Kalenderblatt
12. März

Abendbrot bei Abendrot

Kalenderblatt vom 12. März
„Abendbrot bei Abendrot“
„Supper during sunset“
„Cena durante luz crepuscular“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Bild trägt den poetischen Titel „Abendbrot bei Abendrot“  und genau diese Verbindung von Alltäglichkeit und kosmischer Stimmung entfaltet sich bereits im ersten Blick. Was zunächst wie eine abstrakte Komposition erscheint, offenbart sich bei längerem Betrachten als eine Verdichtung eines Übergangs: vom Tag zur Nacht, vom Tun zur Einkehr, vom Außen zum Inneren.

Der Blick wird unmittelbar von der großen, warm leuchtenden Kreisform im oberen Bildbereich angezogen. Sie wirkt wie eine glühende Abendsonne, ein runder, goldener Körper, der nicht nur Licht, sondern auch Reife, Fülle und Vollendung ausstrahlt. Ihre strukturierte Oberfläche erinnert an eine Frucht, an Brotkruste, an etwas Genährtes und Gereiftes. In dieser Sonne liegt mehr als ein Himmelskörper, sie wird zum Symbol des täglichen Segens, der über den einfachen Moment des Abendbrots fällt.

Der Hintergrund ist in warme, erdige Töne getaucht: Ocker, Apricot, gebrochenes Rot. Diese Farbwelt wirkt wie ein atmosphärischer Raum des Abendrots, jener magischen Zeitspanne, in der das Licht weich wird und alles Geschehen des Tages in einen milden, versöhnlichen Ton taucht. Die Oberfläche des Aquarellbüttenpapiers, kombiniert mit Acryl und Paste, erzeugt eine lebendige, fast atmende Textur, als würde das Bild selbst den Rhythmus des Tages nachzeichnen.

Im unteren Bereich treten geometrische Formen hervor – Rechtecke und Farbflächen in tiefem Blau, Violett und Rot. Sie erinnern an Tischflächen, Brotstücke oder gedeckte Elemente eines einfachen Mahls. Doch sie bleiben bewusst abstrakt. Dadurch wird der Moment nicht konkret festgelegt, sondern verwandelt sich in eine universelle Szene des Innehaltens. Diese Formen stehen wie stille Teilnehmer eines Rituals: das Zusammenkommen, das Teilen, das Danken.

Das kräftige Blau bringt eine kühle, sammelnde Energie ins Bild. Es wirkt wie der hereinsinkende Abend, der die Hitze des Tages beruhigt. Zwischen den warmen und kühlen Flächen entsteht ein spannungsvoller Dialog, Feuer und Ruhe, Sonne und Schatten, Bewegung und Stille.

Besonders faszinierend ist die freie, fast schwebende Struktur im mittleren Bildfeld, ein dynamischer Farbrest aus Blau und Grau, der wie ein flüchtiger Gedanke oder ein aufsteigender Duft erscheint. Vielleicht ist es der Moment zwischen zwei Gesprächen, vielleicht der stille Atemzug vor dem ersten Bissen. Diese Spur verleiht dem Bild eine poetische Bewegung, die das Stillleben in ein inneres Geschehen verwandelt.

So wird „Abendbrot bei Abendrot“ zu weit mehr als einer abstrakten Komposition. Es erzählt von einem uralten menschlichen Ritual: dem bewussten Übergang vom Tun zum Sein. Der Tag hat seine Arbeit getan, die Sonne steht tief, und im einfachen Teilen einer Mahlzeit offenbart sich etwas Größeres, Dankbarkeit, Verbundenheit und Frieden.

Dieses kleine Format von nur 21 × 15 cm trägt eine überraschende Tiefe. Es wirkt wie ein visuelles Haiku, in dem wenige Formen und Farben genügen, um eine ganze Stimmung hervorzurufen. Der Betrachter wird eingeladen, nicht nur zu schauen, sondern sich selbst in diesen Moment hineinzuspüren.

Am Ende bleibt ein Gefühl von Wärme und Ruhe zurück, als hätte man selbst einen Platz an diesem Tisch gefunden, während draußen die Sonne langsam im goldenen Abendrot versinkt.

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Rainy Day

Rainy dayAus meinem Zeichenbuch: Rainy Day

Was sich hier entfaltet, ist weit mehr als die Darstellung eines regnerischen Tages. Die Zeichnung wirkt wie ein Moment innerer Wetterlage, festgehalten in einer Sprache aus Linien, Verdichtung und stiller Bewegung. Schon der erste Blick führt in eine Atmosphäre, die nicht laut, sondern tief atmend und kontemplativ ist.

Der obere Bildraum wird von einem schweren, grauen Himmel beherrscht. Die weichen, verwischten Schraffuren lassen den Eindruck entstehen, als würde der Regen nicht nur fallen, sondern den gesamten Raum durchdringen. Es ist ein Himmel, der nicht dramatisch explodiert, sondern sich gleichmäßig über die Landschaft legt, wie ein gedämpfter Schleier über die Welt. Darin liegt eine stille Intensität: Die Natur scheint nicht in Bewegung zu sein, sondern in einem Zustand konzentrierter Sammlung.

Am Horizont erscheinen dunkle, fast archaisch wirkende Formen. Sie erinnern an Baumgruppen, Felsen oder Silhouetten eines Waldrandes, doch ihre genaue Gestalt bleibt bewusst offen. Diese Unschärfe macht sie zu mehr als nur Landschaftselementen: Sie wirken wie Grenzlinien zwischen Sichtbarem und Unbewusstem, zwischen äußerer Welt und innerer Wahrnehmung. Besonders die links aufragende Form, fast wie eine Figur oder eine uralte Baumgestalt, steht wie ein Wächter der Szenerie, eine stille Präsenz, die dem Bild einen mythologischen Unterton verleiht.

Die horizontale Farbspur in der Bildmitte – ein gedämpftes Band aus Rot, Ocker, Blau und Gelb – durchbricht die monochrome Dominanz der Kohle. Diese Farben erscheinen nicht laut, sondern wie flüchtige Reflexe im Regenlicht. Sie erinnern an Spiegelungen auf nassem Boden, an Licht, das durch Wolken bricht, oder an ferne Felder, die sich hinter dem Schleier des Regens erahnen lassen. In dieser Zone geschieht etwas Entscheidendes: Hier begegnen sich Dunkelheit und Hoffnung.

Der Vordergrund dagegen ist rauer und unmittelbarer. Die angedeuteten Gräser und Zweige wirken wie Spuren eines Ortes, an dem der Betrachter selbst steht. Sie ziehen den Blick in das Bild hinein und schaffen eine Perspektive, die nicht distanziert, sondern teilnehmend ist. Man hat das Gefühl, selbst am Rand dieser Landschaft zu stehen, vielleicht in einem Moment des Innehaltens, während der Regen fällt und die Welt stiller wird.

Gerade in dieser Reduktion liegt die Kraft der Zeichnung. Die Formen bleiben fragmentarisch, die Linien tastend. Dadurch entsteht ein Raum, der nicht alles erklärt, sondern den Betrachter zum Mitfühlen einlädt. „Rainy Day“ wird so zu einem Bild über Zwischenzustände: zwischen Wetter und Stimmung, zwischen Landschaft und innerem Erleben, zwischen Dunkelheit und leiser Aufhellung.

Am Ende ist dieses Werk weniger eine Darstellung von Regen als eine Meditation über Atmosphäre. Es zeigt den Moment, in dem äußere Natur und innerer Zustand ineinander übergehen. Der Regen wird zur Metapher für Reinigung, für Sammlung, für das sanfte Zurücktreten der Welt, damit etwas Tieferes hörbar wird.

Und genau darin liegt die poetische Kraft dieses Bildes: Es erzählt nicht vom Regen, es lässt uns ihn fühlen.

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