten in Bewegung und lösen sich wieder auf. Es ist, als hätte eine unsichtbare Kraft für einen Augenblick Gestalt angenommen.

Inmitten dieser feurigen Bewegung ruht ein goldener Kern. Klein und beinahe verborgen, scheint er dennoch das innere Zentrum des Geschehens zu bilden. Um ihn herum entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen Bewegung und Stille, Auflösung und Verdichtung, Vergänglichkeit und Beständigkeit.

Das Feuer wird zum Sinnbild einer Wandlung, die nicht an der Oberfläche geschieht, sondern im Innersten des Seins.

Es ist jenes geheimnisvolle Feuer, von dem die Alchemisten sprachen: eine Kraft, die das Erstarrte aufbricht, das Unwesentliche verzehrt und das Verborgene freilegt. Nicht Zerstörung ist sein eigentliches Wesen, sondern Verwandlung.

Doch das Licht, das sich in diesem Feuer offenbart, ist nicht dessen Schöpfung. Es war bereits gegenwärtig, verborgen unter den Schichten des Gewordenen, wartend auf jenen Augenblick, in dem die äußeren Formen ihre Macht verlieren.

Das Feuer gebiert nicht das Licht. Es befreit es aus seiner Verborgenheit.

Die weiten weißen Flächen verleihen dieser Bewegung eine besondere Bedeutung. Sie sind nicht einfach leer. Sie öffnen einen Raum jenseits der sichtbaren Formen, einen Raum der Möglichkeiten, in dem sich das Geschehen entfalten kann, ohne sich endgültig festzulegen.

So bleibt die Bewegung des Feuerstroms offen. Sie besitzt weder einen eindeutig bestimmbaren Ursprung noch ein sichtbares Ziel. Was wir sehen, ist ein Augenblick des Übergangs, ein Geschehen zwischen dem, was vergeht, und dem, was sich offenbaren möchte.

Die Geburt des Lichtes im Feuerstrom ist damit auch ein Bild des menschlichen Bewusstseins. Es erzählt von der Möglichkeit, durch die Erfahrungen des Lebens hindurch zu einer tieferen Erkenntnis des eigenen Wesens zu gelangen.

Nicht indem wir dem Feuer ausweichen, sondern indem wir erkennen, was in seinem Inneren unberührt bleibt.

Denn das Wesentliche wird im Feuer nicht vernichtet. Es wird sichtbar.

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10. Oktober

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Das Kalenderblatt zum 10. Oktober
„Aus dem Codex Auroræ – das Erwachen des Zeichens“
“From the Codex Auroræ – The Awakening of the Sign”
“Del Códice Auroræ – El Despertar del Signo”

Aquarell auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm

„Das Erwachen des Zeichens“ bewegt sich an der Grenze zwischen Landschaft, Schrift und innerer Erscheinung.

Die transparenten Farbräume des Aquarells lassen eine Welt entstehen, die sich noch nicht entschieden hat, ob sie Himmel, Erde oder Erinnerung sein möchte. Aus dieser schwebenden Unbestimmtheit treten dunkle, kalligrafisch anmutende Zeichen hervor. Ihre Fremdheit widersetzt sich einer unmittelbaren Entschlüsselung.

Ein weit gespannter, dunkelgrüner Bogen durchzieht die Bildmitte. Er verbindet und trennt zugleich. Er kann als Horizont, schützende Geste oder Schwelle verstanden werden. Unter ihm verdichten sich warme Rottöne, während links eine aufsteigende Form zwischen körperlicher Erscheinung und Auflösung schwankt.

Das Bild erzählt nicht vom Licht als fertiger Wahrheit, sondern vom Augenblick seiner Wahrnehmung.

Der Codex Auroræ erscheint dabei als Vorstellung eines unsichtbaren Buches, dessen Zeichen nicht Wissen vermitteln, sondern Erinnerung hervorrufen.

Das Aquarell verweigert eine eindeutige Lesart. Gerade darin liegt seine besondere Qualität: Es lässt dem Betrachter Raum, die eigene Beziehung zum Geheimnis des Anfangs zu entdecken.

Nicht das Zeichen selbst ist die Offenbarung. Es ist das, was durch seine Begegnung in uns erwacht.

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