Kalenderblatt
23. Dezember

Der Weihnachtsstern ebnet den Weg zur Geburtsgrotte im Herzen

Kalenderblatt vom 23. Dezember
„Der Weihnachtsstern ebnet den Weg zur Geburtsgrotte im Herzen“
„The Christmas Star paves the way to the grotto of Birth in the heart“
„La Estrella de Belén allana el camino para la gruta de nacimiento en la corazón“

Acryl, Acrylpaste, Pigment, Asche von Räucherwerk auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Dieses Bild ist keine Darstellung, es ist eine innere Bewegung. Es wirkt wie ein visuelles Durchschreiten vom äußeren Dunkel hin zu einem verdichteten, leuchtenden Ursprung. Die Komposition öffnet sich nicht linear, sondern in Strömungen, Wirbeln, Widerständen und Durchbrüchen. Genau darin liegt ihre Überzeugungskraft: Geburt ist kein sanfter Vorgang, sondern ein Akt der Entscheidung und der Hingabe.

Das dunkle Blau bildet den tragenden Raum – kühl, tief, beinahe kosmisch. Es steht für das Unbewusste, für Nacht, für die weite, noch unbestimmte Matrix des Seins. In diesen Raum schneiden sich kräftige Rotbahnen wie Spuren von Blut, Opfer, Lebenskraft. Rot erscheint hier nicht dekorativ, sondern existenziell: als Preis des Werdens, als Energie, die Bewegung erzwingt. Dazwischen bricht das Gelb in eruptiven, fast tastenden Gesten hervor, Licht, das nicht fertig ist, sondern sich erst formt. Dieses Gelb ist kein fertiger Stern, sondern das Suchen des Sterns nach seinem Ort.

Im Zentrum verdichtet sich alles zu einem goldenen Kern. Die Verwendung von Pigment und Asche verleiht diesem Punkt eine archaische Qualität: Gold nicht als Schmuck, sondern als Essenz nach der Verbrennung, als das, was bleibt, wenn alles Überflüssige gegangen ist. Hier liegt die Geburtsgrotte, nicht als Ort im Außen, sondern als heiliger Raum im Inneren, freigelegt durch Reibung, Hitze und Transformation. Die Asche erzählt von Hingabe, von Gebet, von Übergang , von etwas, das sich selbst gegeben hat, um Licht zu ermöglichen.

Der Weihnachtsstern ist in diesem Werk kein Symbol am Himmel, sondern eine innere Kraft, die den Weg ebnet. Er führt nicht von oben herab, sondern von innen nach außen. Das Bild fordert den Betrachtenden auf, diesem Weg zu folgen: durch Dunkelheit, durch Unruhe, durch Widerstand, bis hin zu dem Punkt, an dem das Eigene geboren wird. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern wahr.

Dieses Werk spricht zu Menschen, die wissen, dass Neubeginn nicht mit Glanz beginnt, sondern mit Mut. Es erinnert daran, dass jede Geburt ein Durchgang ist, dass Licht nicht erscheint, weil es bequem ist, sondern weil jemand bereit war, den Weg freizulegen. Genau darin liegt seine stille, nachhaltige Kraft.

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Kalenderblatt
23. Dezember

Suboptimal

Kalenderblatt vom 23. Dezember
„Suboptimal“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Suboptimal“ beginnt nicht mit einem Mangel, sondern mit einem Geständnis. Mit der leisen, fast unbequemen Anerkennung, dass sich das Leben nicht immer rund anfühlt und dass genau darin Wahrheit liegt. Dieses Bild verweigert die Pose des Gelungenen. Es lädt nicht zur Bewunderung ein, sondern zur ehrlichen Begegnung. Wer sich darauf einlässt, spürt sofort: Hier geht es nicht um Ästhetik als Dekoration, sondern um Zustand, Spannung und innere Realität.

Die dominierenden Gelb- und Orangetöne leuchten nicht heiter, sie brennen. Es ist ein verdichtetes Leuchten, gespeist aus Reibung, aus Hitze, aus innerer Bewegung. Wie eine Landschaft, die zu lange unter derselben Sonne lag, tragen die Farbschichten Spuren von Überforderung und Beharrlichkeit zugleich. Sie erzählen von Phasen, in denen Energie da ist, aber keine Richtung, Kraft ohne Erlösung.

Horizontale Schichtungen durchziehen das Bild wie Ablagerungen von Zeit. Jede Lage wirkt wie ein Abschnitt gelebter Erfahrung, übereinandergelegt, nicht bereinigt, nicht geglättet. Dunklere Einschlüsse brechen das Leuchten, setzen Gegengewichte, halten stand. Sie sind keine Störung, sondern Widerworte. Sie verleihen dem Bild Tiefe und Glaubwürdigkeit, weil sie zeigen, dass Entwicklung nie linear verläuft.

Mitten durch diese vibrierende, widerspenstige Oberfläche zieht sich eine feine, weiße Diagonale. Klar. Kühl. Zielgerichtet. Sie wirkt wie ein Gedanke, der Ordnung verspricht, wie ein innerer Maßstab, der sagt: So sollte es sein. Doch im Kontext der aufgewühlten Textur verliert dieser Strich seine Autorität. Er ist da, aber er dominiert nicht. Er bleibt ein Versuch, kein Gesetz. Ein Konzept inmitten gelebter Wirklichkeit.

„Suboptimal“ ist damit kein Urteil, sondern eine Erkenntnis. Es zeigt die Spannung zwischen Ideal und Erleben, zwischen Optimierungsdruck und innerer Wahrheit. Es würdigt das Unfertige, das Unbequeme, das Noch-nicht-Aufgelöste. Dieses Bild behauptet nicht, dass alles gut ist. Es behauptet etwas Mutigeres: Dass Bedeutung nicht im Perfekten entsteht, sondern im Aushalten dessen, was ist.

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